Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 148
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Léto v Horním Slavkově

SOMMER in SCHLAGGENWALD

Jeden Sommer werden wir an daheim erinnert: Ein alter Brettergiebel, darunter eine glühende Holunderstaude, der Geruch nach Heu, Hummeln über einem Kleefeld, blaue Lupinen an einem Graben. Etwas kommt uns bekannt vor — plötzlich fällt uns ein — die Entfernung ist aufgehoben, der zeitliche Abstand überbrückt — wir denken an den Sommer in Schlaggenwald . . .
Vieles schien längst vergessen, schien nie gewesen.
Da tauchen die einfachen Dinge, die uns umgaben, wieder auf und Freude erfüllt uns. Immer ist es so: erst wenn die Tage und Ereignisse lange vorüber sind, ermessen wir ihren Wert; dann erst beginnen wir daraus zu leben.

Eingeleitet wurde der Sommer mit dem Pfingstfest. Dazu gehörte in die Wohnung ein großer Strauß Birkenzweige. Das war bei uns so, das wird auch in den anderen Familien so gewesen sein. Wenn am Samstagnachmittag s'Zoamwoaschn beendet war, mußte ein Strauß herbei. Ob vom Neuen Weg, vom Galgenberg oder aus dem Wiesental, war nicht so wichtig; er wurde gebraucht, damit sich der Haliche Geist drafsetzen konnte. Junge Birken schmückten am nachfolgenden Fronleichnamstag den Marktplatz und die vier hohen Altäre. Damit hat der Sommer erst richtig begonnen: Wenn die Teilnehmer der Prozession hastig danach trachteten, von diesem geweihten Grün einen Busch zu bekommen. Zum Schutz gegen kommende Gewitter, wurde er danach in die Häuser getragen, hinter das Kruzifix und die Dachsparren gesteckt. Den Verlauf des Wetters an diesem Tage glaubte man auf die nächste Zeit übertragen zu können. So wie das Laub an den aufgestellten Birken trocknete, so rechnete man mit dem Trocknen des Heues. Wir Kinder hielten uns eine zeitlang an die blaugelben Nivea-Faltblättchen für die Wettervorhersage. Die gabs umsonst beim Köppl in der Drogerie. Darin war für jeden Tag der Badezeit Sonnenschein, Regen, Hagel und Gewitter eingetragen.
In den Birken, die hier im Lande bei den sommerlichen Festen aufgestellt werden, begegne ich immer den Birken bei den Turner- und Feuerwehrtagen daheim.
Und an die Kränzchen der Fronleichnamsprozession werde ich erinnert, wenn ich blühende Margareten, Frauenmantel und Pfingstrosen sehe. Die Kränzchen aus den weißen und rosa Katzenpfötchen gibt es nicht mehr. Nirgends habe ich diese Blumen in der Bundesrepublik gefunden. So bleibt die Hahnenhalde für mich die einzige Fundstelle. Die heute durch den fortschrittlichen Landbau ausgestorbene Kornrade ist auch dort in den Kornfeldern heimisch gewesen.

Ich finde mich damit ab, auch die Hahnenhalde gibt es nicht mehr. Gerne gingen wir auf dem Hin- und Rückweg zur Ebmet darüber: Steine zum Werfen, Stecken zum Schnitzen, Gelegenheiten zum Raufen und Kriegspielen gab es genug. Schnell konnte man auch im Vorübergehen eine Hand voll Preiselbeeren zupfen. Das Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit" — leider auch selten geworden — bleibt bei mir immer mit diesen Hü(w)eln verbunden. Unvergeßlich habe ich es dort beim Sonnwendfeuer in mir aufgenommen. Das verklungene Lied, das niederbrennende Feuer, die heller werdenden Sterne am Himmel und der Heimweg in der Sommernacht — was hätte mich mehr zu bewegen vermocht? Betriebsamkeit brachte die Heuernte in die Straßen und Gassen. Zuerst noch ohne großes Aufsehen wurde das Gras auf den Wiesen draußen gemäht, zerschlagen und gewendet. Aber das Einfahren danach nahm den ganzen Ort und den Bewohner in Anspruch. Handwerk und Gewerbe wurden mit halber Kraft betrieben, Schulkinder herangezogen und zur Eile gedrängt. Zusätzliche Taglöhner stellte man ein, um das Winterfutter für zwei Kühe und ein Rind der Ackerbürger — der Köihpritscher — zu bergen. Leiterwagen mit langen Wiesbäumen rumpelten über das Pflaster. Über die Obere Gasse, den Zehntplatz, die Seifertsgrün, Trifft, Neue Straße und Leßnitzgasse verließen sie den Ort. Die beiden Zugkühe, tüchtig mit stinkenden Briamaöl eingestrichen, wurden zu einer schnelleren Gangart überredet. Ein Schulbub zum Stehenbleiben vor den Kühen und zum Briamavatrei(b)m vorgesehen, saß seitlich in der Mitte des Wagens bei der großen Kaffeekanne. So begann um die Mittagszeit der Auszug. Nachdem die Sonne ihren höchsten Stand überschritten hatte, rechtzeitig gewendetes Heu dürr wurde, kamen gegen 2 Uhr die ersten Fuhren herein. Die Straßen waren eng, Ausweichstellen mußten angefahren werden. Worte wurden einander zugerufen. Versteckt durch den fahrenden Heuberg krochen Begleiter darunter hervor. Wir Kinder konnten derweil vom Wagen oben in die Fenster der oberen Stockwerke schauen und auf den Flutbrücken bekamen wir

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