Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 141
/ 32
česky německy obojí klasické zobrazení →
Sken listu 8
Čtvrtá návštěva staré vlasti

Der vierte Besuch in der alten Heimat

Nach langem Überlegen zogen wir es heuer wieder vor, einige Tage in die verlassene Heimat zu fahren. Es sollten die Verwandten meines Mannes besucht werden, die in Petschau, Karlsbad und Prag wohnhaft sind.

Im Jahre 1963 war ich zum ersten Male in dem Land unserer Väter gewesen. Erschreckend war damals der Anblick der verfallenen Ortschaften, die wir auf unserer Fahrt zu sehen bekamen. Besonders mein Heimatort Gfell war schon dem Erdboden gleich gemacht und eine schwere Last legte sich auf mein Gemüt. Die noch sichtbaren Grundmauern einiger Häuser und sonstigen Gebäude waren mit dichtem Gestrüpp überwachsen. Dieses wilde Wuchern der Stauden und des Gestrüpps wirkte trostlos. Die wenigen Menschen, die ich angetroffen habe, lebten zu damaliger Zeit in großer Armut. Es war kein Vergleich zu erstellen mit uns in Westdeutschland Lebenden.

Am 17. Juni 1975 starteten wir. Wir hatten uns vorgenommen 4 Tage in dem Land, in dem wir geboren waren, zu verbringen und die Zeit auch als ausreichend für den Verwandtenbesuch erachtet. Bei Waidhaus passierten wir die Grenze zur Tschechoslowakei. Gegen 7 Uhr morgens hatten wir uns dort eingefunden. Dieses Mal brauchten wir nur eine Stunde zur Abfertigung warten. Früher dauerte es bis zu 6 Stunden, die man an der Grenze verbringen mußte. Es ist immer ein sonderbares Gefühl — dieses Abwarten. Auch dieses Mal hatten wir unseren Personenkraftwagen ziemlich mit Mitbringsel beladen, aber wir kamen gut durch die Zollkontrolle. Wie heilfroh ich war, als wir die Straße in Richtung Plan weitergefahren sind, kann sich nur der vorstellen, der schon solche Fahrten unternommen hat. Über Marienbad ging es dann nach Petschau, wo wir gegen 9 Uhr ankamen. Meine Tante hatte schon nach uns Ausschau gehalten; es ist ja auch für diese Leute immer ein Erlebnis, wenn Besuch aus Westdeutschland kommt. Wie herzlich die Begrüßung ausgefallen ist, brauche ich nicht erst zu schildern. Wir hielten uns nicht sehr lange in Petschau auf.

Nach einer kräftigen Stärkung mußten wir nach Karlsbad aufbrechen, weil man sich dort binnen 24 Stunden nach Ankunft bei der Polizei melden muß. Diese Amtsstelle befindet sich in einem Gäßchen in der Nähe des Grand-Hotel „Pupp", unweit der Seilbahnstation zur Freundschaftshöhe. Dieses Mal haben wir nicht sehr viele Autos aus der Bundesrepublik bemerkt. Es war ja noch keine Ferienzeit in den Ländern der Bundesrepublik und deshalb auch weniger Reiseverkehr in diesem Lande. Auch in Karlsbad hatte uns der Cousin erwartet und mit uns einen ausgedehnten Spaziergang unternommen. Eine neue Sprudelhalle ist errichtet worden.

Sie ist sehr schlicht ausgefallen. Das einstige Bild — ein Kupferstich des Bildhauers F. Zärkles aus Petschau — die Entstehung Karlsbads darstellend, hängt jetzt in der Schloßbrunnen-Trinkhalle. Die Tepl ist bei der Mühlbrunnkollonade überbrückt und somit erheblich erweitert. Ein großes Bauwerk, das ein Hotel geben soll, an dem schon mehrere Jahre gebaut wird und das von mehreren Nationen finanziert wird, ist noch unvollendet und ragt ganz fremd in das Stadtbild. Viele Kurhäuser werden abgerissen. Der Verkehr wird daher bei dem Hotel „Richmond" über die Straße am Imperial-Hotel umgeleitet.

Noch am gleichen Tage fuhren wir zu meines Mannes Geburtsort Pröles. In diesem Ort stehen auch nur noch einzelne Häuser. Vom Hof der Eltern steht nur noch die Scheune, die von der Kolchose als Heustadel benutzt wird. Das ehemalige Kirchlein verfällt, es ist ein Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert. An der Kirchentüre war eine Tafel angebracht, die aussagt, daß es wieder restauriert werden soll, weil es ein historischer Bau sei.

[

věta pokračuje na dalším listu ⟶

list 8 z 32
Rozdělení textu na listy je odhad — text může o odstavec přetéct na sousední list. Původní znění vlevo je vždy přesné.
Klikni na větu a ukáže se, kde na skenu stojí. Zvýrazňují se celé řádky, ne přesná slova — místo je tedy přibližné.