Liebe Landsleute!
Wieder haben wir eine heilige Zeit, das „Pfingstfest" gefeiert. Ich hatte gehofft, den HB noch vor den Feiertagen herauszubringen. Leider ist das Vorhaben nicht geglückt.
So wünsche ich dennoch nachträglich allen Lesern eine frohe Zeit, und sende einen verspäteten Pfingstgruß.
Auf dem Pfingsttreffen in Stuttgart, konnten wir wieder eine ganz schöne Menge Landsleute begrüßen. Nun es war dieses Treffen die einzige Gelegenheit mit Landsleuten zu plaudern, die aus nah und fern herbeigeströmt waren. Da wir ja kein eigenes Schlaggenwalder Treffen veranstalten können, war dies eine gute Gelegenheit mit Freunden und Bekannten einen Plausch zu halten. Leider kann man es bei diesen großen Veranstaltungen nicht sehr gemütlich einrichten. Aber man freut sich doch über die Begegnung mit alten vertrauten Gesichtern. In den vergangenen 30 Jahren nach der Austreibung hat sich doch vieles verändert und manches ereignet. Auch wir sind dabei nicht jung geblieben.
Pfingsten, das war daheim echter Frühling. Der Flieder blühte und die Lerchen jubilierten in den Lüften. Die Pfingsttage waren Tage des Besinnens und der Freude über die warmen kommenden Tage, überhaupt wenn Pfingsten in den Monat Juni fiel. Da war es ja schon Badewetter und auf der Ebnet tummelte man sich als Strandbader. Eine Kahnfahrt konnte man dort unternehmen. Wir als junge Burschen haben den Herrn Hirlitzer, den Frau Dietrich zu ihrer Unterstützung angeheuert hatte, diesen um manche 1/4 Stunde ausgeschmiert, wenn wir bei ihm den Kahn geliehen hatten. Er konnte pfeifen und rufen so laut er es nur vermochte, wir hörten ihn am anderen Ende der Ebnet nicht oder wollten seine Signale nicht hören. Wie oft schickte er den Herrn Stadtpolizisten Stowasser nach uns, um uns zu holen. Dieser ist dann ganz gemütlich im Kahn die Ebnet entlang gefahren und ermahnte uns, doch zurückrudern zu wollen. Ach, es war eine schöne Zeit. Jung war man, arm war man, aber zufrieden waren wir und Lebensfreunde war da. War das vielleicht auch Glück? Ein Vergleich mit heute ist nicht möglich. Nur dürften wir wohlhabender geworden sein, aber glücklich wird man es nicht nennen können. Das Leben hat uns zu hart angepackt. Der Krieg, die Vertreibung, der Aufbau und die Anpassung an die ungewohnte Landschaft und an das Gastvolk waren harte Prüfungen. Nun, wir haben es alle gut gemeistert. Mögen uns noch recht viele Jahre des Friedens, den wir bitter nötig haben, beschieden sein. Das sollte unser Pfingstwunsch sein. Es werden viele Landsleute ihre Gedanken in die ehemalige Heimat schweifen lassen und manches Plätzchen in der Erinnerung aufsuchen, in den damaligen friedlichen Orten. Manchesmal wird der Spazierweg nach Dreihäuser, Wiesental oder die Pinge im Geiste von den Schlaggenwaldern zurückgelegt werden. Die Erinnerung an das Wiesental, den dort meist von der Arbeiterjugend aufgestellten Maibaum, mit anschließendem fröhlichen Tanz, dürfte bei vielen, die dabei waren, noch lebendig sein. Viele alte Freunde und Bekannte lassen wir uns begegnen, die schon lange nicht mehr unter uns weilen können. Viele hat der Krieg nicht mehr die Heimat wieder sehen lassen und viele haben uns in den vergangenen 30 Jahren für immer verlassen. Die Zeit ist nicht mehr ferne und niemand wird mehr von den Vertreibungen der deutschen Siedler aus den Kronländer des einstigen röm. Reiches deutscher Nation Böhmen, Mähren und Schlesien sprechen. Man wird allenthalben beschämt die Augen schließen, sollte doch an das größte Verbrechen, was an Menschen begangen werden kann, noch erinnert werden. Und es war ein Verbrechen, den Menschen so seiner Würde zu berauben und ein ganzes Volk wie Vieh zu behandeln. Auch der jetzige starke westliche Verbündete sollte an die von ihm zugestandene verwerfliche Handlung stets erinnert werden.
Bisher hat Amerika viele Völker unglücklich gemacht. Europa, Asien-Vietnam mußten 30 Jahre Kriegshandlungen erdulden und was brachte es diesem Volk? Trotzdem, es ist wieder vereint, leider in Unfreiheit. Wir Deutschen können aber nicht einmal hoffen jemals wieder ein einiges Volk zu sein. Auf lange Zeit gibt es eine westliche und östliche Hemisphäre. Die Welt ist geteilt in sogenannte bestehende Ideologien (Weltanschauungen). Dieser Zustand wird noch eine längere Weile keine Änderungen zulassen.
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