Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 171
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Když s předjarím přijel pan Preußler

Mit dem Frühlingsahnen kam Herr Preußler

Der Winter 1929/30 war sehr hart. Und er war lang. Dauernd stand der Frühling draußen vor der Türe und konnte nicht herein, denn der eisige Zottelgreis wollte nicht weichen. Sobald man nur die Nase zum Haus rausstreckte, erstarrte das Gesicht zur Fratze. Kein Kindergeschrei war auf Rodelhängen oder Tschienerbahnen zu vernehmen, weil die Buben und Mädchen viel lieber hinter den warmen Ofen gekrochen sind. Selbst die großen Leute bohrten sich nur mit eingezogenen Schultern durch die frostige Kälte, wenn sie ihre dringendsten Erledigungen tätigen mußten. Diese Eiszeit dauerte fast bis zum Ende des Faschings.

Da gelang es eines Tages doch dem jungen Lenz, daß er die Türe einen Spalt breit öffnen konnte, um Tauwetter mit Regen auf das hartgefrorene Land zu schicken. Alle Leute atmeten auf, als sich die Fessel zu lockern begann. Da kam auch schon Herr Preußler zu uns.

Zweimal im Jahr kam er, zum Frühling und zum Herbst. Herr Preußler war ein Reisender, oder, wie man heute sagt, er war ein Vertreter. Und was für einer er war! Er hatte Format. Immerhin vertrat er die größte Pinselfabrik der Tschechoslowakei und bereiste den gesamten böhmischen und mährischen Raum. Herr Preußler war ein hochgewachsener und drahtiger Mann, immer gut gelaunt und immer duftend gepflegt. Sein Sprechanismus war derart gut geölt, daß er kaum zum Atemholen kam, sobald er richtig im Redefluß war. Wenn er uns besuchte, erregte das Aufsehen in der gesamten Nachbarschaft, denn sein Automobil war von der vornehmen Klasse. Würde es heute als Oldtimer angeboten werden, müßte man schon mindestens den Wert einer soliden Villa dafür hergeben. Das Unterteil der Prachtkarosse war rubinrot und das Verdeck in gediegenem Schwarz. Die Speichen glänzten stets sidolgeputzt. Aber die Auffahrt dieses Vehikels wäre nicht halb so aufregend gewesen, wenn ihm nicht auch noch ein Chauffeur in Livree entstiegen wäre und sich beeilt hätte, um das Automobil zu kommen, damit er seinem Chef einen wirkungsvollen Auftritt verschaffen konnte, denn Herr Preußler liebte das Theatralische, das Pompöse. Und wir, mein Bruder Heinrich und ich, wir liebten ihn, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, was er uns immer mitbrachte. Als er einmal im Spätherbst kam, brachte er uns bereits für den Christbaum einen großen Karton voller Zuckerstückerln mit. Sie waren alle in grünem Stanniol eingepackt. Sobald heutzutage für mich eine Ampelanlage auf „Grün" schaltet, erinnere ich mich der schönen Zuckerstückerln und ihres Spenders. Ein andermal schenkte Herr Preußler jedem von uns eine mittelgroße Schachtel mit Rumkugeln. Eigentlich waren es ja keine Kugeln, sondern Hütchen aus feiner Schokolade, innen mit Zuckerkruste und viel flüssigem Rum. Während sich Herr Preußler mit meinem Vater einer wortreichen Verkaufsbesprechung hingab, fielen Heinrich und ich über die Kugeln her. Und als wir eben die letzte in den Mund steckten, kam Herr Preußler, um sich von uns zu verabschieden, denn er war nicht nur höflich, sondern auch ein äußerst kluger Kaufmann, der wußte, daß der Weg zum Ziel am schnellsten über kleine Kinder und geliebte Hunde führt. Herr Preußler war entsetzt, als er uns sah, denn Heinrich und ich waren sternhagelvoll und schauten aus glasigen Augen verständnislos drein, als meine Mama wollte, daß wir einen „Diener" bzw. „Knicks" machten. Da schlich sich Herr Preußler gramgebeugt davon, denn betrunken wollte er uns nicht gemacht haben.

Nun stand er also wieder da, unser Herr Preußler. Dieses Mal hatte er sich nicht wieder verwählt gehabt, denn er brachte Heinrich und mir eine Schweizer Schokolade mit. Für meine gute Mama hatte er sich was ganz Besonderes ausgedacht. Zum letzten Faschingswochenende wollte er Karten für einen Ball nach Neusattl besorgen. Mama bekam gleich rote Bäckchen vor Freude, während Vater von Herrn Preußler unter Druck gesetzt werden mußte. Es versprach ein besonderer Ball mit Prämierung der schönsten Masken vor der Demaskierung zu werden.

Meine Mama setzte sich gleich mit unserer Tante Anna in Neusattl in Verbindung und fragte an, ob wir Kinder während des Festes bei ihr Unterkunft haben dürften. Und so freudig, wie meine Mama gestimmt war, lud sie gleich noch meine Kusine Hermine mit zum Ball ein, — denn Herr Preußler wird's schon machen. Sie verabredeten sich sofort zu einem Besuch bei meiner Tante Fischer in Karlsbad, wohin ich mitgehen durfte. Die Tante Fischer hatte neben ihrer Schneiderei auch einen Kostümverleih. Er war in der Saison eine wahre Goldgrube. Etliche Mädchen stichelten Tag für Tag nur an Straß, Pailletten und falschen Perlen. In einem großen Zimmer waren ringsherum an den Wänden Ständer aufgestellt worden. An ihnen hing ein Querschnitt durch die gesamte Weltgeschichte und

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