15 Jahre Sammelstelle Egerländer Ahnenlisten
– ein Beitrag zur Familien- und Heimatgeschichtsforschung –
Zielsetzung dieser Bemühungen war es von Anfang an, familiengeschichtliche sowie ortskundliche Materialien von Egerländern oder deren Nachkommen zu erfassen, zu archivieren, durch Karteien und Publikation zu sichten und zu sichern, letztendlich Bausteine für eine umfassende Bevölkerungsgeschichte des Egerlandes vom 14. bis zum 20. Jh. zusammenzutragen.
Die Darstellung solcher Fakten bedient sich von altersher sogenannter Ahnen- und Stammlisten, wobei die wesentlichen Daten durch Quellenangaben belegt sein müssen, um Überprüfungen oder auch weitergehende Nachforschungen zu erlauben. Belebt werden derartige Dokumentationen stets durch Tabellen, Graphiken, Wappenfunde, Fotos, Urkundenkopien, zeitgenössische Stiche und Auszüge aus Ortschroniken.
Bibliographische Quellen sind hierbei vor allem die Egerländer Studienbücherei in Marktredwitz, die Bücherei des deutschen Ostens in Herne sowie in der Regel auch alle Universitätsbuchbestände.
Wertvolle Hilfe bedeuten in manchen Fällen das Archiv ostdeutscher Familienforscher, biographische Lexika aus dem böhmisch-mährischen Raum, Jahrbücher der landsmannschaftlichen Gruppierungen und nicht zuletzt alle Heimatbriefe mit ihren zahlreichen Kontaktadressen.
Am Anfang einer familienkundlichen Arbeit stehen immer die Auswertung der oft noch erhaltenen Ahnenpapiere und die Verwandtenbefragung. Wo das versagt, helfen oft die Heimatortskarteien und gelegentlich auch die Kreisbetreuungen. Sobald diese Möglichkeiten ausgelotet sind, beginnt die eigentliche Kirchenbuch- und Quellenforschung, die ohne gewisse Kenntnisse in genealogischen Dingen wohl nur langsam voranschreitet. Die Matriken ganz West-Böhmens (und damit insbesondere auch des Egerlandes) befinden sich seit 1970 im GEBIETSARCHIV PILSEN.
Weitere Auskünfte erteilt Lm. Herbert Schneider, Wissenschaftl. Lehrer, Goethestr. 3, 7401 Dußlingen, Krs. Tübingen, Tel. 07072 / 3468.
Lit.:
Sammelstelle Egerländer Ahnenlisten, in: Ostdeutsche Familienforschung 1965, H. 4.
Egerländer Heimatkartei, in: Der Egerländer 1972, H. 10.
Wozu Familienforschung? In: 25 Jahre Egerländer Gmoi Stuttgart, Festschrift 1974.
Egerländer genealogische Forschungen, in: Egerer Zeitung 1979, F. 7.
Ernteeinsatz – mal anders
Als sich unsere Besatzungstruppen, drei an der Zahl, noch um das Territorium Karlsbad, Elbogen, Schlaggenwald und Umgebung stritten, wurde ich mit einem dreisprachigen Durchlaßschein nach Leßnitz zum Bauern geschickt. Dies war im August 1945.
Zuerst mußte ich oberhalb der H & C a. d. großen Buche die Demarkationslinie passieren. Ungehindert kam ich vorbei. An der Wirtschaft vom „Schöin Bircher" vorbei ging's weiter nach Leßnitz. Dort bei einem Bauern einquartiert, mußte ich jeden Tag die Milchlieferung nach Schlaggenwald bringen. Die Ablieferungsstelle lag am rechten oberen Marktplatze an der Straße nach Schönfeld.
Die Gegend war mir bekannt, da wir oft den Fußmarsch in's Jahnheim machten und entweder im „Ochsen" oder beim „Schöi'n Bircher" unsere Rast einlegten.
Was in dieser Zeit in Leßnitz los war, ist schon fast vergessen. Nachts kamen die Russen und schlachteten bei irgend einem Bauern einen feisten Ochsen. Sie bezahlten noch mit alten RM. Tagsüber erschienen die Amis, versorgten sich mit einem Schwein und gaben nichts. Legte der Besitzer aber noch einige Hühner oder Eier zu, tauschte man UNNRRA-päckchen dafür ein.
Ein andermal kam ein Landwirt aus Nallesgrün und verpfändete das beste Jungvieh, angeblich zur Zucht ins Innere des Landes.
Nebenbei sei gesagt, daß die Besitzer der dringlichsten Lebensmittel für einen kompletten Bettbezug nur eine Tasche mit Kartoffeln mit fünf Eiern eintauschten. Wenn ich jeden Sonntag zu meiner Familie nach Elbogen ging, mußte ich durch Schlaggenwald. Was war aus Dir geworden? Oben am Stadtrand Ami's, unten dasselbe.
Dies währte jedoch nicht lange, bis sie sich hinter unsere Landesgrenze zurückziehen mußten. Jetzt begann die Herrschaft der neuen Besetzer.
Schöner Kaiserwald, was ist aus Dir geworden?
Ortsnamen löschte man von der Landkarte, wollte man sie besuchen, kam man nicht weiter. Überall Tafeln mit dem Aufdruck Sperrzone. Nur noch Trümmerhaufen stehen dort, wo einst fleißige Menschen das Korn für's Brot ernteten.
Ein treuer Wanderer des alten Kaiserwaldes.
Eduard Mieth (Elbogen)
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