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zurückgelegt werden muß. Wie gefährlich und nicht unbeschwerlich die Fahrt — ganz gleich ob im Autobus oder PKW — sich bei diesem Massenverkehr gestalten kann, weiß jeder. Trotzdem werden diese Strapazen gern ertragen. Man will dabei sein, wenn es gilt sein Recht zu wahren. Zu Hunderttausenden kamen sie wiederum in diesem Jahr: Egerländer, Böhmerwälder, Erzgebirgler, Saazerländer, Jeschken- und Riesengebirgler, aus dem Schönhengstgau, Südmähren und Iglau. Alle Gruppen, die man aus dem ehemaligen österreichischen Einflußgebiet vertrieben hatte, eilten herbei. Auch Otto von Habsburg weilte unter uns. Wer seine Heimat ehrt, der kommt zu diesem Treffen.
Wie alljährlich, es war wieder eine gewaltige Menschenmasse, die sich in Nürnberg vereint hatte. Einst haben auch amerikanische Politiker die Millionen Menschen — Deutsche Menschen — aus ihrem uralten, von ihnen kultivierten und besiedelten Räumen Europas austreiben lassen. Welche Motive diese Politiker dazu bewogen haben mochte, wird wohl nicht zu erfahren sein. Das Problem des Überlebens dieser Massen hat sie damals nicht berührt. Vielleicht die vage Hoffnung, daß dabei noch einige mehr umkommen als ihre Bomber vernichten konnten. Nun haben sie selbst ein Flüchtlingsproblem. Wie sie damit fertig werden, das sollten wir etwas genauer beobachten. Es sind Vietnamesen, die ihnen jahrelang treu vertraut haben. Das Volk aber lehnt die Aufnahme ab. Man wird gespannt sein können, mit welcher Menschenwürde diese Flüchtlinge konfrontiert werden.
Wir wissen, und haben es am eigenen Leib erfahren müssen, wie gut uns die eigenen Volksgenossen gesinnt waren, als sie uns aufnehmen mußten. So mancher hat manchmal die Grausamkeit seiner Mitmenschen fühlen müssen und auch Unbarmherzigkeit kennengelernt. Es gab viele, in dem zerbombten Deutschland, die nichts verloren hatten, die aber nur unter Zwang ein winziges Plätzchen abgaben. Heimatlos ist das schlimmste Los, wenn es Menschen erleben müssen. 30 Jahre haben wir manches ertragen und noch immer gilt unsere Liebe der einstigen Heimat.
Mir ist es unverständlich, daß vertriebene Landsleute diese friedliche Zusammenkunft zu Pfingsten aus ideologischen Anschauungen abwerten. Hier handelt es sich doch nur um eine unpolitische Veranstaltung, auf der ein Unrecht angeprangert wird. Einst haben auch Sozialdemokraten — und da denke ich ganz besonders an Wenzl Jaksch — die Vertreibung schärfstens verurteilt. Die politische Fairneß auf den Sudetendeutschen Tagen ist doch beachtenswert. Weil es dem östlichen Nachbarn nicht gefällt, wenn wir sein an uns begangenes Unrecht in die Welt rufen und die Unmenschlichkeit anprangern, darf es für uns kein Grund zur Rücksichtnahme sein. Inwieweit unser demonstrativ gezeigter Zusammenhalt auf die Ostpolitik der Bundesregierung Einfluß hat, können wir ganz beruhigt sein. Nutzen bringt es das. Das beweisen immer wieder die Verletzungen, die sich der östliche Vertragspartner jeder Zeit leistet. Wo ist die Menschlichkeit, auf die man ganz besonders bei Vertragsabschluß hinweisen wollte, geblieben? Wer in die umzäunten Länder reist, kann sich belehren lassen. Es ist verständlich, daß unsere Pfingsttreffen den Vertreibern unangenehm sind. Das aber darf uns nicht beirren. Wenn die Schandtaten der Deutschen, an denen wir Sudetenländer gar nicht beteiligt waren, angeprangert werden, warum dann nicht die der Tschechen, die immerhin im Zeitraum nach dem Kriegsende geschahen. Zweihundertvierzigtausend Männer, Frauen und Kinder haben sie abgeschlachtet. Davon will kein deutscher Journalist berichten! Wie war es denn, als man unser Gepäck auf die Waage stellte, und von der wenig gebliebenen Habe noch einen Teil zum großen Haufen warf, den man den vorher Kontrollierten schon abgenommen hatte. Unsere Frauen mußten sich ausziehen und abtasten lassen. Es hat manchen anständigen Tschechen davor selbst geekelt, aber dagegen konnte auch er nichts tun. Er wußte damals ja selbst noch nicht wohin ihn die Welle des Hasses einmal tragen wird. Aber eine Ahnung, daß solches Tun nicht straflos bleiben kann, fühlte er. Nun die Quittung blieb nicht aus. Heute ist das tschechische Volk das
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