Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 148
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Léto v Horním Slavkově

Angst vor der Tiefe unter uns. Unvermeidlich blieb Heu an den Bäumen, Stauden und Zäunen hängen, ging auf der Straße verloren und fiel in die Flut. Wehe! wenn ein Wagen schief geladen war. Wehe! wenn einer nicht richtig fahren konnte. Am schlimmsten, als einmal ein Wagen samt dem Heu verbrannte, und nur die Pferde gerettet werden konnten. Ein kleines qualmendes Feuerchen zum Vertreiben der lästigen Briama am Waldrand war schuld. Das ergab, mit Schadenfreude vermischt, Gesprächsstoff für eine ganze Woche. Bis spät in den Abend dauerte das Abladen. Vom Wagen aus wurde das Heu auf den Platz vor der Haustüre geworfen. Dort kam von oben ein Seil mit dem Haken. Zwei Frauen breiteten eine Bloah (Tuch) aus, füllten und drückten Heu hinein, hängten den Haken in die beiden Bandla und mit lauten Ruf „af! auf!" wurde die Last hochgezogen. Fast wäre einmal, weil man fahrlässig einen spitzen Fleischhaken verwendete, eine Frau mit hochgezogen worden. Quietschend drehte sich eine Holzrolle an dem vorstehenden Balken. In Hitze und Staub unter dem Dach mußte das Heu eingetreten werden. Für uns war es mehr eine Gaudi, die Stiegen hinaufzuspringen, um beim Haschoppen dabei zu sein. Hoch vom Dachfenster sahen die Höfe und Winkel ganz anders aus und es dauerte lange bis die Angerufenen drunten uns Lausbuben entdeckten. Die großen Heumassen unter den pappgedeckten Dächern, machten die Angst vor dem Feuer verständlich. Bei meinem Großvater, dem Ublsattler, galt deshalb die absichtlich-mutwillige Drohung „ich bäich Feija!" als eine der verwerflichsten Handlungen.

Neben der größeren Gefahr durch Feuer, schafft in den Sommermonaten Wasser nur Wohltat — vor allem für Kinder. Stufenweise steigerten wir unsere Erfahrung darin: Teichbauen in der Flut, Rudern und Kahnfahren mit Waschtrögen und Hudlteilen (Wagenseitenteile) am Malzmüllerdamm und am Ubldamm — wenn die Schützen gesteckt waren. Der 2. Teich und der Große Teich waren schon schwieriger. Die nächste Stufe war das Baden auf der Ebmet. Dort rechneten die Eltern noch damit, daß wir im Falle des Ertrinkens rechtzeitig herausgezogen würden. Alisteich und Muckengrund, das war das größte Risiko, deshalb war es dort auch am schönsten. Nur wenig Besucher, angeblich kalte Stellen, irgendwann einmal ein Ertrunkener; da war vieles dazu angetan, die Freuden im Wasser zum Abenteuer werden zu lassen. Nur im oberen Muckengrund habe ich nie jemand im Wasser gesehen und bin auch selbst nicht drinnen gewesen. Schlaggenwalder Wasser erfrischte nicht nur, es beruhigte auch. Sicher werden das noch einige Bewohner wissen. Wer in den Häusern vom Dietrich bis zum Kühnhackl und vom Häuser-Kaufmann bis zum Pflughaus aufgewachsen ist und dort gewohnt hat, der hörte Tag und Nacht Wasser rauschen — ein Leben lang. Das Wasser, das in die Malzmühle lief, stürzte einige Häuser weiter, etwas unterhalb der Dietrichbrücke wieder in den Flutbach. Zum Einschlafen konnte es nichts Schöneres geben, als dieses stetige Rauschen. Aber an Tagen, an denen die Mühle stand, war die Stille beängstigend und der Schlaf nur mit Mühe zu finden. Wer von dort Schlaggenwald einmal für kürzer oder länger verlassen mußte, dem fehlte das Rauschen, und wer heimkam war selig.

Da uns allmählich aufgeht, wie kostbar Wasser noch werden wird, möchte auch ich an die Silberbachquelle erinnern. Erinnern heißt auch vergleichen. Diese Quelle war schöner als die Quellen der Eger und Donau heute. Nimmer werde ich so reinen katzensilbrigen Sand sehen, wie er sich ohne Anfang und Ende — lautlos — im Quellgrund der Waldandacht bewegte. Damals war Wasser noch sauber und zum Trinken genügte die hohle Hand.

Im Kalender hatte der Sommer noch einige feste Punkte. Am 10. Juli waren die „Siebenbrüder". Je nach dem Wetter, sollte es dann sieben Wochen lang Sonne oder Regen geben. Am Margaretentag, dem 20. Juli hieß es: „Bricht dem Korn die Wurzel". Von nun an begann das Getreide zu reifen. In einer anderen Weise war Jakobi am 25. Juli ein wichtiges Datum. Da probierte man zum erstenmal die Kartoffel. Zusammen mit Gurken und Eiaschwammalan gaben sie ein besseres Essen, als aus den alten Erdöppln. Damit war der „Taubenhunger" endlich vorbei. Tags darauf war am 26. Juli der Namenstag Anna. Zu

[obr] Das „Ublgarberhaus" (wahrscheinlich im Herbst 1914) ist heute dem Erdboden gleichgemacht.

Mit den beiden Kühen: Josef Ubl, Sattlermeister — unter der Haustür: Anna Ubl, Gattin vom Weißgerber Anton Ubl mit Tochter Franziska, Frau Kühnhackl (Bäcker). Von links nach rechts: Theresia Ubl — Frau Jakob — Anna Ubl — Frau Rippl Anna Hubl — Maria Kempf (Schlachthof)

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