Die christliche Osterbotschaft
Das kommende Osterfest 1980 bietet mir wieder die Möglichkeit, an meine Landsleute und Freunde ein Wort österlicher Verkündigung zu richten, nicht in gehobener Sprache der Theologen sondern in der einfachen Redeweise des Seelsorgers. Es geht dabei um die zentralen Glaubenswahrheiten — das Ostergeheimnis vom Leiden, Sterben und der Auferstehung unseres Herrn. Manche Theologen unserer Tage verunsichern das gläubige Volk, indem sie die Grundwahrheit in Frage stellen, daß in Jesus Christus der wesensgleiche Sohn Gottes unser Menschsein angenommen hat und zur Erlösung von Sünde und Schuld, Leiden und Sterben, Tod und Auferstehung erlitten und erlebt hat. Dies ist der Glaube der Kirche, der unser Leben und Sterben trägt.
Wir sind erlöst durch Jesu Leiden:
Erlöst sein heißt hier, zurückgeführt werden zur ursprünglichen übernatürlichen Lebensgemeinschaft mit Gott. Durch die Ursünde hat der Mensch die Brücke zwischen sich und Gott zerstört. Vom Menschen her konnte der Schaden nicht wieder gut gemacht werden, auch wenn noch soviel von der Selbsterlösung des Menschen gesprochen wird. Jesus Christus allein hat uns in seinem Leiden und Tod das Geschenk der Gotteskindschaft und Gottesfreundschaft wieder verdient. Erlöst sein heißt auch frei sein von der Macht der Sünde und Satans. Beides aber, Sünde und Satan wird heute von vielen geleugnet, auch wenn uns beide zum Greifen nahe sind.
Trotz der Erlösungstat Jesu sind freilich einige Folgen der Erbsünde geblieben: der Widerstreit von Gut und Böse, von Sünde und Gnade in uns. Geblieben ist das Leid und der Tod, aber sie sind gewandelt worden. Unser Leiden hat eine neue Sinndeutung erhalten als Teilnahme am Erlösungsleiden Christi. Der hl. Paulus sagt es so: „Ich freue mich über mein Leiden für euch, ich, der ich das, was am Leiden Jesu noch fehlt, in meinem Fleische ergänze für seinen Leib, der die Kirche ist." (1 Kor. 1,24). Und an vielen anderen Stellen spricht der hl. Paulus vom „Mitleiden mit Christus" zur Rettung der Welt. An diese Dimension des Leidens sollten alle denken, die auch in den Ostertagen eingetaucht sein werden in Leid und Not. Das Leid der Kranken, der Schmerz vieler Gequälter und Mißhandelter in Lagern und Gefängnissen und in allen seelischen Nöten, die Menschen erleiden, können fruchtbar werden, wenn sie angenommen werden in der Nachfolge des Herrn als unser Kreuz zum eigenen Heil und zur Rettung der Welt.
Wir sind erlöst durch Jesu Tod am Kreuz:
Die Kirche betet in der Passionszeit des Jahres: „Heiliger Herr, allmächtiger Vater, Du hast das Heil des Menschengeschlechtes am Baum des Kreuzes begründet, damit das Leben von dorther wieder erstehe, wo auch der Tod seinen Ursprung nahm". Dies ist der gesicherte Glaube der Kirche durch die Jahrhunderte: „gelitten unter Pontius Pilatus — gekreuzigt — gestorben und begraben" (Credo). Das heißt: Christus ist wirklich gestorben, seine Seele hat den Körper verlassen, der tote Leib wurde vom Kreuz abgenommen und ins Grab gelegt. Wer es anders verkündet, verkündet nicht den Glauben der Kirche.
Das Marterholz des Kreuzes ist zum Zeichen des Heiles und des (christlichen) Glaubens geworden, zum Zeichen mit dem wir uns und andere segnen, mit dem wir unseren Glauben bekennen, das den beherrschenden Platz in den Kirchen, in den Häusern und Wohnungen haben soll und mit dem wir die Gräber unserer Toten schmücken. Das Kreuz ist zum Symbol christlicher Lebensform geworden. Die Vertikale des Kreuzes soll uns ein Zeichen sein, wie Gott sich gnädig zu uns herabläßt, aber auch zu sich emporhebt in der alles Begreifen übersteigenden Gemeinschaft von Gott und Mensch, die in dieser Zeit beginnt und sich in der Ewigkeit vollendet. Das Kreuz hat eine Horizontale, die uns hinweist auf die Gemeinschaft mit allen Menschen für die Christus sein Leben hingegeben hat. Darin erhält unsere Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit religiöse Tiefe. Die Horizontale weist hin auf alle Notleidenden und Hilfsbedürftigen, in denen uns der Herr selber begegnet. Kreuztragen bedeutet nicht Passivität, sondern Einsatz für die Welt. Dieser Einsatz wird oft eine große Last sein, aber diese wird umso erträglicher sein, je mehr in unserem Handeln die Horizontale mit der Vertikalen des Kreuzes verbunden ist.
Wir sind erlöst durch Jesu Auferstehung:
Ostern ist für uns Christen das eigentliche Fest der Erlösung. Durch Christi Auferstehung ist zum erstenmal die Frucht der Erlösung in der Überwindung des Todes sichtbar geworden. Wieder hören wir den hl. Paulus: „Unserer Sünden willen ward er hingegeben,
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