Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 151
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 6
Bylo nebylo, na řece Teplé...

Es war einmal an der Tepl ...

Wer unser liebliches Tepltal nie gesehen hat, kann nicht wissen, was wir hergeben mußten, als man uns die Heimat nahm.

Heute noch sehe ich genau das herrliche Bild vor mir, das sich bot, wenn man auf der steilen Höhe des „Katzasteigs" stand und in das kleine geschwungene Tal sah. In vielen Windungen sucht sich dort die Tepl ihren Weg, um schließlich hinter dem vorstehenden „Ziegelhüttener Berg" zu verschwinden. Und kam damals von Karlsbad her die kleine Eisenbahn mit ihrer fauchenden zischenden und pfeifenden Dampflokomotive dem Flüßchen entgegen gefahren, hatte ich den festen Glauben, daß es auf der ganzen, weiten Welt nichts Schöneres geben könnte.

Die Staatsstraße, die ebenfalls durch das schmale Tal führt, wurde zu meiner Kinderzeit noch sehr wenig frequentiert. Neben den Automobilen waren am meisten die Ausflugsdroschken der Kurgäste, aber am meisten die Pferde- und Ochsengespanne der Bauern auf ihr zu sehen. Jedenfalls war das Verkehrsaufkommen gottlob noch so gering, daß wir Kinder uns immer nach dem Bad im kalten Teplwasser zum Trocknen und Aufwärmen auf die heiße Teerdecke der Staatsstraße legen konnten. Mitunter war es sogar möglich, bis zu einer Viertelstunde ungestört in der Sonne dösen zu können. Ein nahendes Fahrzeug war schon von weitem zu hören, und wir hatten genug Zeit, um die Fahrbahn frei zu machen.

Aber eigentlich wollte ich in Verbindung mit der Tepl nicht so sehr meine Erinnerungen an sie in den Vordergrund rücken, als vielmehr eine wahre Geschichte erzählen, in der mein Vater, schicksalverbunden mit dem heimatlichen Flüßchen, gewirkt hatte. Mir ist diese Begebenheit aus mehreren Quellen bekannt geworden.

Heinrich, so hieß mein Vater, kannte die Tepl von der Quelle bis zur Mündung wie selten jemand, und er liebte sie ebenso sehr. Ganz gewiß rührte diese tiefe Zuneigung von der Tatsache her, daß seine Wiege in Töppeles ganz nahe dem Flußlauf stand, und daß ihm außerdem die Freude am Fischen mit auf den Lebensweg gegeben wurde. Durch seine frühesten Gedanken und Träume glitzerte bereits das glasklare Wasser der Tepl, worin die schönsten Forellen pfeilschnell über die blanken Kieselsteine huschten.

Kaum konnte Heiner — wie er genannt wurde — auf eigenen Beinen gehen, suchte er immer wieder den Weg zum Uferrand, um dort zu sitzen und den Fischen zuzusehen. Als meine Großmutter erkannte, welchem gefährlichen Spiel sich ihr kleiner Sohn zugewendet hatte, verbot sie ihm mit aller Strenge, an das Flüßchen zu gehen. Aber es halfen weder gutes Zureden noch drohende Strafen, der Bub war immer wieder am Wasser zu finden. Schon bald ließ ihm die Mutter kleine Arbeiten verrichten und auf sein um zwei Jahre jüngeres Schwesterchen Marerl achten.

Einmal, es war an einem schönen Frühlingstag, Heiner mochte fünfjährig gewesen sein, mußte meine Großmutter in einer unaufschiebbaren Angelegenheit nach Schlaggenwald. Wie man weiß, war der Weg von Töppeles bis in das Städtchen sehr beschwerlich und auch weit. Die Kinder konnten ihn noch nicht gehen, ihre Mutter vermochte sie weder in einem Wägelchen zu fahren oder sie sogar abwechselnd zu tragen. So mußte sie sich dazu entschließen, den Heiner und das Marerl daheim zu lassen. Sie sagte ermahnend zu ihrem Sohn: „Ich mou itza aff Schlaggawall. Ihr satz alla zwoa schej brav, und Du, Heiner, paßt af's Marerl gout af! Haltst's fest ba da Hend u läßt's neat as!" Der Bub nickte und versprach, daß er alles tun wolle, wie es die Mutter gesagt hatte. Dann rannte diese noch schnell zu ihrer Nachbarin — ich glaube, es war die „Lindner-Moum" — und bat diese voller Sorge, zwischendurch mal nach den Kindern zu sehen.

Die Kinder blieben eine gute Weile beim Haus der Nachbarin, schauten den Hühnern und Gänsen zu, neckten den Hund und vertrieben sich mit allerlei Spielen die Zeit, wobei der Heiner das Marerl keinen Augenblick von seiner Hand ließ.

Als ihn aber nun doch die Langeweile ankam, und er das Wasser der Tepl so nah im Sonnenlicht funkeln sah, konnte er nicht widerstehen und zog sein Schwesterchen mit an den Uferrand, wo es vor Angst zu weinen begann.

Doch der Bruder versuchte es zu beschwichtigen und rief immer wieder: „Sei stad Marerl, ich zeig da Fischala! Schau her, dei schejn Fischala!" Aber das kleine Mädchen schluchzte nur noch mehr, als es der Bub nun sogar mit sich in das seichte Wasser zerrte. Dabei wies er dauernd nach den vorbeischwimmenden Forellen. Schrittchen für Schrittchen zog er das jammernde Marerl mit sich in die tiefere Tepl, bis diesem die Wellen

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 6 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.