Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 155
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Právo a důstojnost člověka

Das Recht und die Würde des Menschen

Der amerikanische Spielfilm „Holocaust" hat in der deutschen Öffentlichkeit eine heftige Diskussion ausgelöst. Mit der Beschränkung auf einen Aspekt der deutschen Geschichte, nämlich die Vernichtung der Juden in Hitler-Deutschland, läßt sie allerdings die eigentliche Kernfrage außer Acht: Wie können Recht und Würde des Menschen in Zukunft durch internationale Verträge gewahrt werden?

Die Debatte um die nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden hätte ein Anstoß sein können, sich mit der Frage der Menschenrechtsverletzungen im allgemeinen zu befassen. Mit der Ermordung der Juden in den sogenannten Vernichtungslagern hat Hitler ein besonders krasses Beispiel für die Vergewaltigung der Rechte und der Würde des Menschen geliefert. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Verbrechen an den Juden offenbar geworden waren, gibt es eine weltweite Auseinandersetzung über das Schicksal der Juden im Dritten Reich, die vielfach zu politischen Zwecken mißbraucht wird. Die deutsche Öffentlichkeit hat sich dieser Diskussion nicht entzogen, sondern alle Anstrengungen gemacht, um das Geschehene nach bestem Willen wieder gutzumachen.

Im Verlaufe der Auseinandersetzung um „Holocaust" wurden Stimmen laut, die forderten, die Frage der Menschenrechtsverletzung auch im Hinblick auf die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen zu erörtern. Anstatt ihnen Gehör zu schenken, wurden jene, die dies äußerten, zurechtgewiesen, und zwar mit dem Argument, daß die Vernichtung der Juden und die Vertreibung der Deutschen nichts miteinander zu tun hätten. Hier liegt ein großer Irrtum vor, denn Judenvernichtung und Vertreibung entspringen derselben Quelle, nämlich der Mißachtung der Menschenrechte durch totalitäre Systeme.

Ein System, dem der Staat alles, das Leben, das Recht und die Würde des Individuums aber nichts bedeutet, ist verbrecherisch, ganz gleich, unter welchem ideologischen Vorzeichen es steht. Die Ost- und Sudetendeutschen sind mit der Enteignung ihres Besitzes und ihrer Vertreibung aus ihrer Heimat genauso Opfer eines solchen Systems geworden wie die Juden in ihrer Entrechtung und Vernichtung. Aus diesem Grunde hat sich bei den Vertriebenen ein stärkeres Rechtsgefühl entwickelt und erhalten, als dies beim Durchschnitt der Allgemeinheit der Fall ist. Sie haben daher auch ein stärkeres Verständnis für das den Juden angetane Unrecht, da sie ja ein gleiches erleiden mußten.

(aus WEST und OST, 6. Februar 1979)

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