Die Weihnachtsbotschaft im Heiligen Jahr
Ehre sei Gott in der Höhe
und auf Erden Frieden den Menschen guten Willens!
Liebe Landsleute!
Für die Weihnachtsnummer unserer Heimatblätter wurde ich wieder um ein weihnachtliches Wort gebeten. Als Seelsorger von Heimatvertriebenen und Priester der Kirche kann ich keine andere und keine bessere Botschaft anbieten als die frohe Botschaft der Weihnachtsevangelien. „Als sie dort in Bethlehem waren, kam für sie, Maria, die Zeit der Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war . . . . Der Engel aber sprach zu den Hirten: Fürchtet euch nicht, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, Christus der Herr." (1. Weihnachtsmesse) „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll der Gnade und Wahrheit." (3. Weihnachtsmesse)
Liebe Freunde, das ist die christliche Weihnachtsbotschaft, die nicht verdrängt werden darf durch den Unglauben der Modernen, die die biblischen Berichte zum Mythos degradieren, auch von denen nicht, die Weihnachten zum großen Geschäft machen wollen und nicht von denen, die das Fest in eine oft verlogene Rührseligkeit des Schenkens, der Kerzen und sentimentaler Lieder eintauchen wollen. Die Mitte muß bleiben: „Gott ist Mensch geworden!" Seitdem dies geschehen ist, genügt das Menschliche nicht mehr. Allen, die an seinen Namen glauben, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden. Durch Weihnachtsglaube und Weihnachtsgnade müssen wir gottmenschliche Menschen werden. Weihnachten geschieht im gläubigen Herzen, dort gilt es: Heute ist Christus geboren, er lebt in mir als der menschgewordene Gott, als der gekreuzigte und auferstandene Herr.
Weihnachten 1975 fällt an das Ende des Heiligen Jahres. Am Heiligen Abend 1974 wurde es feierlich eröffnet, am Heiligen Abend 1975 wird es durch die Schließung der Heiligen Pforte beendet. Es sollte ein Jahr der geistigen Erneuerung aus den Kräften der Religion und des Glaubens werden mit dem Ziel Friede und Versöhnung in der Vertikalen und Horizontalen menschlicher Existenz. Wir werden den Erfolg nicht messen können, aber im Geiste dieses Jahres kamen Hunderttausende aus allen Völkern der Erde als Pilger zu den heiligen Stätten Roms. Ich hatte das Glück, in der Pfingstwoche mit 800 Gleichgesinnten aus der Ackermann-Gemeinde bei den Gräbern der Apostel zu weilen und zu beten. Für mich war es eine Sternstunde meines priesterlichen Lebens, beim großen Pilgergottesdienst der Nationen in St. Peter die deutsche Fürbitte sprechen zu dürfen: „Wir wollen beten für die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen der ganzen Welt: Herr, bewahre die Völker der Erde vor der Geißel des Krieges, der Gewalt und der Vertreibung. Schenke allen Heimatlosen neue Heimat und Geborgenheit und führe das deutsche und tschechische Volk auf die Fürsprache des Heiligen Johann von Nepomuk zusammen in verzeihender Liebe!"
Das Jahr 1975 trägt auch das Signum: „30 Jahre danach." An vielen Orten, bei Heimattreffen und Wallfahrten kamen wir in großer Zahl zusammen, auch wenn viele aus der Erlebnisgeneration nicht mehr bei uns waren. Wir haben zurückgeschaut auf die Anfänge voller Not und Schrecken, aber auch auf drei Jahrzehnte zäher Anstrengung und eines nie geahnten Aufstiegs. Wo immer wir aber beisammen waren, lag über uns nicht der Geist der Bitterkeit und der Vergeltung, sondern der Geist der Bereitschaft zu friedlicher Aussöhnung auch mit denen, die uns viel Leid zugefügt haben. Man hat viel gesprochen vom Wunder des deutschen Wiederaufstiegs aus
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