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durch Mißhandlungen auf den Straßen, bei Hungermärschen, durch Urteile sogenannter Volksgerichte oder durch illegale öffentliche Hinrichtungen ums Leben kamen. Diese Opfer bleiben anonym, nicht etwa deshalb, weil sich die dafür Verantwortlichen dieser Untaten schämen, sondern weil sie nicht in das Bild einer friedliebenden Idylle passen, das die kommunistische Propaganda vom „sozialistischen Aufbau" in den unter sowjetischer Vorherrschaft stehenden Ländern gezeichnet hat. Das ist auch der Grund, warum die Vertreiberstaaten und die hinter ihnen stehende Sowjetunion heute so heftig auf die Forderung reagieren, die deutsche Bundesregierung möge die bisher geheim gehaltenen Dokumente über die Vertreibung der Deutschen der Öffentlichkeit zugänglich machen.
Wenn die Deutschen, und besonders die deutschen Heimatvertriebenen an die Ereignisse vor dreißig Jahren zurückblicken, dann geschieht das nicht allein in Erinnerung an die bitterste und totale Niederlage ihres Volkes, auch nicht an die Zertrümmerung des Deutschen Reiches und die an Millionen Deutschen begangenen Verbrechen, sondern auch mit dem Stolz auf die Aufbauleistung, die die Länder der Bundesrepublik Deutschland binnen weniger Jahre aus einem Trümmerfeld in einen freiheitlich-demokratischen Staat mit einer prosperierenden Wirtschaft verwandelte.
Die von linken Literaten vielbesungene „Gnade des Nullpunktes" lag nicht darin, daß mit der Niederlage Deutschlands die Voraussetzungen für die Errichtung einer sozialistischen oder kommunistischen Regierungsform im freien Teil Deutschlands geschaffen, sondern darin, daß die schöpferischen Kräfte der Deutschen geweckt wurden. In der heutigen übersättigten Gesellschaft hat man die damals gesetzten Wertmaßstäbe verloren. Man hat keine Vorstellung mehr davon, was es hieß, zwölf Millionen aus ihrer Heimat vertriebene, entwurzelte und völlig mittellose Menschen wirtschaftlich und sozial wieder einzugliedern und ihnen eine neue Heimat zu schaffen, bis zu neunzig Prozent zerstörte Städte wieder aufzubauen und eine völlig darniederliegende Industrie wieder in Gang zu setzen. Man sprach in den fünfziger Jahren gerne vom „Deutschen Wirtschaftswunder". Das war es ohne Zweifel, aber noch mehr war es ein seelisches Wunder, denn anstatt zu verzweifeln und zu resignieren, mobilisierten die Deutschen dieser Jahre ihre inneren Kräfte.
Der Plan Stalins, mit dem Hineinpumpen von Millionen Vertriebenen ein wirtschaftliches und soziales Chaos im freiheitlichen Teil Deutschlands zu schaffen und diesen damit reif für eine kommunistische Machtergreifung zu machen, ging nicht auf. Das ist auch einer der Gründe dafür, daß die östliche Propaganda seit den Tagen, da das Mißlingen dieses Planes offensichtlich wurde, eine Diffamierungskampagne ohnegleichen gegen die deutschen Vertriebenen einleitete, die bis heute noch nicht abgeebbt ist. Die Enttäuschung über die in sie gesetzten Erwartungen hält immer noch an. Sie wird nicht dadurch gemindert, daß willige Helfer und Helfershelfer in den bundesdeutschen Kommunikationsmedien die Hetze gegen die Vertriebenen mitgemacht und unterstützt haben. Für eine Aufbau- und Eingliederungsleistung nur Hohn und Verleumdung zu ernten, ist bitter. Aber sie wurde trotzdem vollbracht, und das stellt die Vertriebenen menschlich und moralisch immer noch auf eine höhere Ebene als jene, die sie aus ideologischen Gründen oder aus Dummheit befeinden.
E. M. (West und Ost)
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