Meine Osterbotschaft
Wir rühmen uns im Kreuz unseres Herrn †
In IHM ist Auferstehung, Heil und Leben †
Durch IHN sind wir gerettet und erlöst †
Liebe Freunde und Landsleute!
In Erfüllung des Auftrages, den mir die Deutsche Bischofskonferenz erteilt hat, nämlich für die kirchlichen und seelsorgerlichen Belange der sudetendeutschen Katholiken Sorge zu tragen, richte ich über unsere Heimatblätter diese Osterbotschaft an alle Landsleute, wo immer sie Ostern feiern.
Mit einer persönlichen Erinnerung möchte ich beginnen. Im Jahre 1946, 10 Tage vor Aschermittwoch, wurde ich wegen meiner Berichterstattung über die Vorgänge der Vertreibung an die Nuntiatur in Prag von der tschechischen Polizei verhaftet. Auf dem Weg ins Karlsbader Gefängnis habe ich mich geistig gewappnet. Was immer auch kommen mag, ich werde es tragen als mein persönliches Kreuz. Am Aschermittwoch segnete ich Zeitungsasche und erteilte den 12 Mitgefangenen der Zelle 18 das Aschenkreuz. Die Bibellesung am Morgen und das gemeinsame Abendgebet schloß ich immer mit den Worten: Wir tragen die Beschwernisse der Haft als unser Kreuz. Am Ostersonntag durfte ich im Gerichtssaal, wo sonst der Volksgerichtshof seine harten Urteile fällte, die hl. Messe feiern, am Morgen für die Männer, am Nachmittag für die Frauen. Trotz unserer schwierigen Lage haben wir die bekannten Osterlieder und das Osterhalleluja gesungen, mächtig und froh, denn wer Ostern kennt wird nicht verzweifeln. Nur eine Beanstandung gab es, als wir im Refrain der 3. Strophe eines der Lieder sangen: „Der Führer lebt, Alleluja." Ich konnte aber nachweisen, daß dieses Osterlied schon aus dem Jahre 1862 stammte. Alle, die dabei waren und heute noch leben, werden bestätigen, daß es eine beeindruckende Osterfeier war.
In den Gemeinden draußen, in denen ja die „planmäßige Umsiedlung" schon begonnen hatte, konnte Fastenzeit und Ostern nur in den Kirchen gefeiert werden. Es war ja die große Passionszeit unserer Volksgruppe. Man mußte auf die uns so vertraute dramatische Darstellung des österlichen Heilsgeschehens verzichten, wie es im Brauchtum seinen Niederschlag gefunden hatte. Es gab also keine öffentliche Palmprozession mehr, denn die Felder und Friedhöfe gehörten nicht mehr uns. Es gab keine österliche Auferstehungsprozession in der Vielfalt frommen Brauchtums. Über Ostern 1946 lag der große Schatten des Kreuzes der Vertreibung. Aber unsere Landsleute verzweifelten nicht, weil sie wußten und glaubten, daß dieser Passion ein neues Ostern folgen wird. 30 Jahre später wissen wir, daß es kein trügerischer Glaube war.
Nun aber gehen wir der Osterfeier 1976 entgegen in einer neuen Heimat, in einer veränderten Welt. Wir haben gelernt, auf manches zu verzichten, was uns daheim Ostern so liebenswert gemacht hat. Wir haben uns darauf besonnen, daß Ostern nicht eigentlich Brauchtum, sondern das zentrale Geheimnis unseres christlichen Glaubens ist: Das Mysterium vom Tod und der Auferstehung unseres Herrn.
Im Geiste der erneuerten Liturgie wollen wir die Karwoche feiern und mit dem Palmsonntag beginnen, der uns in seinem Umschwung vom „Hossana" der Palmprozession zum „Kreuzige ihn" der Leidensgeschichte eine im Leben immer wieder erfahrbare Wirklichkeit anzeigt. Wir feiern Gründonnerstag, dessen Hauptfestgehalt das letzte Abendmahl und damit die Einsetzung der Eucharistie ist. Wir sind gehalten,
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