EIN SCHÖNES ECHO
„Wie Du hineinrufst in den Wald, so tönt es Dir entgegen bald."
Das ist ein altes Sprichwort. Aber einmal kam etwas ganz anderes zurück, und das will ich heute erzählen.
Viele Menschen aus Schlaggenwald und Umgebung kannten wohl das liebliche Dörfchen Schönwehr im Tale der Tepl. Es wurde von fleißigen Bauern und Handwerkern bewohnt, die sich schlecht und recht durchs Leben schlugen. Nur hatte man ihnen einen Spitznamen zugelegt; man nannte sie die „Schoiwihrer Suderer". Woher dieser Name stammte, weiß ich allerdings nicht. Das haben sie aber nicht gerne gehört. Das Dörfchen war von schönen Wäldern, saftigen Wiesen und steilen Feldern umrahmt, und die Bauern mußten sich redlich plagen.
Als so gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts ein Hof aufgegeben werden mußte, und ein großes Grundstück mit viel Wald und einer großen Wiese feilgeboten wurde, das noch dazu an den Leßnitzer Kataster grenzte, da wollte es mein Vater kaufen. Aber Geld war damals Mangelware und er wollte den Hof nicht zu sehr belasten. Schließlich haben sich seine beiden Schwestern am Kauf beteiligt. Eine war Bäuerin am Windhof, die andere in Leßnitz am Nobnhof. Das so erworbene Grundstück wurde von den drei Höfen all die Jahre gemeinsam bearbeitet. So hielten es auch die Nachkommen bis zur Aussiedlung. Wenn die drei Höfe im Ort mit der Heuernte fertig waren, dann ging es gemeinsam in die Waldwiese gegen Schönwehr. Da ging es immer lustig zu. Einer wußte dies, der andere das zu erzählen und so ging die Arbeit gut voran. Das Mittagessen wurde gebracht. Da schaute jeder auf den Teller des anderen, um neugierig zu sein, was die Frauen Gutes gekocht haben. Die junge Windhofbäuerin (geborene Wolfn Luise aus Gfell) war immer Bestköchin. Nach dem Essen gab es eine kurze Rast und dann ging es eifrig weiter mit der schweren Arbeit. Wenn es dann dem Ende zuging, konnte man Schönwehr gut übersehen. Wurde es dann drei Uhr nachmittags, erschien immer pünktlich eine Frau in den ersten Häusern und lockte ihre Hühner zum Futter. Das „Bula, Bula" hallte bis zur Wiese hinauf. Da war wieder einmal ein lustiges Knechtlein dabei, das immer froh und guter Dinge war. Als er die Frau ihr „Bula, Bula" rufen hörte, schickte er einige Juchzer in den Wald, die vielfältig widerhalten. Da sagte ein Bauer zum Loisl, ruf doch mal „Schoiwihrer Suderer". Der Loisl nicht zu faul und schrie aus Leibeskräften: „Sudra, Sudra", kam es zurück. Aber beim zweiten Ruf erscholl die Stimme der Frau: „Leisnetzer Bauern, geit's oia u leckts uns im A . . .". Da lachte der Loisl und sagte: „Herr, des woa öitza owa a schöis Echo". Alle lachten und hielten sich den Bauch. Die drei Bauern machten aber heimlich einen Plan. Am nächsten Tag gingen sie mit zum Heuwenden, was sonst den Frauen überlassen wurde. Als dann der Uhrzeiger nahe der Drei kam, da verschwanden sie in Richtung Schönwehr. Wie nun das „Bula, Bula" ertönte, erschienen die drei Bauern bei der Frau und sagten: „No Schiaval Mutter, Du houst es gestern af d'Kirwa glon, houst a a weng goutn Kouchn bachn?" „Enk scheiße wos", antwortete sie und verschwand in der Haustür. Der Schlüssel dreht sich im Schloß. Sie erschien am Küchenfenster, streckte die Zunge heraus und bums flog auch das Fenster zu. Nun gings weiter zum Wirt. Der fragte was sie wünschten. Da sagten sie: „Heint gröing ma doch a Freiboia, wal ba enk Kirwa is." Die Antwort kam schnell: „Wos? diaz sad's owa scho weit im Kulena (Kalender), Kirwa hom ma im Oktober".
Da erzählten sie dem Wirt von dem schönen Echo. Er lachte und sagte: „No, des schöina Echo is ma scho a Freiböia wert." Als der Durst gelöscht war, ging es mit Dampf den Berg hoch in Richtung Leßnitz.
Jedes Jahr wurde bei der Heuernte in der Waldwiese das schöne Echo erwähnt und herzhaft darüber gelacht.
Was mag wohl heute in unseren schönen deutschen Wäldern für ein Echo erschallen? Die Antwort weiß wohl jeder selbst.
Anna Kempf, Lettgenbrunn, Sudetenstr. 25, 6485 Joßgrund
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