Liebe Landsleute!
Für die vielen Weihnachtsgrüße und guten Wünsche für das Neue Jahr, die mir zahlreiche Landsleute geschickt haben, bedanke ich mich auf diesem Wege. Es freute mich außerordentlich und gibt mir Mut, weiter den HB zu erstellen. Möge auch der jetzige wieder recht viele Freude bringen. Immer wieder wird mir versichert, daß sehr viele auf dieses kleine Blättchen warten, um sich dann wieder ein bißchen daheim zu fühlen, daheim in dem Gebiet zu verweilen, aus dem man uns vertrieben hat. Ich hoffe nur, daß ich Euch, liebe Heimatbriefbezieher, nicht einmal ganz plötzlich im Stich lassen muß, denn mein Gesundheitszustand ist nicht der beste.
Besonders möchte ich allen Dank sagen, die so reichlich für den Fortbestand unseres Heimatbriefes gespendet haben. Liebe Landsleute, ohne diese Hilfe kann ich den Heimatbrief nicht mehr zum jetzigen Preis zum Versand bringen. Die Postgebühren steigen unentwegt.
Ein herzliches Dankeschön möchte ich den Landsleuten sagen, die unseren Heimatbrief mit ihren schönen Beiträgen gestalten helfen.
Wer von uns Lesern, der noch den schönen Brauch unserer „Fosnat" einst in Schlaggenwald erleben durfte, hat nicht in den vergangenen Faschingswochen im Geist diese Zeit durchleben lassen. Wer hat nicht daran gedacht, wie er als „Maschkerer" die Gastwirtschaften durchstreifte. Wie herrlich war das Getümmel des Herumziehens und des „Maschkerer-Schauens" einst daheim, die schönen Bälle im „Ochsen-Saal" und die gemütlichen Kränzchen im Sälchen der „Stadt Wien" oder „Stotz" wie wir diese Gaststätte nannten. Nun ist dieser alte Brauch verschwunden. Erloschen ist das „Maschkerngehn". Im heutigen „Horní Slavkov" gibt es so etwas nicht mehr. Die Menschen sind dort an Kultur arm geworden. Ein Vereinsleben gibt es nicht mehr. Nur in uns Vertriebenen aus diesen Städten ist alles noch wach und lebendig geblieben, und läßt die Gedanken immer wieder zurückkeilen und alles nacherleben, was es an Schönem daheim gegeben hat.
Nun werden die Tage mit dem Höhersteigen der Sonne erheblich länger, die Dunkelheit haben wir überwunden. Wir, wie viele sind es noch, die sich an die „Heimat" erinnern, die uns alle in den vielen Jahrzehnten in der Fremde begleitet haben, und die aus dem vielen Gedankengut nicht wegzudenken sind.
Wieder ist es Ostern! Aber wo sind unsere alten Bräuche? Keine Schlüsselbüchse kracht, kein Böllerschuß grollt und eine Auferstehungsfeier erlebt man auch nicht mehr. Es versank so, wie unsere Heimat.
Schmerzlich berühren uns die Veränderungen, die in der alten Heimat geschehen. Sie werden uns durch Bilder vermittelt, die von vielen Landsleuten dort aufgenommen wurden, die sie bei einem Besuch daheim machten. Die oft beteuern nie wieder dorthin zu gehen, weil der Schmerz über die Zerstörung der einst blühenden Gaue unerträglich ist. Was nützt es, diese jetzige Gegend unseren Kindern zu zeigen, die nur Kolchosenbetriebe zu sehen bekommen, die den alten Bauernhof mit seinen schönen Einrichtungen, den gepflegten Gärten und den reinen Hofraum nicht mehr sehen können. Sie müssen von der jetzigen Liederlichkeit auf uns selbst schließen. Nein, so ein Bild sollte man unseren jugendlichen Nachkommen nicht vorweisen. Natürlich wird so die Entfremdung immer deutlicher.
Aber welchen Erfolg hat die Vertreibung aus der von unseren Ahnen kultivierten einstigen Heimat den Vertreibern gebracht? Die Bärenpranke des starken Bruders aus dem Osten liegt sehr schwer auf. Nicht nur, daß sie das gesamte Wirtschaftsleben dieses Volkes diktiert und sie allen Nutzen ihrer Arbeit schädigt, heute sind die Tschechen unfreier als sie es jemals waren. Das bewiesen die Panzer des starken Schutzherren, die 1969 im Frühling durch Prag rollten. Nun spüren sie es auch, wie es sich lebt, wenn eine Fremdherrschaft darüber bestimmt.
Wir haben 20 Jahre unter der Herrschaft der Tschechen gelebt. Es wird so mancher Tscheche an die Zeit denken, in der er mit uns zusammengelebt hat. Schon heute denkt mancher tschechische Kommunist anders über unsere Vertreibung und gesteht, daß dies ein großer Fehler gewesen ist. Aber jetzt gibt es keine extra Polka mehr für sie. Keine Verhätschelung wie sie dies einst von Frankreich oder anderen westlichen Staaten erfahren haben. Das russische Volk hat auch noch eine unbeglichene Rechnung aus den Jahren 1917, als die tschechische Legion mit dem zaristischen Staatsschatz auf und davon sein soll. Nun wird diktiert was erzeugt werden muß und was der große Bruder im Osten braucht. Die Vergütung ist nicht angemessen.
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