Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 140
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Návštěva v NDR

In Chemnitz habe ich nach 35 Jahren meine Schulfreundin Mathilde Haupt (geb. Streitenberger) aufgesucht, die Freude war auf beiden Seiten groß. Trotz Größe der Stadt hatten wir die Straße bald ermittelt, denn im Auffinden von Schlaggenwaldern haben wir allmählich schon Routine.

Anschließend haben wir in Chemnitz im „Ratskeller" zu Mittag gegessen. Es gibt wenig Lokale, doch das Essen ist gut und für unsere Verhältnisse sehr billig. Leider erhalten Autofahrer nicht einmal ein kleines Bier.

Wir steuerten dann gegen Osten, passierten Dresden, Bautzen und landeten in Zittau. Dort besuchten wir die Schwiegereltern unserer Tochter. Wir hatten, wie meistens, unseren Enkel dabei und seine Großeltern freuten sich sehr, ihn einmal zu sehen. Nach 2 Tagen Aufenthalt zog es uns weiter. Wir fuhren über Landstraßen durch viele Dörfer und Städtchen und sahen mehr als auf der Autobahn. Unser nächstes Ziel war die sächsische Stadt Grimma, wo ein Sohn von Ruppert Drechsler (Zehentplatz) wohnt. Als ehemaliger Nachbar habe ich Fritz 1939 das letzte Mal gesehen, doch freut es uns immer, wenn das Erkennen kommt. Wo hat es die Schlaggenwalder alle hinverschlagen? Eine Bekannte äußerte sich unlängst bei uns: „Ich weiß nicht, Schlaggenwald war doch so klein, und wo ihr hinfahrt, habt ihr überall Bekannte." Sie konnte das nicht verstehen. Das ist aber nur durch unseren Heimatbrief möglich, der uns noch zusammenhält!

Durch Schneetreiben und Kälte mußten wir Leipzig ausklammern. Wir machten nur einen kurzen Besuch in Dresden. Nun ging es weiter in Richtung Halle, Eisleben (hier zahlten wir einmal Strafe für schnelles Fahren) nach Aschersleben, wo die meisten Schlaggenwalder in der DDR heute noch leben. Wir besuchten die Familie Alois Reif (Fleischer). Da es uns nicht vergönnt war zu Lebzeiten diesen Freund zu besuchen, haben wir halt jetzt unser Versprechen eingelöst. Frau Fanny Reif geb. Hahn (Seifertsgrün) hat uns mit ihrem Sohn und Schwiegertochter gut aufgenommen. Auf dem Weg zum Friedhof, wo sehr viele Schlaggenwalder liegen, trafen wir Frau Ziener (Schlossersgattin) in der Neustadt, dann besuchten wir einen Sohn vom Alb Bäcker, Franz Alb, Frau Hahn geb. Beck, dann Frau Wirlitsch, Leßnitzgasse, die Schwester von Frau Miesner (Maurer). Frau Wirlitsch lebt bei ihrer Tochter Betty, sie ist schon 89 Jahre und weiß noch viel von Schlaggenwald früherer Tage. Sie ist noch sehr rüstig und lud uns schon zu ihrem 90. Geburtstag nächstes Jahr ein. Weiter besuchten wir die Familien Hanisch (Turner). Leider reichte unsere Zeit nicht aus, um mit allen zu sprechen. Es sind noch zirka 40 Schlaggenwalder in Aschersleben. Beigefügt eine Liste aller noch Lebenden. Sie würden so gerne einmal einen Heimatbrief lesen.

Nach Tagen mußten wir weiter. Wir hatten ein kleines Familientreffen in Altenburg vereinbart und verbrachten Ostern dort. Bei einem Spaziergang in Altenburg trafen wir auch einen alten Schlaggenwalder Kenner, es war der ehemalige Viehhändler Lang, Schützenhäusl, der früher unsere Fleischer mit Fleisch und jungen Zickeln beliefert hat. Manche heitere Episode kam da zur Sprache.

Dann zog es uns wieder in Richtung Grenze über Zeitz—Gera—Jena mit Zwischenstation in dem kleinen Städtchen Rudolstadt. Dort stöberten wir einen alten Schlaggenwalder auf, der früher viel für Unterhaltung und Theater getan hat; es war unser Alfred Hanika (Vater - Obermaler in Fabrik) gelernter Drogist u. jetzt Besitzer einer Porzellanmalerei. Es ging ihm nicht sehr gut, er litt an Asthma und Kreislaufstörungen. Er hat uns erst empfangen, als wir sagten: Wir sind Schlaggenwalder. Doch beim Abschied bemerkte er: diese Stunde in der Erinnerung hat ihm mehr geholfen, als alle Medikamente und Spritzen. Er grüßt alle Bekannten und Freunde aus der alten Heimat. Von ihm erfuhren wir die Adresse des nächsten Schlaggenwalder, Rudi Paulus in Saalfeld. Auch dort war die Freude groß. Herr und Frau Paulus haben das Glück in nächster Zeit zu ihrem Sohn nach Offenbach

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