Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 166
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Je tomu už dávno

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schmunzelnd der Pate: „Owa aff uin Boua koua da Mensch neat stöi!" und goß gleich noch einmal ein. Dann prostete er seinem Gast zu und flutsch war das zweite Glas leer. „Woist, Wenzl", sinnierte der Pate, „ålla goutn Dinga sann dra!" und füllte die Stamperln aufs Neue. Dem Großvater begann es allmählich leichter zu werden, so war er einverstanden und trank das dritte Glaserl leer. Nach einer Weile lallte der Pate schon leicht, denn der Alkohol hatte bei ihm seine Wirkung auch nicht verfehlt. Mit schwerer Zunge sagte er: „Woißt Wenzl, dra is doch a ungrada Zahl, mir möin nu a Stamperl saffn!" Und so wurde es gemacht. Aber nun war es dem Großvater garnicht mehr so leicht, denn die Beine hingen jetzt wie Bleiklumpen an ihm, seine Arme fielen schwer auf die Tischplatte und der müde Kopf sank auf die Brust. Im selben Augenblick entschlummerte er in einen tiefen, süßen, wohligen Schlaf. Kein Mensch hätte vermocht ihn zu wecken. Indessen schneite es draußen unaufhörlich und deckte alles weiß zu.

Endlich — es dämmerte bereits — konnte man den Großvater wieder auf die Beine stellen. Erschrocken sah er zum Fenster hinaus und war plötzlich völlig nüchtern. Er nahm seinen Rucksack, den die Bäuerin mit Brot, Butter, Speck und Eiern gefüllt hatte, steckte noch schnell die Pfeife an und machte sich auf den Heimweg.

Aus den Stubenfenstern wiesen ihm zunächst Lichter die zugeschneite Straße, jedoch außerhalb des Dorfes war es so dunkel, daß er im Schnee waten mußte, ausrutschte und stolperte. Aber Gottlob hatte es aufgehört zu schneien. Durch das steile Waldstück hatte es der Großvater dennoch so schwer, daß ihm der Schweiß vom Gesicht rann, er öfters rasten mußte, denn es schnürte sich ihm die Kehle zu.

Als er dann endlich auf das freie Feld hinaus kam, ging der Mond auf und leuchtete auf die nächtliche Landschaft. Nebelschwaden zogen unvermittelt über die Höhen. Zwischen ihnen sah der arme Großvater plötzlich riesig und schwarz das Töppeleser Kreuz vor sich, und wenn er auch sonst ein furchtloser Mann war, so konnte er sich doch nicht ganz dem Aberglauben entziehen, denn von diesem Ort hatte er schon furchtbare Geschichten gehört. Das Houmannl würde hier zur nächtlichen Stunde sein Unwesen treiben, sich dem Wanderer auf den Rücken setzen, die Arme um dessen Hals schlingen und so fest zudrücken, daß dieser fast ersticke oder gar tot umfalle. Schon mancher starke Mann wäre hier vom Houmannl bezwungen worden. Zu Tode erschrocken zog Großvater seinen Hut, bekreuzigte sich dreimal, und im Augenblick, als gerade eine Nebelschwade das Kreuz verdeckte, setzte er seinen Federhut wieder auf.

Oh, du heilige Maria, da war plötzlich eine Kutsche neben ihm, und auf dem Bock saß sogar der Kutscher. Da jagte die Angst meinen Großvater, daß er zu rennen begann, so gut er nur konnte. Aber der Wagen blieb immer neben ihm, und wenn er glaubte, daß er ihn abgehängt hätte, war er plötzlich wieder da. Ja, selbst den Peitschenknall glaubte er deutlich zu hören. Gepeinigt verließ Großvater den Weg und lief querfeldein, nein, er stolperte an Gfell vorbei Richtung Poschitzau, die Kutsche immer wieder neben ihm. Als er bereits die Lichter seines Dorfes zu erkennen glaubte und sein Herz zum Zerspringen pumpte, war der Wagen so nah, daß Großvater laut aufstöhnte. Meine Großmutter war indessen schon in größter Sorge um ihren Wenzl gewesen und war immer wieder mit der Petroleumlampe vor die Haustür getreten, um Ausschau zu halten. Erschrocken hörte sie seinen Klageton, lief schnell hinaus und leuchtete in das wachsbleiche, schweißnasse Gesicht ihres Mannes, der sich, während er langsam zu ihren Füßen niedersank, noch den Federhut vom Kopf riß. Trotz seiner fast völligen Erschöpfung bemerkte er, daß augenblicklich die Kutsche samt Peitschenknall verschwunden war. Durch seinen müden Kopf bahnte sich noch die Erkenntnis, daß das ganze kein Spuk, sondern ein Zusammenspiel von natürlichen Dingen war. Der Mondschein hatte Großvaters Schatten immer wieder in einen solchen Winkel auf die Nebelwände fallen lassen, daß er zu einem kutschenähnlichen Gebilde wurde. Die wippende Auerhahnfeder mit den Grandeln klangen wie Peitschenknall.

Lächelnd erkannte mein Großvater seinen Irrtum und ließ sich ins Haus bringen. Unter dem Christbaum erzählte er später seiner Familie, was ihm widerfahren war, und keiner glaubte mehr daran, daß es am Töppeleser Kreuz spuken würde. Aber die Geschichten vom Krudum, dem Galgn, den Vierza Noathalfa usf., die seien alle wahr. Ich fand das wunderschön, denn nichts ging mir über die Gruselstunden in Großmutters warmer Stube.

Hermine Walter, geb. Palm

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