Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 164
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Setkání na kraji cesty mého dětství

Sträußchen gruppiert und so viele Male an die Wand gemalt. Im Halbdunkel lächelten sie alle als Buttermannsgesichter zu mir herunter. Angstvoll verkroch ich mich unter das Deckbett und lugte nur mit einem Auge vor, ob der Spuk nicht endlich vorbei sei, bis ich endlich einschlief. Unser Buttermann hatte mit seiner Kiste allein schon eine schwere Last, ich erwähnte es bereits. Er trug sie an zwei starken Gurten auf dem Rücken, an jeder Hand schleppte er dann noch einen Eierkorb. Ächzend stellte er immer alles in unserer Küche ab. Nachher lüftete er ein blütensauberes Geschirrtuch und im Sommer noch etliche „Dockabladla", und dann hob er bedächtig die duftenden Butterpackerln ans Tageslicht. Jedes Stück zeigte er einzeln, ließ daran riechen, wies auf die schöne Farbe usw., dabei sprach er in seiner Muttersprache, denn er wußte, daß meine Mama ihn verstand. Wenn sich beide wegen der Butter endlich handelseins waren, dann begann die Prozedur mit den Eiern. Einzeln wurden sie begutachtet und vorsichtig in eine Schüssel gezählt. „Na ja, man kann saggen, halbä Stundä hat das schon gedauärt." Nachher nahm der alte Buttermann seine Lasten wieder auf und verschwand bis zum nächsten Samstag.

Sehr gefreut habe ich mich, wenn unser Stoffrestlmann kam. Er trug auch schwer an seinem Kasten, den er wie der Buttermann auf den Rücken geschnallt hatte. Wie unser Stofflieferant hieß, weiß ich nicht mehr. Er dürfte vielleicht von der Sprachgrenze gekommen sein, denn er hatte einen böhmischen Akzent. Was er an Schätzen aus seiner Kiste holte, ließ mein Herz höher schlagen. Es waren immer ein paar Resterln dabei, die zu einem Kleid für mich reichten. Außerdem schenkte mir der gute Mann noch Fleckerln zum Puppenkleidernähen. Mit einem Schwall von „Danke schön!" und „Wiederschaun, gnä Frau!" verließ uns unser Textilkaufmann für einige Wochen.

Mit der ersten Frühlingssonne und den sprießenden Knospen kamen in jedem Jahr die Rastelbinder aus der Slowakei. Zu uns kam immer ein großer, dunkler Mann, der eine Wolke von Knoblauch mit sich führte. An einem starken Gurt trug er seinen Bauchladen vor sich her. Es ist ja unglaublich, was sich in diesem Geschäft unterbringen ließ. Da waren Wäscheknöpfe, Hosenknöpfe, Zwirnknöpfe, Kragenknöpfe, schwarzer und weißer Hosengummi, schwarzer und weißer Zwirn, Trägerband, Sicherheitsnadeln, Nähnadeln, Stecknadeln, Haarnadeln, Kämme, Steckkämme, Lauskämme, Haarspangen, Haarklammern, Drahtbürsten, Schuhbürsten, Naphtalin, Kernseife, schwarze und weiße Schuhpasta und schließlich Schnürsenkel, die in reichster Auswahl seitlich am Laden herunterhingen. Meine gute Mutter erstand vom Rastelbinder vieles, was ihr aus seinem Angebot fehlte. Dann gab sie dem ausgehungerten Mann noch etwas zu essen. Meistens verschlang er das Dargebotene mit solcher Gier, daß ich ihm entsetzt zusah. Bis zum Herbst besuchte er uns noch zwei- oder dreimal.

Eine besondere Gilde waren die Kesselflicker. Sie kündigten sich schon von weitem mit einer Glocke an. Dann lief ich zur Mutter, ob sie denn keinen Topf „mit an Lechla" hätte. Nachher trug ich mit Stolz das invalide Geschirr runter zum Kesselflicker, der inzwischen am Straßenrand seine Werkstatt aufgebaut hatte. Eine große Schar Kinder stand meistens drumherum und sah gespannt dem Meister zu. Der begleitete indessen seine Arbeit mit marktschreierischen Reden und hielt zwischendurch das Blechhaferl gegen die Sonne — wenn sie schien — um noch ein Löcherl zu finden, was ihm auch meistens gelang. So brachte ich oft der Mutter einen Topf mit drei Lötstellen zurück, derweil ich ihn vorher mit einem winzigen Löcherl runtergetragen hatte. Die Mutter schimpfte zwar, aber mir hatte es Spaß gemacht.

Ähnlich wie bei den Kesselflickern war es mit den Scherenschleifern. Auch sie holten mit lautem Glockengebimmel das Volk auf die Straße. Eine Schere oder ein Messer gab es immer zu schleifen. Nur da gingen die Mütter wegen der Gefährlichkeit selbst, wir Kinder durften nur zuschauen. Der Scherenschleifer wußte auch viel zu erzählen, vor allem über seine verantwortungsvolle Tätigkeit, denn sie war für ihn die wichtigste von der Welt. Dabei surrte pfeifend das Schleifrad unter der Klinge. Der lustige Mann kam bis zum Wintereinbruch noch ein- bis zweimal.

Leichtes Ziehen in der Herzgegend bekam ich immer, sobald die beiden älteren Schwestern aus dem Erzgebirge kamen. Eigentlich waren sie sogar Zwillinge. Ihren Lebensunterhalt erwarben sie sich durch „Musikmachen". Die eine spielte Baßgeige und sang schluchzend dazu, und die andere spielte klagend auf der Violine. Am meisten ergriff mich ihr Lieblingslied „Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein, . . .". Damit bohrten sich die Zwillinge sozusagen in jedes Menschenherz, ob es jung oder alt war.

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