Tschechen beginnen Unrecht der Vertreibung einzusehen
(GNK) Sogar unter den Kommunisten in der Tschechoslowakei setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, daß die gewaltsame Vertreibung der Sudetendeutschen, bei der nach 1945 rund drei Millionen Menschen ihre Heimat und viele zigtausende sogar ihr Leben verloren, ein gewaltsamer Unrechtsakt war. Mit dieser Feststellung überraschte der in Frankreich im Exil lebende tschechische Publizist Pavel Tigrid die Teilnehmer einer Tagung der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung.
Weil die Stiftung mitteilte, wies Tigrid darauf hin, daß die tschechoslowakischen Kommunisten zwar offiziell immer noch ihre Schuld verneinen, es aber intern bereits Eingeständnisse gäbe. Dies sei aus den „Thesen zur Aussiedlung der tschechoslowakischen Deutschen" zu entnehmen, die ein nahmhafter slowakischer Historiker, der in der kommunistischen Partei des Landes eine „hohe Position" einnehme, unter dem Pseudonym „Danubius" verfaßt habe. In diesen Thesen heiße es:
„Der Transfer der tschechoslowakischen Deutschen ist . . . offenes, gemiedenes und peinlich interpretiertes Problem geblieben". Die Vertreibung sei im Geiste der „Kollektivschuld" verwirklicht worden. Entscheidender Initiator sei der damalige tschechoslowakische Präsident Dr. Eduard Beneš gewesen. „Präsident Beneš ließ sich vom Gefühl der Revanche für die Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates leiten, den allerdings nicht die Sudetendeutschen zerschlagen hatten, sondern dessen Zerfall von der Auflösung des Versailler Systems und vom Zurückweichen der Westmächte vor Hitlers Aggressivität bedingt war."
(Deutschland-Union-Dienst Nr. 44, vom 7. 11. 1978)
Bemerkungen zum Heimattreffen
Immer wieder höre ich: „Heimattreffen — ach weißt, ich kenne ja niemanden mehr" — oder, besonders von der jüngeren Generation: „Ich treffe ja doch niemanden". Manche sagen: „Ich habe niemanden getroffen". Und dann erzähle ich wer dort war. „Nein, den hab ich nicht gesehn, die hätt' ich doch zu gerne gesehn, wo war die denn?"
Viele Besucher kommen zu den Treffen, setzen sich wohin und warten bis sie angesprochen werden. Ihnen kommt zwar manches Gesicht bekannt vor, doch sie fragen nicht. Warum eigentlich? So verpassen sie vielleicht manch lieben Freund oder Nachbarn. Und haben wir einmal umsonst gefragt, da ist es doch auch nicht schlimm. Der Gefragte ist Ihnen bestimmt nicht böse. Wir kommen doch zusammen um uns wiederzusehen, also müssen wir auch alles Notwendige tun, um uns wiederzuerkennen. Ich geniere mich auch nicht mit einem Namensschild herumzulaufen. Da mehr als 30 Jahre seit unserer
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Meine Reise in die Vergangenheit
30 Jahre haben wir uns gewehrt, die alte Heimat zu besuchen, gewehrt gegen den Drang, die Sehnsucht, bis wir uns dieses Jahr doch entschlossen, einmal die Stätten unserer Kindheit und Jugend aufzusuchen. Vor allen Dingen wollten wir unserem hier in Deutschland geborenen Sohn einmal unsere Heimat zeigen.
Nach wochenlangen Vorbereitungen (Paß, Visum usw.) traten wir am 25. 8. 1978 morgens um 1/2 5 Uhr die Fahrt mit dem Auto an. Drei Tage hatten wir eingeplant und wir meinten, das würde genügen. Rückblickend muß ich feststellen, daß die Zeit viel zu kurz war, um alles zu sehen und aufzunehmen. Viele vertraute Plätze mußten wir aus Zeitmangel auslassen und viele Wege konnten nicht gegangen werden, und doch hätten wir es so gerne getan. Erschwerend kam noch hinzu, daß mein Mann aus Petschau stammt, der ja nun auch dort etwas verweilen wollte.
Nun bin ich abgeschweift, und ich will weiter über unsere Fahrt berichten. In Bamberg zweigten wir von der Autobahn ab. Von dort ging es auf einer Schnellstraße zügig weiter bis Arzberg und bereits nach wenigen Minuten erreichten wir Schirnding, den Grenzübergang zur ČSSR, wo wir gegen 9.00 Uhr eintrafen. Die Abfertigung am deutschen Zollamt ging schnell vonstatten. Doch als wir uns der tschechischen Grenzstation näherten, sahen wir schon von weitem eine Autoschlange und es hieß, sich in Geduld zu fassen. Jede Viertelstunde ging es einige Meter vorwärts. Links und rechts der Straße befinden sich Sperrzäune, Wachtürme und Soldaten gingen mit Wachhunden an der Grenze entlang. Nach ca. 1 1/2 Stunden Wartezeit waren wir an der Reihe und nach den üblichen Formalitäten (Durchsuchung, Geldumtausch usw.) konnten wir die Grenze passieren. Wir fuhren am neuen Stausee vorbei und erreichten nach kurzer Fahrt die alte ehemalige Reichsstadt Eger. Von dort ging es auf einer neuerbauten Umgehungsstraße Richtung Falkenau, wo wir uns anmelden mußten. In der Ferne grüßten die Türme von Maria Kulm, das man eigentlich auch besuchen sollte. Da wir kein passendes Lokal für das Mittagessen fanden, fuhren wir weiter Richtung Karlsbad bis zur Abzweigung nach Elbogen. Gespannt und voller Erwartung nahm ich die vertraute Umgebung in mir auf. Da, auf einmal erblickte ich ganz hinten am Horizont schon die alte Burg Elbogen und dieser Anblick genügte schon, mir die Tränen in die Augen zu treiben. Nach kurzer Mittagsrast im „Weißen Rößl", wo wir ein anständiges Mittagessen einnehmen konnten, und nach kurzem Rundgang in Elbogen setzten wir unsere Fahrt durchs Zechtal Richtung Schlaggenwald fort.
