Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 166
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Vzpomínky na Vánoce 1946, 1947 a 1981

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gewesen?

So verging die Zeit trotz allem recht schnell, die Arbeit ließ den Stürmen dieser Zeit wenig Raum zum Grübeln. Die Sorge um die Zukunft war ständiger Begleiter. Noch im Sommer 1946 wurden die ersten Leute unseres Dorfes zum Transport ins Ungewisse aufgefordert. Human sollte die Aussiedlung sein, was die Tschechen unter Humanität verstehen, davon können all jene sprechen, welche die Hiebe, die Mißhandlungen, das Beschlagnahmen und Ausplündern erleben mußten. Wäre es nicht besser gewesen, einfach fortzulaufen, aber wir hatten doch nichts verbrochen. So saßen wir auch Weihnachten 1945/46 um den Weihnachtstisch. Die gleichen Sorgen, Ungewißheit, einige Häuser standen bereits leer. Viele von uns hatten schon enge Verwandte durch die Vertreibung in Bayern. Ein trostloser Heiliger Abend. Dies sollte nun wirklich die letzte Weihnacht in der Heimat sein! Sollten wir wirklich unsere Krippe zum letzten Mal sehen, zum letzten Mal die Leuchten auf den Gräbern unserer Verwandten anzünden können? Kein Radio, keine Zeitung, schlechte Nachrichten aus Bayern, noch schlechtere Aussagen von Deutschen, die von der Sprachgrenze kamen und ihre Heimat freiwillig verließen, weil die Tschechen bedrohlicher und unerträglicher wurden. Kann dies so weitergehen, kann die Welt ein derartiges Unrecht zulassen, wohin soll ich mich wenden? Anklagend, vorwurfsvoll ist man versucht aufzuschreien! — Dann wieder — denk an die Familie, an andere, vielleicht gibt es noch eine Wende. Jawohl die Wende kommt, unser Dorf wird leer, in der Nachbarstadt ist dies noch schlimmer. Arbeit hilft Sorgen vergessen, also arbeiten wir, als ob uns die Vertreibung nichts anhaben kann und wissen genau, daß auch wir eines Tages die Aufforderung zur Aussiedlung — sprich Vertreibung — erhalten. Manchmal sehnt man diesen Zeitpunkt einfach herbei. Nur nicht nach der Ostzone, das war unser ganzes Beten. Fast wie eine Erlösung traf uns die Nachricht, daß wir nun mit dem letzten Transport nach dem Westen eingeteilt waren. Welch ein Aufatmen, als die Durchsuchungen beinahe gut verlaufen waren. Scheune mit eingebrachter Ernte, der Stall voller Vieh, die Felder abgeerntet bis auf wenige Kartoffeln. Und wir zogen als Habenichtse ins Ungewisse. Noch einmal einen Blick in den Stall, über die Felder, zurück über unser geliebtes Dorf, einen Blick zum Kirchturm, zum Friedhof, zum Krudum, und dann gehören wir zum großen Strom der Vertriebenen.

Als wir Ende Oktober 1946 in dieser Stadt am Neckar abends zwischen 21 und 22 Uhr eintreffen, landen wir natürlich in der Schule — Massenquartier. Ein Blick aus dem Fenster, nur viele Steine und wenig Brot, das war der erste Gedanke. Der Blick blieb an der Klosterkirche hängen. Ja, wohin soll ich mich wenden? Keine Wohnung, keinen Tisch, keinen Stuhl, kein Bett, keine Arbeit und nun auch keinen Beruf. Lange bleibt der Blick auf das Kreuz an der Klosterkirche hängen. Mußte es nicht so sein, daß wir nach hier kommen, mußte nicht Jesus als Kind auch fliehen? Also keinen Hader mit dem Schicksal. Was Gott tut, das ist wohlgetan und was niemand glauben konnte, es kam Weihnachten und alle hatten eine Unterkunft. Wohnung kann man nicht sagen, aber wir hatten die Freiheit, wenn auch in einem fremden Raum, auf Kisten und Säcken, mit wenig Habe. Wir hatten es warm, waren arm, aber wieder freie Menschen. Selbstverständlich waren an diesem Heiligen Abend unsere Gedanken daheim. Es ist alles vorbei. — Nein! Nicht vergessen, nicht aufgeben, unser Los mit Würde tragen.

Heute, 35 Jahre später, sitzen wir an festlich geschmückten Tischen. Hat sich unser Beten erfüllt? Ein Wunschzettel aus dieser Zeit würde heute sehr mager aussehen, deshalb sollten wir nicht vergessen, daß wir unser Schicksal in der Gemeinschaft mit Gottes Segen meistern konnten. Diese Gemeinschaft ist heute unser BdV, für die Verwaltungen und Behörden für uns Vertriebene die Herausgeber der Heimatbriefe. Deshalb sollten diese Verbindungen nicht abreißen. Weihnachten, das Fest der Freude und der Familie, nicht nur zum Feiern, auch ein wenig zum besinnlichen Nachdenken.

Denken wir an all unsere Lieben, die diese Zeit leider nicht mehr erleben konnten, denken wir an jene, welche im Geiste unserer Gemeinschaft ihr ganzes Schaffen und Tun geopfert haben, und denken wir an die vielen, welche uns Vertrauen und Verständnis in der bedrängten Zeit erbracht haben. Ihnen allen sei gedankt!

Ernst Hess

Allen Landsleuten ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr!

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