Liebe Landsleute!
Wieder ist es Herbst und der Winter nähert sich — gefühlsmäßig viel zu schnell — für viele von uns, die im Mittelalter stehen. Das Treffen in Auerbach und die Schlaggenwalder Kirwa — an letzere können wir ja nur noch symbolisch denken — sind vorbei. Langsam wird es auch in uns etwas stiller. Frühling und der Sommer zwingen uns mehr oder weniger in die Unrast des heutigen Lebensrhythmus hinein, so daß in diesen Jahreszeiten die Realitäten des täglichen Geschehens nur flüchtig wahrgenommen werden. Die warmen Tage und die strahlende Sonne vom blauen Himmel in den vergangenen Tagen überdecken gar viel Leid und halten den Optimismus in unseren Gemütern wach. Nun, was wäre das Leben auch, wenn der Mensch nicht hoffen könnte. Er erhofft sich doch immer irgend etwas Angenehmes. Am meisten dürfte er sich aber die Gesundheit wünschen und hoffen gesund zu bleiben, wenn er es ist. Das ist aber auch das wichtigste Gut das wir haben und auch das größte Anliegen.
Für viele Landsleute war die Hoffnung, die Heimat wieder zurückzugewinnen, leider ein Trugschluß. Aber es gab manchen die Kraft das Los der Vertreibung ertragen zu können. 30 Jahre sind nun vergangen. Andere Völker feiern in diesem Jahr ganz groß die Befreiung und sind stolz darauf uns vertrieben zu haben. Es fragt sich nur, wer dabei besser gefahren ist. Die Vertriebenen oder die Vertreiber.
Unsere Nachkommen haben keine Vorstellung wie alles damals gewesen ist. Die Zeit des Wirtschaftswunders hat ihnen eine andere Vorstellung vom Lebenszweck und -wert eingegeben. Ob dies allerdings zur seelischen Stärke, die einmal erforderlich sein wird, um spätere härtere Zeiten überwinden zu können ausreichen wird? Nun, die kommenden Zeiten werden es aufzeigen. Wer gedacht hat, daß nach Kriegsende in Europa nun der ewige Frieden auf dieser Erde einkehren wird, hat sich gründlich getäuscht. Wohin wir auf den Globus blicken, es gibt keinen Erdteil — außer Australien — wo nicht Menschen auf der Flucht sind. Und wieder sind es die gleichen Motive, die dieses Elend auslösen. Egoistisches Machtstreben der einen und ideologische Phantastereien der anderen verursachen in gewissenloser Weise die kriegerischen Auseinandersetzungen und zwingen die Menschen zur Flucht. Alle ideologischen Schalmeientöne haben noch keinem Volke das wieder gutgemacht, was sie verloren haben. Anschauungsunterricht kann jedermann in den Ländern und bei den Völkern bekommen, die geglaubt haben ein Paradies geschaffen zu haben.
Die so verherrlichte Einrichtung für alle Völker dieser Welt — die UNO — geschaffen in New York von Utopisten und vielleicht einigen Idealisten — sollte den ewigen Frieden der Völker garantieren. Alle politischen Probleme sollten dort friedlich geregelt werden. Diese Vereinigung aller Nationen sollte darüber wachen, daß kein Unrecht mehr geschehen kann, damit die Menschheit in Frieden leben und glücklich werden sollte. Was ist aus dieser UNO geworden?
Wer von uns erinnert sich nicht — zum größten Teil erlebten wir dieses Geschehen in der Gefangenschaft — an die große Begeisterung von 1945, als man diese völkervereinigende Einrichtung geschaffen hat. Nur die Deutschen wurden ausgeschlossen und blieben Jahrzehnte Zaungast. Nach der damaligen Haßwelle waren die Deutschen unwürdig an dem kommenden Friedenswerk aufbauend mitzuhelfen. Rockefeller hat ein großes Opfer gebracht und ein wertvolles Grundstück für die Errichtung dieses Monuments zur Verfügung gestellt. Man hatte auch sofort mit dem Bauen begonnen. Aber aus diesem Bau ist ein Palast des Palaverns geworden.
Wo ist der Frieden unter den Völkern? Hat man damals nur an die bösen Deutschen gedacht? In Asien ist der Krieg noch keinen Augenblick in den letzten 30 Jahren ausgeblieben. Fast hat er dort jedes Volk erfaßt. Korea, Vietnam, Kambodscha usw. — Millionen Menschen auf der Flucht. Afrika, dort zerfleischen sich die Menschen,
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