Eine Landsmännin schreibt uns
Als „alte" Heimatbriefleserin — von der ersten Ausgabe an — möchte ich mich nach all den Jahren, in denen mir diese Brücke zur Heimat immer regelmäßig zugestellt wurde, auch einmal an Sie wenden.
Möchte Dank sagen für die mühevollen Stunden, die dazu nötig sind die Leser zu informieren, zu interessieren und vor allem auch wachzurütteln, damit Tradition und Heimatliebe nach so vielen Jahren der Austreibung in der Hektik der Zeit nicht untergehen. Alleine bin ich wohl nicht, dem beim Öffnen des Briefkastens das Herz höher schlägt, wenn wir die Streifbandzeitung entgegenfällt. Leider vermisse ich immer mehr Familiennachrichten aus der ländlichen Umgebung von Schlaggenwald.
Als Stirnerin kannte man besser die Landbevölkerung der umliegenden Dörfer, und es wäre doch erfreulich, öfter einmal von Erfolgen und Festlichkeiten dieser Gruppe zu erfahren.
Unser strenger, aber gerechter Herr Lehrer Toischer hat uns in Leßnitz Aufsatz und Schrift gründlich eingetrichtert, so sollte doch diese Generation wenigstens ab und zu zur Feder greifen und über ihren Werdegang Kunde tun.
Frau Kempf aus Lettgenbrunn hat stets so reizende Erzählungen auf Lager; daß sie goldene, silberne u. grüne Hochzeit, alles im vergangenem jahr gefeiert haben, wäre als seltenes Ereignis wohl auch erwähnenswert gewesen. Als sie mir kürzlich mitteilte, habe ich mich sehr gefreut! Auch dorthin ein herzliches Dankeschön und sie soll uns mit ihren Beiträgen noch oft erfreuen.
Meinen Mann und beiden Kindern, die in Bayern geboren sind, habe ich unsere Heimat vorgestellt, sie sind von der Schönheit der Landschaft heute noch hellauf begeistert. Ebenso von der Gastfreundschaft der noch dort verbliebenen Deutschen.
Solche Mitteilungen wären rasch niedergeschrieben und für unseren Heimatbrief ein nette Bereicherung. Ein bißchen mehr Mut! Mancher Vetter und Moum würde gerne Kenntnis davon nehmen!
Mit freundlichen Grüßen Euere Wagner Annl aus Stirn
Dankschreiben von USA-Solingen
Unsere Landsmännin Anni Kullak — eine geborene Stirnerin — hat sich in Solingen/Westfalen, eine neue Existenz aufgebaut und fühlt sich als Solinger Bürgerin dort wohl. Zur 200-Jahrfeier der USA hat die Stadt ihren dort zahlreich lebenden Solinger Auswanderern gratuliert. Daraufhin ging ein Dankschreiben dieser USA-Bürger bei den Solingern mit dem nachfolgendem Gedicht in Solingen ein.
Auch dort wurde durch deutschen Fleiß und harter Arbeit eine Aufbauleistung erbracht. Diese Auswanderer haben eine mit unserem Schicksal gleichzusetzende Lebenserfahrung machen müssen, nur mit dem Unterschied, daß sie nicht zwangsweise verpflanzt wurden und nie mehr die Heimat wiedersehen dürfen, sondern jederzeit gerne heimkehren können und aufgenommen werden.
Als Bettler sind wir nicht gekommen,
aus unserem deutschen Vaterland.
Wir hatten manches mitgenommen,
was hier noch fremd und unbekannt.
Und als man schuf aus dichten Wäldern,
aus öder, düstrer Wüstenei,
den Kranz von reichen Feldern,
da waren Deutsche auch dabei.
Gar vieles was in früheren Zeiten
ihr kaufen mußtet überm Meer,
das lehrten wir Euch selbst bereiten,
wir stellten manche Werkstatt her.
Oh, wagt es nicht, dies zu vergessen,
sagt nicht als ob das nicht so sei,
es künden 1000 Feueressen,
da waren Deutsche auch dabei.
Und was die Kunst und Wissenschaften
Euch hier verliehn an Kraft und Stärk',
es bleibt der Ruhm am Deutschen haften,
das Meiste war der Deutschen Werk.
Und wenn aus vollen Tönen klinget
an's Herz des Liedes Melodei,
ich glaub, von dem was ihr da singet,
ist vieles Deutsche auch dabei.
Drum stehn wir stolz auf festem Grunde,
den unsre Kraft der Widnis nahm.
Wie wär's mit eurem Staatenbunde
wenn nie zu Euch ein Deutscher kam?
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