Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 171
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Když s předjarím přijel pan Preußler

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außerdem hingen dort die fantastischsten Träume. In der Mitte des Raumes standen noch mehrere hohe ovale Spiegel herum. Tante Fischer waltete ihres Amtes rundlich, flink und wortgewandt. Sie schleppte die „Madame Pompadour", die „Lola Montez", die „Julischka aus Budapest" und noch viele bemerkenswerte Frauenpersonen herbei, und meine Mama sowie Kusine Hermine tänzelten auf und ab, und sie wendeten und drehten sich immer wieder vor den ovalen Spiegeln. Endlich wählte meine Mama das Kostüm „Sonne" und Kusine Hermine entschied sich für das Kostüm „Moulin Rouge". Es waren Prachtstücke aus der neuesten Kollektion. Meine Mama stand vollkommen goldglitzernd mit schmaler Korsage und knielangem ausgezacktem Röckchen da. Der Kopfschmuck war ein enganliegendes Käppchen, auf dem ein schillernder Strahlenkranz wippte. Um den Hals hatte meine Mama noch ein mehrreihiges Kettengehänge, das ihr fast bis an den Nabel reichte. Kusine Hermine glänzte ganz in Grün. Das Kostüm hatte ebenfalls ein schmales Oberteil, aber das Röckchen war kein Röckchen. Es waren aneinandergereihte Glasperlenschnüre, die von der Hüfte bis zum Knie reichten und bei jedem Schritt meiner Kusine Hermine deren wohlgeformte Beine für Bruchteile einer Sekunde freigaben. Ich war begeistert und wünschte mir, ich wäre zehn Jahre älter. Der Kopfputz zu diesem herrlichen Kostüm bestand nur aus wallenden Straußenfedern. Noch heute träume ich davon.

Als der Samstag kam, ließ sich meine Mama bei ihrem Friseur schöne Sechser ondulieren, denn die waren damals hoch in Mode. Und ich konnte den Abend nicht erwarten. Bis dahin war die Quecksilbersäule zum ersten Male seit Wochen bis zur Nullgradgrenze geklettert, außerdem regnete es langsam aber stetig. Bald waren die Gehsteige und Straßen spiegelglatt und glänzten gefährlich in der Straßenbeleuchtung. Herr Preußler ließ sich aber nicht entmutigen und befahl seinem Chauffeur pünktlich vorzufahren. Im Fond des noblen Automobils quetschte meine Mama uns links und rechts an sich, derweil sie zitterte, daß die Perlen und Pailletten raschelten. Vater, der in der anderen Ecke eingepreßt saß, murmelte durch die Zähne etwas von „närrisch und verrückt". Lautstark wagte er wahrscheinlich nicht zu lästern, weil er seinen guten „Schwarzen" anhatte und weil der feine Herr Preußler und sein livrierter Chauffeur vor uns saßen. Das Automobil schlich vorsichtig die Staatsstraße über Neujanessen, Janessen den Hornerberg hinauf, was wirklich halbwegs gut ging. Aber die Hinunterfahrt über die spitzen Serpentinen nach Elbogen war eine reine Glückssache. Bei jeder Kehre, die wir wieder heil hinter uns gebracht hatten, stießen die Erwachsenen abgrundtiefe Schnaufer aus. Meine Mama hörte ich immerfort wispern. Ich glaube, sie hat gebetet, — und das mit dem Strahlenkranz auf dem Kopf! Heinrich und ich plapperten in Unkenntnis der gefährlichen Lage munter drauflos. Die drei Herren schwiegen mannhaft, wenn man von den Schnaufern absieht. Endlich waren wir bei der Brücke in Elbogen. Von dort nach Neusattl war es nur noch ein Kinderspiel für unseren Chauffeur, weshalb sich die allgemeine Stimmung auch zusehends besserte.

Tante Anna steckte uns bald in die Betten, denn es war doch spät geworden, und die Gesellschaft packte meine wunderschöne Kusine Hermine mit in das Auto und fuhr ab zum Ball. — Mitten aus dem buntesten Träumen wurden wir gerissen, als wir um drei Uhr wieder heimzu fuhren.

Das Tauwetter hatte sich verstärkt, so daß die Straße vom Eise frei war. Es herrschte beste Laune in unserer Prachtkarosse. Herr Preußler lachte immer wieder, weil meine Kusine Hermine den ersten Preis und meine Mama den zweiten bekommen hatte. Und er amüsierte sich immer wieder, daß Hermine eine Riesenwagenladung Braunkohle erhielt, die sie mangels eigenen Bedarfs ihren Eltern in den Haushalt mit einbrachte. Meiner Mama hatte man das Marterwerkzeug von einem Dauerwellenapparat übergeben. Er war von einer Fabrik in Meierhöfen gestiftet worden, aber meine Mama konnte mit ihm nicht zurechtkommen. Deshalb nahm sie einige Tage später das Monstrum und ging damit zu ihrem Friseur. Weil sie aber nicht rumhandeln wollte und konnte, bekam sie nur die nächste Dauerwelle umsonst.

Hermine Walter, geb. Palm

Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.

Joh. Wolfgang v. Goethe

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