Wie freute ich mich auf den Augenblick unsere geliebte Heimat wiederzusehen, und wie war ich enttäuscht alles ganz anders vorzufinden, wie wir es vor 30 Jahren verlassen haben. Die schönen Stunden der Kindheit und Jugendzeit zogen wie in einem Film im Geiste vorüber. Trotz fremder Menschen und Sprache und sonstiger zahlreichen Veränderungen war es trotzdem ein Erlebnis.
Der erste Gang führte mich auf den Friedhof, wo ich das Grab meiner Eltern suchte und noch vorfand, ebenso die letzte Ruhestätte meiner Hahn-Großeltern, die auch noch vorhanden war. Unser Weg auf den Friedhof führte an der alten Schule vorbei zum Eingang beim Totengräber-Häuschen, denn die Kirchstaffel ist total verfallen und nicht mehr begehbar. Die Pfarrkirche war ganz eingerüstet, man war eben dabei das Dach zu erneuern. Es war ringsum alles abgesperrt, so daß wir die Kirche nicht betreten konnten.
Mein nächster Gang führte mich in die Neustadt, wo ich so viele glückliche Jahre verbrachte. Im Dechant-Haus ist wieder der Kindergarten. Diese Häuserreihe ist noch vollkommen — wenn auch sehr verwahrlost — vorhanden. Doch auf der anderen Seite fehlen einige Häuser, nur das Schröck-Kaufmann-Haus am Eck steht noch. Auch der Marktplatz ist sehr verändert. Vor allem liegt unser schönes Rathaus in Schutt und Asche. Angeblich soll es wieder aufgebaut werden. Die Häuser an der Rathausseite sind alle noch da. Hingegen auf der anderen Seite sind sämtliche Häuser weggerissen und an dessen Stelle stehen Verkaufsläden im Bungalowstil. Das neue Schlaggenwald um den Schödelhof, wo ca. 4000 Menschen wohnen, mutet einem ganz fremd an.
In der Leßnitzgasse stehen einige sehr schöne Fertighäuser. Sehr gut erhalten ist das Otto-Haus. In der Leßnitzgasse besuchte ich auch Frau Seling, die Tante meines früheren Verlobten, die sich über den Besuch sehr freute.
Am meisten verändert hat sich natürlich die Umgebung, d. h. vor allen Dingen der Wald. Wenn man z. B. am Friedhof beim Glockenturm steht und nach dem Stellerlwald und der Kiefernspitz schaut, merkt man erst wie viele Jahre vergangen sind. Der Wald hat sich in den 30 Jahren am meisten verändert.
Die Straße nach Leßnitz führt jetzt über den Kaunitz, Großen Teich (wo ein paar kleine Fabriken stehen).
Einen Tag verbrachten wir in Karlsbad. Der Sprudel hat eine neue Halle, alles aus Marmor. Am Meinl-Eck steht ein großes neues Hotel. Wir weilten an einem Samstag in Karlsbad. Man meinte, in einer deutschen Stadt zu sein, da viele deutsche Bewohner der DDR dort zum Einkauf waren. Auch ein Sonderzug aus Leipzig mit 350 Personen war eingetroffen.
Den Sonntag verbrachten wir bei den Geschwistern meines Schwagers in der Nähe von Pilsen, auch Deutsche, die szt. in der Landwirtschaft als Zwangsarbeiter eingesetzt waren und aus Altersgründen dann drinn geblieben sind. Die Fahrt dorthin führte durch verlassene egerländer Dörfer, wo nur noch Kolchosen vorhanden sind. Selbst an diesem Sonntag wurde auf den Feldern eifrigst gearbeitet und die Ernte eingebracht.
Einen kurzen Abstecher machten wir nach Lauterbach. Von dieser Stadt ist kein Stein mehr vorhanden. Alles dem Erdboden gleichgemacht und total verwachsen und verwildert.
Unser Sohn war sehr beeindruckt von der schönen Landschaft unserer Heimat, vor allem die schönen Wälder haben ihm sehr gefallen. Wenn wir auch fern der Heimat jetzt wohnen, so wird uns dieses Land immer lieb und teuer bleiben und in unserer Erinnerung ewig vorhanden sein.
Am Montagmorgen traten wir wieder die Heimreise an. Damit endete auch unser Ausflug in die Vergangenheit.
Annl Zimmerhackl
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