Die Weisungen des Hirten von Böhmen von 1356
(Fortsetzung)
Satz 16
Den Herrgott werden sie aus dem Winkel reißen und in den Kasten sperren.
a) Für Stormberger und seine Zeit war der röm.-kath. Glaube gleichbedeutend mit Gottesglauben überhaupt. Erinnern wir uns nun der Bestrebungen der faschistischen Verbände, ihre Mitglieder zum Austritt aus der Kirche zu bewegen, vergessen wir auch nicht, daß es nicht wenige Deutsche gab, welche das Christusbild aus den Wohnungen entfernten, um das Bild des Führers oder auch Stalins aufzuhängen, so haben wir wohl wieder Beweise der Genauigkeit der Vorhersagen.
Satz 17
Der Glaube wird so klein, daß man ihn kann unter einen Hut stecken.
Satz 18
Jeder wird einen andern Kopf haben. (Meinung haben.)
Satz 19
Die Kleinen werden groß und die Großen werden klein.
Dieses scheinbar lose hingeworfene Wortspiel hat präzise die mächtigen Veränderungen im politischen Leben aller Völker gemeißelt: wurden doch durch den Sturz der Dynastien die Großen klein, und durch die wachsende Macht der politischen Parteien die Kleinen (Parteiführer) groß.
Satz 20
Wenn aber der (Kleine) auf's hohe Roß kommt, dann kann ihn auch der Teufel nicht erreiten.
a) Blitzhaft taucht hier die Machtergreifung des kleinen Weltkriegsgefreiten Hitler auf: die unheilvollen Folgen „da er auf's hohe Roß gekommen war" sind unserer Zeit in der grauenhaftesten Form überkommen: 20 Millionen Menschen tot oder zu Krüppeln geschossen, 15 Millionen Menschen sind heimatlos und verarmt, 10 Millionen sahen ihr Eigentum in Flammen aufgehen oder in Trümmer versinken, Millionen Witwen und Waisen betrauern ihre Ernährer, millionenfacher Hunger und Elend, Millionen schmachten noch in sowjetischen KZ, Zwangsarbeitslagern oder Kriegsgefangenen-Lagern, zehntausend Städte in Europa liegen in Trümmern und der ganze Kontinent in einem trostlosen politischen und wirtschaftlichen Zustand, immer bedroht von einer neuen Katastrophe gleichen Ausmaßes durch den sowjetischen Imperialismus — wahrlich — der Teufel hätte es nicht schlechter machen können.
b) Erreiten wird im Volksmund gebraucht als erreichen oder aufhalten, hindern, hemmen. Alle diese Deutungen tragen nur zur Erhellung der Genauigkeit der Sätze bei.
Satz 21
Nachher geht's an! Das größte Aufräumen beginnt. Da wird der Bruder den Bruder und die Mutter die Kinder nicht mehr kennen.
a) Nachher — ! Nach dem 2. Weltkrieg. Was nun folgt ist nun das große Aufräumen. Wir stehen mitten drin.
Satz 22
Die neuen Herren können nichts als Gesetze machen, die kein Mensch halten und Steuern ausmachen, die niemand zahlen wird.
Satz 23
Leute, die aus der Stadt aufs Land kommen um den Bauern zu sagen, geh' laß mich ackern, werden von den Bauern mit dem Pflugreitel erschlagen werden.
a) Ist hier die drohende Kollektivierung der Landwirtschaft in der kommunistischen Gesellschaftsordnung angedeutet?
Satz 24
Die Mannsbilder werden sich kleiden wie die Weibersleut und die Weiber wie die Mannsbilder.
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