Liebe Landsleute!
Zum bevorstehenden Osterfest möchte ich allen die herzlichsten Ostergrüße senden. Wieder einmal haben wir die triste Zeit überwunden. In diesem vergangenen Winter dürften wir ganz besonders an die Heimat erinnert worden sein. Der viele Schnee war für uns keine Überraschung gewesen. Auch die Kälte dürften wir gut ertragen haben. Aber etwas dürften wir alle vermißt haben: das prasselnde Feuer in den Öfen, die daheim Wärme spendeten. Nun ist diese Zeit vorbei.
Auch die Faschingszeit dürfte vielen von uns nicht mehr diese Bedeutung abringen, wie wir sie einst daheim gehabt haben. Was sagt uns heute das hier so laute „Helau und Alaaf"? Man ist nur Zaungast des bunten Treibens. Wie klang doch unser „Hollo, Hollo" und „KrKr" vertraut. Nun, es ist vorbei. Das Wirtshausmaschkern gibt es nicht mehr.
Da in diesem Jahr die Porzellanfabrik Haas und Czjzek, die ein Wahrzeichen unserer Stadt war, ihr 190jähriges Bestehen feiern könnte, habe ich mir erlaubt, als Anlaß dieses Ereignisses, eine Bilddokumentation in unserem Heimatbrief zu veröffentlichen. Die Bilder bekam ich von unserer Landsmännin Frau Frieda Erhard (Kühnhackl Frieda). Sollte die Bezeichnung des einen oder anderen Bildes nicht genau sein, so bitte ich mir das nachsehen zu wollen, denn ich habe eine derartige Produktionsstätte, wie es H & C war, nie von innen gesehen. So habe ich nach früheren Gesprächen über die einzelnen Fabrikationstätigkeiten meine Beschriftung gemacht. Aus jedem Bild wird uns der Fleiß und die Tüchtigkeit der dort beschäftigten Landsleute vorgestellt. Manche Tätigkeit grenzt ans Künstlerische, ja, es ist Kunst. Denn was uns heute angeboten wird unter dieser Bezeichnung ist manchmal unverständlich. Die Bilder sollten ein Andenken sein und unseren Nachkommen zeigen, welch großartige Leistungen daheim erbracht worden sind. Da diese Fabrik nach dem Niedergang des Bergwerkes unserer Stadt den größten Broterwerb sicherte, lohnt es sich heute einen Rückblick zu halten. So mancher Landsmann hat dort sein Fach erlernt und bis ins Alter ausgeübt. Viele Familien dankten diesem Objekt ihre Existenz. Ich nehme an, daß noch manche lebende, dort tätig gewesenen Landsleute, sich darüber freuen, noch einmal ihren Arbeitsplatz in Erinnerung gebracht zu bekommen. Leider sind viele nicht mehr unter uns. Aber vergessen werden sie von uns auch nicht. Für manchen Nachkommen ist es interessant zu sehen, was geleistet worden war.
Für die vielen Weihnachtsglückwünsche, die mir persönlich zuteil wurden, sage ich herzlichen Dank. Meine Freude war groß. Bedanken möchte ich mich bei den Landsleuten, die mit ihren Spenden dazu helfen, weiter den Heimatbrief herausgeben zu können. Ganz besonders bedanke ich mich auch bei allen, die mit ihren Beiträgen helfen, unseren HB gut ausgestalten zu können. Mir liegen zur Zeit noch viele Eingaben vor, die ich anläßlich des Jubiläums der Porzellanfabrik zurückstellen mußte. Ich bitte um Verständnis. Ich hoffe den HB noch eine Weile erstellen zu können und werde in den folgenden Heimatbriefen alles aufarbeiten.
Eine Bitte habe ich: Schaut doch bei der Begleichung der Bezugsgebühren durch die Sparkassen darauf, daß der Belegausfüllende den Namen und die Adresse deutlich schreibt. Es kommen von den Geldinstituten Belege an, auf denen nicht entziffert werden kann, wer der Einzahler ist. Es würde mir und Euch viel Ärger ersparen, wenn alles seine Richtigkeit hätte. Wo soll man unleserliche Belege unterbringen?
Ein Treffen der Landsleute wird es in diesem Jahr nicht geben. Ich selbst bin gesundheitlich nicht dazu in der Lage, in Kahl eine Veranstaltung durchzuführen. Wer sich begegnen möchte, der sollte den Sudetendeutschen Tag 1982 zu Pfingsten in Nürnberg besuchen. Nehmt die Gelegenheit wahr. Wir werden nicht jünger und viele unserer Nachkommen interessieren sich nicht für diese Belange. Wofür wir in der jetzigen Zeit Verständnis haben müssen. Unser Zurückschauen ist noch Erleben. Noch einmal die Jugend in der Heimat gedanklich zu durchstreifen, den Freunden im Gedanken einen Gruß zu widmen, alle Gäßchen und Plätze durchwandern. Das ist das Erleben der Heimat, das unsere Nachkommen alles in der für sie geschaffenen neuen Heimat ebenfalls in ihrem jetzigen Zuhause erleben. Ob aber sie einmal so treu zur Heimat stehen, wie besonders wir Egerländer? Wir hoffen und wünschen es! Heutzutage hält man nicht viel von Tradition, Heimat oder Vaterland; es sind nur noch Wörter, der Sinn scheint verlorengegangen zu sein. Wir halten aber treu und fest an unserem alten Schlaggenwald, so wie wir es erlebt haben.
Euer Richard Brummeissl
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