Sudetendeutscher Tag 1975 zu Pfingsten in Nürnberg
Nürnberg war für viele Sudetendeutsche wieder ein großartiges Erlebnis.
Nicht nur das vielseitige Programm an diesen Tagen hat unser reiches Kulturgut aufgezeigt, sondern die großartige Kundgebung am Pfingstsonntag krönte diese Veranstaltung. Die Massenansammlung bewies, daß unsere Landsleute noch nach 30 Jahren Vertreibung treu zur verlassenen und jetzt verkommenen (Anm. d. R.) Heimat halten. Wie hervorragend diese Tage gestaltet und ausgefüllt sind, muß man selbst erlebt haben. Es ist erhebend, diese Massen unserer Landsleute aus allen Teilen des Sudetenlandes zu erleben. Kein Opfer und keine Anstrengung, die bei so einer Zusammenkunft abverlangt wird, hindert unsere Landsleute daran, die Anreise zu scheuen. Es ist erstaunlich mit welcher Geduld sie auf dem weiten Platz beim Gottesdienst ausharren, und wie anschließend noch die Kundgebung abgewartet wird. Zum Glück waren in den vielen Jahren stets herrliche Sonnentage zu verzeichnen. So wies auch der Sprecher der Sudetendeutschen, Dr. Walter Becher, darauf hin, daß der liebe Gott uns ein rechtes Landesvaterwetter oder Kaiserwetter beschert hat. Die Begeisterung bei der Schlußkundgebung war einmalig. Immer wieder brauste der Applaus bei der Ansprache des Schirmherrn auf.
Dem Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel gebührt die größte Anerkennung und unser herzlichster Dank. Er gab bis jetzt immer die Gewähr dafür, daß wir unter seiner Schirmherrschaft diesen Gedenktag in Bayern veranstalten konnten. Bei allen Pfingstveranstaltungen, die wir in Bayern abgehalten haben, war er immer dabei und stets fand er ergreifende Worte für das bittere Los der Vertreibung.
Was geschah in den anderen Ländern? In Essen fand zur gleichen Zeit das Treffen der Vertriebenen aus dem Ostgebieten von Oder und Neiße statt. Wo war der Ministerpräsident dieses Landes? Fand er einige Grußworte für seine ihm dort anvertrauten Landeskinder, wie es der Bayerische Landesvater in der Gluthitze des Pfingstsonntagmittags unter uns getan hat?
Das Messegelände mit seiner riesigen Parkraumfläche und sonstigen Anlagen eignet sich für diese Veranstaltung wunderbar. Das Gelände gehört einer Privatgesellschaft und diese dürfte an Einnahmen, wie sie solche Tage bieten, besonders interessiert sein. Außerdem wurde bekannt, daß es München heute bereut, uns aus ihrer Stadt verbannt zu haben. Denn an den 3 Pfingsttagen waren alle Hotelzimmer in und um Nürnberg ausgebucht, und in München standen die Hotelbetten leer.
Es ist bedauerlich, daß Weltanschauungen und politischer Fanatismus diese unpolitische Zusammenkunft umfunktionieren. Wir Sudetendeutsche wollen nur für das Recht und gegen Grausamkeit von Vertreibungen friedlich demonstrieren. Das Recht auf Heimat, und der Appell an das Weltgewissen darf nicht eingeschläfert werden. Es muß jenen Politikern, die Völker und Länder teilen wollen, das Unrecht dieses Handelns vorgehalten werden. Man sollte endlich aufhören Völker und Länder zu teilen, auch wenn die Weltanschauung eines Volksteiles zum Radikalismus und zu Gesellschaftsveränderung Revolutionen auslöst. Eine Besserung hat es den arbeitenden Menschen noch in keinem sogenannten sozialistisch regierten Land gebracht. Mit Parolen von Frieden, wobei man sich aber bis an die Zähne bewaffnet, möchte man über die Unfreiheit hinwegtäuschen.
Aus unserem Städtchen Schlaggenwald und Umgebung konnten sich zahlreich die Landsleute begrüßen. Man freut sich halt immer wieder unter Bekannten weilen zu dürfen. Es bleibt immer wieder ein Wunder, so vielen Landsleuten zu begegnen. Man muß bedenken, daß der Reiseweg oft über viele 100 Kilometer
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