Erst in einer späteren Quelle (Bücherei der Warenkunde, Band 2, Porzellan, 1. Auflage 1935, mir vorliegend eine spätere undatierte Ausgabe) entnehmen wir, daß die Firma Haas & Czjzek 1932 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Die Produktion umfaßte „Tafel-, Kaffee-, Tee-, Mokka-Service, Hotelgeschirre, Kunstartikel: Figuren, Vasen, Schalen usw."
Die Chodauer Fabrik (Chodau = heute Chodov) wurde dem Vernehmen nach vor mehr als 10 Jahren stillgelegt. Die Fabrik in Schlaggenwald (= heute Horni Slavkov) besteht noch, allerdings nicht mehr unter dem Firmennamen „Haas & Czjzek".
Die Marken (Markentafel A und B, Nr. 1 - 59)
Die beiden Markentafeln sollen einen Überblick über die Marken der 1792 gegründeten Schlaggenwalder Fabrik sowie deren Zweigfabrik in Chodau geben. Diese Zusammenstellung kann nicht vollständig sein, doch sind die wichtigsten Markenzeichen vertreten, und bis zu geplanter Publizierung der böhmischen Fabriken in einer möglichst umfassenden Arbeit werde ich mich um Vervollständigung der Markenübersicht bemühen.
Als Quellen für die Marken des vorliegenden Beitrages benutze ich neben zahlreichen Originalen (Porzellane aus dem Österreichischen Museum für angewandte Kunst, in den Bildtexten abgekürzt ÖMAK, sowie aus Wiener Privatbesitz) vor allem die Publikationen von Pazaurek und Meyer (Gustav E. Pazaurek, Marken der älteren Porzellan- und Steingut-Fabriken Böhmens, in: Mitteilungen des Nordböhmischen Gewerbemuseums in Reichenberg, 1905, Beilage. — Hans Meyer, Böhmisches Porzellan und Steingut, Leipzig 1927). Diese beiden Autoren beschränkten sich auf Marken des 18. und 19. Jahrhunderts. Der Katalog Cesky Porcelán (Prag o. J., nach 1970) wählt zwölf Marken aus, darunter eine einzige aus dem 20. Jahrhundert. Ludwig Danckerts Zusammenstellung der Schlaggenwalder Marken (Handbuch des Europäischen Porzellans, München 1978, S. 433) enthält 21 Marken, davon acht aus dem 20. Jahrhundert, wovon nur die beiden letzten (Nr. 20 und 21) näher datiert sind; die anderen sind pauschal als „moderne Marken" bezeichnet.
Als weitgehend noch ungenutzte Quellen standen mir auch die Veröffentlichungen der Warenzeichenregistrierungen in Österreich und Deutschland ab dem späten 19. Jahrhundert zur Verfügung.
Die genannte Fachliteratur weist hinsichtlich der Schlaggenwalder Marken eine Reihe von Diskrepanzen auf; viele Marken-Datierungen wurden außerdem vorgenommen, ohne daß dem Interessierten durch genaue Quellenhinweise die Möglichkeit einer Überprüfung gegeben wäre (dies trifft vor allem auf Pazaurek, Meyer und auf ihnen basierende Literatur zu). Manche einander widersprechenden Angaben können daher nach dem heutigen Stand unseres Wissens noch nicht korrigiert werden; die auf solchen Angaben basierenden Schlußfolgerungen sind daher mit äußerster Vorsicht zu beurteilen. Trotzdem sei der Versuch einer Zusammenfassung in der Datierung der Schlaggenwalder und Chodauer Marken unternommen.
Das Schlaggenwalder „S"
(Bis ca. 1830/31; Markentafel A, Nr. 1 - 11)
Pazaurek nimmt ein römisches S mit Punkt (= S.) als Kennzeichnung für das sogenannte „Paulus-Porzellan" an (Pazaurek Nr. 1: „blau unter Glasur oder rot auf Glasur; vor 1800, Paulus-Porzellan"). Diese Ansicht wird von Danckert übernommen.
Meyer hingegen bildet als älteste Marke ein S ohne Punkt ab (Markentafel A, Nr. 1) und erläutert dazu: „Als Marke dient von Anfang an der Buchstabe S, in der Paulus- und Greiner-Zeit und bis 1812, vielleicht noch einige wenige Jahre länger, ein römisches S, entweder in Blau unter Glasur oder in Schwarz, Rot oder anderen Farben über derselben angebracht" (Meyer, S. 75). Nach Meyer datiert der Katalog Cesky Porcelán das S ohne Punkt 1794 - 1812, das S mit Punkt (Markentafel A, Nr. 2) 1810 - 1820.
Ein kursiv geschriebenes S mit Punkt (= S.) schreibt Meyer hingegen einem bestimmten Blaumaler zu und datiert es „spätestens von 1809 an" (Markentafel A, Nr. 3 und 8). Die Zuschreibung bestimmter kursiver S-Marken an die Schlaggenwalder Blaumaler Stöber und Trukkenbrod scheint mir noch nicht genug gesichert, die Beweiskette Meyers ist nicht ganz schlüssig: „Spätestens von 1809 an haben wir daneben ein geschriebenes plumpes S. und von etwa 1815 an ein steiles dünnes S., beide bis zum Aufhören der Unterglasurbezeichnung 1832. In dieser Zeit hat die Fabrik zwei Blaumaler besessen, Christoph Stöber, den
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