Lippert & Haas (1808 - 1847)
August Haas (1847 - 1867)**
Unter Georg Lippert und seinem Teilhaber Wenzel Haas (gest. 1830) bzw. dessen Sohn Eusebius August Haas (Teilhaber ab 1827, nach 1830 Nachfolger seines Vaters) erreichte die Fabrik einen ersten Höhepunkt. Im Jahre 1812 erhielt das Unternehmen das Landesprivilegium, und im selben Jahr schrieb Georg Friedrich Frick, Arkanist der Berliner Porzellanmanufaktur, einen Bericht über eine Reise, die er als Begleiter von Brongniart, dem Direktor der Manufaktur Sèvres, unternommen hatte. Diese Reise führte nach Sachsen, Böhmen, Österreich und Süddeutschland; die böhmischen Fabriken, über die Frick berichtete, waren Pirkenhammer, Schlaggenwald und Gießhübel.
Wiewohl Georg Lippert 1843 starb und August Haas die Firma mit Johann Möhling bis 1847 weiterführte, firmierte die Fabrik bis 1847 unter „Lippert & Haas" (wie aus dem später noch genauer zitierten Bericht über die dritte Wiener Gewerbsproduktenausstellung hervorgeht). Ab 1847 war August Haas Alleinbesitzer; Möhling machte sich selbständig und gründete in Aich eine eigene Porzellanfabrik.
Der Bericht von Frick (erstmals abgedruckt in den „Mittheilungen des Mährischen Gewerbe-Museums in Brünn" 1905, S. 29 - 30) ist aus vielen Gründen aufschlußreich, weshalb er hier vollinhaltlich wiedergegeben sei:
„Schlakenwalde, Etwa 3/4 Stunden von der Bergstadt Ellenbogen an der Eger, liegt gegen das Dorf Zech zu, an einem kleinen Gebirgsbach, der Zinnbach genannt, in einem schmalen Felsenthale, die sogenannte Schlakenwalder Porzelan-Fabrik.
Ein Chirurgus Lippert und ein kaiserlich österreichischer Cassirer Haas, beide in den kleinen nahgelegenen Bergstädtchen Schlakenwalde wohnhaft, sind die Besitzer derselben.
Ausser dem Versetzen der Porzelanmasse, welches einer der Besitzer selbst zu thun pflegt, werden die übrigen Fabrickgeschäfte durch einen Werkmeister, Moritz Greiner, der in der Fabrick wohnt, dirigirt.
Die Fabrik liegt in zwei kleinen massiven zweistökkigen Gebäuden, jedes etwa von 40 Fuß lang.
Die Porzelanerde erhält die Fabrick von Zedlitz und versetzt solche mit einem sonst braunen Feldspath trokken gemengt, und auf einem Mühlstein naß feingemahlen. Die feingemahlne Masse, wird ohne weiteres Schlämmen in thönernen Töpfen bis zur gehörigen Dikke eingetrokknet, hierauf in Ballen zusammengeschlagen, und ohne weiteres an die Porzelandreher zur Verarbeitung gegeben.
Die Mühle wird durch ein Wasserrad in Umtrieb gesetzt und bewegt, 5 Mühlsteine und 6 Stampfen, wovon drei und drei zusammen in einen Trog stossen.
Auch diese Fabrick hat durch den Krieg ihren Absatz nach Russland und Polen verlohren. Von 14 vorhandenen Drehscheiben, waren nur noch 9 im Gange.
Sie macht vorzüglich Caféegeschirr und blaugemaltes Tafelgeschirr; — Selbst Schüsseln bis zu 18 Zoll im Durchmesser, sind nicht so schwierig um ausgeführt zu werden. Die Fabrick hat einen Verglühofen, zwei Gutofen deren sie sich aber auch zum Verglühen bedienen und eine Muschel zum Farbeneinbrennen (Anm.: Muschel ist vermutlich ein Transkriptionsfehler soll wohl Muffel heißen).
Die Fabrick beschäftigt jetzt drei Buntmaler und zwei Blaumaler, kauft ihre Farben von dem Farben Laborant Distel in Hoechst, und brennt die Farben in 2 1/2 Stunde bei Holz ein. Den Thon zu den Kapseln erhält die Fabrick aus dem Dorfe Neusattel bei Ellenbogen. Er wird mit sehr feinem Mehl von gestampften Gutgebrandten Capseln versetzt. Die davon angefertigten Capseln sind höchstens 1/4 Zoll im Scherben stark und fleissig und gut gemacht. — Eine Capsel wird sechs bis acht mal zum Gut brennen gebraucht, und wird zuletzt äußerlich braun und glänzend, ohne auch dem Bruch verglaset zu sein. — Die Fabrick hat ein Waarenlager in Schlakkenwalde, und eine Niederlage in Carlsbad. — Die Geschirre sehen alle grau, blau und unangenehm aus. Farben und Malerei sind mitunter recht nett.
Die Fabrick, die sonst gegen 30 Menschen beschäftigte, ernährt jetzt nur noch 21, und wird, wenn der Frieden nicht sehr bald, und mit ihm der erneuerte Absatz nach Russland und Polen eintritt, bald ganz vom Schauplatz abtreten müssen.
Die weissen Tafelgeschirre dieser Fabrick stehen äußerst schlecht aus (Anm.: statt stehen vermutlich sehen), und haben alle Töne von Gelbweiss, Grauweiss und blauweiss, und verdienen kaum den Namen Porzelan.
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