Freudiges Wiedersehen!
Es war so im April 1975 als es am späten Nachmittag an der Türe klopfte, und auf unser „Herein" stand der Gareis Schorsch und seine Frau in der Tür. Das war für uns eine sehr große Freude. Das Fragen und Antwortgeben nahm kein Ende. Natürlich dachten wir auch an unsere liebe Heimat, denn der Schorsch hat bei uns so manches Schwein geschlachtet und zu guter Wurst verarbeitet. Die Zeit verging wie im Flug, und wir mußten wieder Abschied nehmen von diesen frohen Stunden.
Als ich aber am Abend schlafen ging, da war vom Schlaf nichts zu merken, denn meine Gedanken waren natürlich in meinem lieben Leßnitzer Dörferl. Ich dachte zurück an die Tage meiner Kindheit, wo ich sonntags mit meinen lieben Eltern nach Schlaggenwald zur Kirche ging, im Sommer in die Georgskirche um 8 Uhr und im Winter in die Spitalkirche um 9 Uhr. Wenn einmal im Winter Herr Katechet zur Messe kam, sagte mein Vater: „Herr Katechet, heint ist fei(n) kolt, fei(n) a wengl schnell". Die Antwort: „Ja, ja heint mach ichs kurz u gout." War dann die Messe aus, eilte meine Mutter wieder heim, daß das Mittagessen rechtzeitig fertig war.
Mein Vater aber ging immer nachher zum Frühschoppen zum Gareis. Dort trafen sich die Bauern aus den Nachbarorten zu einem Plausch. Ich durfte immer mit. Es war eine schöne Schankstube, ringsherum die Tafeln und in der Mitte ein großer, runder Tisch. Ein Bauer um den anderen kam, klopfte zur Begrüßung am Tisch. Ich setzte mich immer beim letzten Fenster in die Ecke. Dort betrachtete ich mir die Modenschau der Leute, die am Flutbach vorüberzogen, meistens junge Pärchen. Ich wußte schon immer wer zu wem gehörte. Auch merkte ich gleich, wer wieder ein neues Kleid sich zugelegt hatte. Wenn sich dann alle verlaufen hatten, so verfolgte ich die Erzählungen der Männer. Kam einer einmal etwas später, und der Wirt fragte, was er bringen dürfte, so sagte er: „Heint trink i a mol an Wei(n)". Da sagte ein anderer: „Schaut nur dean Großtuer an, der will an Wei(n)". „Jå", sagte ein anderer, „ho(b) na an Gluster gröigt in da Meß, weil an Dechant der Meßwei(n) sua gschmeckt hout. Howe denkt, wenn ich heint zon Schursch kum, wird sich a a Wei(n) vaginnt". Auch der Großvater vom Gareis lebte noch, der kam aus der Küche geschlichen und setzte sich in die hintere Ecke und lauschte dem Gespräch. Kam einmal ein Mann aus Rabensgrün alleine, der sonst meist von seinem Nachbarn begleitet war, so fragte der Wirt: „No, Tone, wou houst denn hei(n)t an Seff?" Da antwortete der Toni: „Jå, der Seff, dea kimmt nimma, den hout gestern da Schlog troffen. Murgn trogn man z'Gro(b)". Da ertönte des Großvaters Stimme aus dem Hintergrund: „No, dear olwara Ka(r)l, wöi möcht i nur weggöih(n)". Aber nach kurzer Zeit saß auch der Großvater nicht mehr in seiner Ecke; auch er fand keine Zeit zum Weggehen. Manchmal wurde dann noch etwas geschimpft über die Politik, und so manche schwielige Bauernfaust fiel auf den Tisch, daß die Gläser schebberten.
War Erntezeit und der Regen klatschte an die Fensterscheiben, so sagte mein Vater: „Ich woiß niat, sua viel olta Bauern san scho(n) im Himmel u koiner woiß, wos ma für a Wetter brauchn. Owa wa(r)ts no wenn ich amol affe kumm, dou gibts schöins Wetter on Hamod u an Schnitt." Darauf lachten alle und einer sagte zum Wirt: „Huarch amol Schursch, des will da gung Petrus wean, wenn dea amol stirbt, nouch richt fei(n) an gouten Leichenschmaus her." Denn auch so mancher Leichenschmaus wurde dort verzehrt.
Wenn dann der Uhrzeiger gegen zwölf rückte und die Gareistöchter die Tafeln deckten, Teller und Bestecke auflegten, zahlte jeder seine Zeche und heim ging es mit einem „Servus bis am Sunnta" in Richtung Poschitzau, Gfell, Leßnitz, Rabensgrün usw.
Anna Kempf
Landsleute! Zahlt pünktlich die Bezugsgebühren für den „Heimatbrief"
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