Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 145
/ 24
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 6
Na Sudetoněmeckém dni ve Stuttgartu

⟵ věta pokračuje z předchozího listu

auf viel verzichten. Noch dazu, wenn Kinder zur Familie zählten, für die oft nicht das notwendige Stückchen Brot vorhanden war. Landsleute, die in den Dörfern untergebracht waren, werden bestätigen können, daß die Landbevölkerung von ihrem selbstgebackenen Brot kein Krümchen abgab. Wir waren die Zigeuner, das war der Titel, den man uns bei unserer Ankunft gab. Später wurden wir als Kartoffelkäfer bezeichnet und das sind wir ja manchmal heute noch. Man kann es hin und wieder hören. Aber warum sollen wir rückständigen und geistig zurückgebliebenen Menschen es nachtragen, wenn sie in Dummheit verharren wollen. Wer von uns kann aber diese Zeiten vergessen?

Wir sind ja stets ein friedliches Völkchen gewesen und wollen es auch bleiben. Bis in die 50ger Jahre mußten wir mit den Lebensmittelkarten leben. Die DM war rar. Wer damals den Mut aufbrachte, sich durch seinen Handwerksberuf eine Existenz zu gründen, muß heute noch bewundert werden. Und sehr viele Landsleute haben es gewagt. Durch ihren Fleiß und ihrer Ehrlichkeit schafften sie sich einen guten Namen. Allmählich haben wir aus dem Sudetenland Stammenden die Achtung aller erworben und genießen Ansehen in den Bundesländern. Da wir sehr anpassungsfähig sind, ist zwischen uns und der alteingesessenen Bevölkerung kein Unterschied mehr äußerlich wahrzunehmen. Trotzdem möchte ich nicht voll bestätigen, daß die Eingliederung ganz vollzogen ist. Das Heimweh kommt ganz leise und ist eben da. Die Umgebung ist fremd. Die alten Nachbarn und die Freunde fehlen. Der Weg zueinander ist zu weit ab. Aber die Heimat kann nicht vergessen werden.

Wir wollen aber ehrlich sein und bekennen, daß wir heute nicht mehr den Mut haben würden, dort noch einmal den Aufbau beginnen zu wollen. Auch unseren Nachkommen ist es nicht zumutbar. Die Jahrhunderte haben es gezeigt, daß ein Grenzlandvolk so wie wir Sudetenländer es waren, den dauernden Druck des sogenannten Staatsvolkes, ohne Hilfe des großen Brudervolkes, zu vielen Belastungen ausgesetzt ist. Das Deutschland von 1919 hat damals keine Hilfe geleistet, als wir in tiefer völkischer Not waren, als man auf wehrlose deutsche Menschen das Maschinengewehrfeuer eröffnet hat, weil sie für das Recht friedlich demonstrierten.

Österreich, zu dem wir viele Jahrhunderte gehörten, tat ebenfalls nichts. Die damalige politische Zerissenheit der Deutschen und Österreicher hatte für uns verheerende Folgen. Selbst wir, d. h. unsere Vorfahren erkannten nicht, welche nationale Not über uns hereinbrechen wird. Sie glaubten an die Thesen des amerik. Präsidenten Wilson und an das Versprechen des ersten Präsidenten des ersten Tschechoslowakischen Staates T. G. Masaryk. Aber weder Selbstbestimmung für die Völker Europas gab es, noch wurde aus diesem neu gegründeten europäischen Staat eine zweite Schweiz, wie sie ihr erster Präsident angepriesen hat. Die Quittung haben wir begleichen müssen mit der Vertreibung. Vertrieben aus den Ländern Böhmen, Mähren und dem schlesischen Teil, die zusammen man „Sudeten" nennt, aus Gebieten, die nur von Deutschen bewohnt waren und von diesen auch kultiviert worden sind. Eine großartige Industrie haben unsere Vorfahren aufgebaut und diese Gebiete verkehrsmäßig gut erschlossen. Deren Erzeugnisse wie Porzellan, Glas, Textil waren in der ganzen Welt bekannt und zeugten vom Können und dem Fleiß. Die Gablonzer Glasindustrie konnte sich auch in Bayern wieder einen Namen mit ihren Welterzeugnissen schaffen. Auch andere Unternehmer aus der alten Heimat haben hier wieder Fuß fassen können und einen großen Beitrag zum Wiederaufbau Westdeutschlands geleistet. Es ist daher kein Wunder, wenn an den Pfingsttreffen immer wieder von einigen regierenden Landsherren darauf hingewiesen wird. Aber andere Regierende scheinen eine andere Meinung von uns zu haben. Wir passen diesen nicht so ganz in ihre politischen Vorstellungen. Die Flüchtlinge stehen als Mahner zur spektakulären Ostpolitik und passen deshalb nicht in ihr Konzept. Man hat spontan alle einstigen deutschen Ostgebiete abgetreten, ohne Gegenleistung. Jetzt kann man nur noch mit Geld die ostwärts der Grenze unserer Bundesrepublik regierten Länder befriedigen, mit Geld, das wir durch Steuern aufbringen müssen. Wenn einmal diese Quelle versiegen wird, werden wir die Repressalien zu spüren bekommen.

Wohin werden wir Deutschen gelangen? Wird sich ein 1933 in der internationalen Welt wiederholen? Noch sind keine Weichen gestellt. Hoffen wir, daß wir damit verschont bleiben.

list 6 z 24
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.