Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 141
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Naše posvícení!

Unsere Kirwa!

Sie zeigte den Herbstbeginn an. Aber es war ein schönes Fest gewesen. Die Spiele am Markt und eine festliche Stimmung im ganzen Ort erfreute alt und jung. Wie duftete der Streußel-, Powidl- und der Quarkkuchen so herrlich, wenn er aus den Backstuben der Bäckereien heimgetragen wurde.

Sorgfältig wurde er in „Stramerln" geschnitten und dann auf Tellern aufgeschichtet. Es war ein herrlicher Tischschmuck zum Früh- und Nachmittagskaffee. Ja, damals gab es nicht in jedem Haus an allen Sonntagen Kuchen. Darum waren auch unsere Feste immer recht feierlich, weil man im Unterbewußtsein dem Herrgott dankbar war.

Der Kirchgang war an diesem Sonntag eine Selbstverständlichkeit. Überhaupt waren an den Festtagen unsere beiden Gotteshäuser sehr gut besucht. Vielleicht lag es damals doch ein bißchen an der Geistlichkeit selbst, weil sich das Volk von seinem Herrgott entfernt hat. Denn ich erinnere mich nicht, daß sich die Herrn Hochwürden Dechante unter das Volk begaben und mit ihm eins sein wollten. Heute ist das doch ganz anders. Man kümmert sich mehr um das Seelenheil der Mitmenschen.

Besonders der heutigen jungen Geistlichkeit ist ein Lob zu sagen. Vielleicht stand die St. Georgs-Kirche doch zu erhaben über unserem Städtchen. Und wiederum war das sehr gut, denn die Turmhanni wachte darüber, daß uns keine Feuerüberraschungen zuteil wurden. Von ihrer Turmstube aus hat sie den ganzen Ort und weite Flächen übersehen können.

So mancher ältere Bürger wagte auf den holprigen Dielen in den Gaststuben ein Kirwatänzchen zur Schrammelmusik. Der Abschiedsball der Rekruten war an diesen Kirwatagen für die Jungen der Höhepunkt gewesen. Der Kater kam nachher, wenn die Rekruten mit den Holzköfferchen zum Bahnhof eilten, und für längere Zeit die Heimat verlassen mußten. Da wurde so manches Auge trübe und die Träne zerquetscht, die sich unter dem Lied hervorstahl.

Die Kirwa hatte auch noch eine andere Bedeutung bei uns. Sie kündete auch die Zeit des Kartoffelgrabens an. Das Glöcklein, das die elfte Vormittagsstunde anzeigte, war die Zeit des Aufbruches zum Acker. Da konnte man unsere Frauen im Städtchen mit dem Buckelkorb am Rücken und mit der Kartoffelhacke in der Hand bewaffnet aus den Haustüren treten sehen. Gewöhnlich wartete man bis die gesamte Partie beisammen war, und dann ging es mit Geplauder zum Ort hinaus. Wir Kinder damals, Mädel oder Buben, sind dann nach Schulschluß gekommen, denn ein Kartoffelkrautfeuerchen war gar zu schön. Auch schmeckten die in der Glut geschmorten Erdäpfel ganz besonders gut. Und ein bißchen verschmiert von der Asche waren unsere Gesichter. Aber auch die Erdäpfelgraberinnen waren froh, wenn wir Kinder das Kartoffelkraut herauszogen und von den Beeten abgeräumt haben. Das schönste Vergnügen aber war dann die Vesper. Wenn der heiße, duftende Kaffee in die Dippler gegossen wurde und dazu die große Semmel und das viertel Brot, verabreicht war. Hei, wie schmeckte das alles. Noch heute läuft mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an diese schöne Zeit denke. Danach hat es dann nicht mehr lange gedauert und die Seffa-Roßmeisl-Lederfabrik hat gebrummt, und das bedeutete Feierabend. Sechs Stunden hat also der Kartoffelgrabtag gehabt. Noch heute sehe ich die gekrümmten Rücken. Aber keine Klagen hörte man. Wer würde das von den jungen Frauen heute noch aushalten? Es klagen doch schon heute viele junge Leute über Kreuzschmerzen, ohne daß sie sich viel bücken müssen.

Die Sonne schien oft noch sehr warm in dieser Jahreszeit. Manchmal waren auch einige Beete „Dorschen" angepflanzt. Und mit Erlaubnis des Feldbesitzers durfte man einen herausziehen. Wie gut schmeckte dann eine Scheibe der Ananas der Armen. Diese Zeiten sind für unsere Nachkommen unvorstellbar. Es konnte sich

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