Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 144
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Zprávy z Československa

Nachrichten aus der Tschechoslowakei

Die Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und den Vereinigten Staaten sind weiterhin eingefroren. Hauptpunkt des Konflikts ist die Weigerung der USA, das nach dem Kriege in Deutschland beschlagnahmte Gold der ehemaligen Tschechoslowakei der kommunstischen Regierung zurückzugeben, da diese es ablehnt, jene US-Bürger, welche durch die Verstaatlichung ihrer Vermögenswerte in der ČSSR finanzielle Verluste erlitten, voll zu entschädigen. Inzwischen laufen aber Verhandlungen auf Botschafterebene über kulturellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen beiden Ländern.

Um den chronischen Mangel an Arbeitskräften zu mildern, der z. T. auf schlechte Organisation und mangelhaft genutzte Fähigkeiten zurückzuführen ist, sollen 1500 cypriotische Griechen für ein Jahr in der tschechischen Bauindustrie beschäftigt werden. Ein entsprechendes Abkommen wurde zwischen den beiden Regierungen abgeschlossen. Wenn diese daheim arbeitslosen Griechen auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, so berührt doch eigenartig, daß es der ČSSR nicht gelang, einen solchen Vertrag mit einem kommunistischen Land abzuschließen, das an Arbeitslosigkeit leidet, z. B. Jugoslawien oder Polen. Die 5000 jugoslawischen Arbeiter, die Prag im Jahre 1973 angeheuert hatte, erfüllten nur Aufträge, die ihre Firmen übernommen hatten und waren in die tschechische Wirtschaft nicht eingegliedert worden. Polen, das vorwiegend im Teschner Gebiet 20000 Arbeitskräfte stellt, scheint nicht daran interessiert zu sein, den Gastarbeiteranteil zu erhöhen, was vermutlich auch mit den Aussiedlern nach Deutschland zusammen hängt. Polnische Zeitungen deuten an, daß die ČSSR nun versuchen werde, aus Algerien und Indien Gastarbeiter zu bekommen, ungeachtet der sprachlichen und sonstigen Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben werden.

Die Taktik der Prager Behörden, sich mißliebender Intellektueller zu entledigen, läuft darauf hinaus, ihnen einen mindestens zweijährigen Auslandsaufenthalt nahezulegen und zu bewilligen. So verfuhren sie mit Otoman Krejči und Milan Kundera und versuchten es mit Pavel Kohout, der indessen dagegen protestierte, da die Behörden ja jederzeit die Möglichkeit besitzen, dem Mißliebenden unter einem Vorwand die Heimkehr zu verweigern. Entschließen sich Intellektuelle zur begrenzten Ausreise, müssen sie dafür einen hohen Preis entrichten; sie müssen sich jeglicher Stellungnahme zu Vorgängen daheim enthalten, wenn sie wieder zurückkehren wollen. Damit verzichten sie auf die Solidarität mit denen, deren Los sie bisher geteilt haben. Diese Entsolidarisierung ist zweifellos der Hauptzweck der Großzügigkeit des Prager Innenministeriums.

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