Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 164
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Liebe Landsleute!

Pfingsten, das Fest der Erleuchtung, haben wir erlebt und ist vorbei. Für uns Sudetendeutschen hat der Pfingstsonntag eine besondere Bedeutung in den vergangenen 35 Jahren erfahren. Dieser Tag bringt Jahr für Jahr hunderttausende Landsleute an den Orten zusammen, die sich erlauben, dort friedlich für das Recht auf Heimat, aus der man uns mit Zwang vertrieben hat, zu demonstrieren. Außerdem zeigt diese Zusammenkunft wie treu und fest die Heimat in unserem Innersten weiter lebt. Leider hat die Zeit schon sehr viele Landsleute weggerafft. Aber immer noch ist eine stattliche Zahl bereit, an diesem Tag zu beweisen, daß keine Mühe gescheut wird, seinen Teil beizutragen, um der Welt das große Unrecht der Vertreibung aus dem Lande, daß die Ur-Ur-Eltern in vielen Jahrhunderten kultiviert und zivilisiert haben, aufzuzeigen.

Noch nie sah man bei dieser gewaltigen Menschenansammlung Polizeieinheiten. Nie wurden Hetzreden gehalten. Stets wurde der Gedanke auf Revanche verneint und auf die Versöhnung hingewiesen. Aber wie wurde dieses Verhalten von den verantwortlichen Berichterstattern quittiert? Man schwieg sich darüber aus. Ja man möchte gerne solche Veranstaltungen untersagen, wenn es möglich wäre. Anscheinend sind die Zusammenkünfte der Vertriebenen, ob Schlesier, Pommern, Balkanvertriebene oder Sudetenländer ein Störfaktor in der derzeitigen Politik. Noch nie war ein Bundeskanzler nur mit einem Wort für diese Volksgruppen hervorgetreten. Allerdings Bundespräsident Carstens hat für diese Volksgruppen schon öfters anerkennende Worte gehabt.

Weshalb wohl die Nachrichtenübermittler in Fernsehen, Rundfunk und Zeitungen sich hier einen Maulkorb anhängen lassen, wird nicht zu erfahren sein. Anscheinend befürchtet man, mit den Völkern der Vertreiber nicht ins Geschäft zu kommen. Geschäfte, die eh dem deutschen Volke große Verluste bringen, denn die Devisenknappheit dieser Völker ist ja sattsam bekannt. Die Bundesrepublik müßte sonst jedem einreisenden Bürger dieser Länder einen gewissen Betrag zuschieben, damit sie sich wenigstens eine Kleinigkeit als Souvenir aus dem kapitalistischen Land besorgen und es in das Arbeiterparadies mitnehmen können. Kleinigkeiten, die dort nie zu sehen, geschweige denn zu erwerben, bei uns aber im Überfluß vorhanden sind und nicht geachtet werden. Leider hat der Überfluß sehr viele Unzufriedene hervorgebracht und diese Unzufriedenheit der jungen Leute ist nicht ganz ungefährlich. Wollen wir hoffen, daß es den Führenden gelingen möge, wieder die Zufriedenheit dieser Generation zu gewinnen.

Wir einst in den ehemaligen Heimatorten Lebenden, haben allerdings noch ein anderes Pfingsten in uns bewahrt. Diese Festtage damals galten bei uns als der Anfang schöner Sommertage. Da blühte der Flieder und über unseren Orten lag der Duft des Frühlings. Jung und alt bewegte sich in der freien Natur und die bekannten Wege waren begangen worden, sei es zum gemütlichen Plaudern in einer der Gaststätten wie Wiesental oder Dreihäuser oder sonst irgendwo. Mancher wird heute noch einen solchen Gang in der Erinnerung gehen. Es ist eben zu schön, sich einmal wieder über die heimatlichen Fluren zu bewegen. Nur in der Erinnerung bleibt uns die Heimat so, wie wir sie verlassen haben. Leider haben die letzten Jahrzehnte dort erhebliche Eingriffe zugelassen, Eingriffe die jedem Besucher, der dort einst lebte, erschauern läßt. Keine Freunde begrüßen ihn. Verfallen und ausgelöscht ist der Hof, das Haus, verwüstet der einst blühende Garten. Keine Wege mehr, die man gewohnt war zu begehen. Nach all dieser düsteren Wahrnehmung sehnt man sich nach seiner jetzigen Heimat zurück, in die Geborgenheit, die man sich hier erschaffen hat. Die Menschen, die man begegnet, sehen in der gedemütigten Landschaft gleich arm aus. Von Lebensfreude ist keine Spur wahrzunehmen. Somit fällt es uns nicht so schwer, hier eine neue Heimat aufgebaut zu haben, in der unsere Nachkommen hoffentlich noch recht lange in Frieden und Freiheit leben

Zu unserem Titelbild:

„Schlaggenwald — Am Graben". Eine vielen Schlaggenwaldern vertraute Gegend. Wer zur Peint wollte, das Café „Reinhold" aufsuchte oder zum unteren Graben wollte, ging dort vorüber, über die steinerne Bruck, vorbei am hl. Nepomuk.

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