Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 139
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Velikonoční dopis vydavatele – Milí krajané!

Liebe Landsleute! – Osterbrief des Herausgebers

Nun haben wir schon wieder ein Vierteljahr von 1975 durchlebt. Es kann wohl keiner mit Bestimmtheit sagen, ob die Segens- und Glückwünsche, die uns gute Freunde zum Jahresbeginn geschickt haben, einen Erfolg brachten.

Wir haben alle Anlaß etwas sorgenvoller in die Zukunft zu blicken. Wohin man in den sechs Erdteilen auch schauen mag, überall gärt es. Die Menschen in Nahost, Afrika und auch anderswo werden von kriegerischen Handlungen heimgesucht. Selbst die Natur löst furchtbare Katastrophen aus. Auch die Technik vernichtet viel Leben. Es scheint als sei eine ganz besondere Plage über die Menschheit hergefallen. — „Die Unruhe". Man war sich einstmals bei vielen westlichen Völkern, deren Verbündete wir jetzt sind, einig in der Meinung, daß man die Deutschen aus dem gesamten Weltgeschehen ausschalten muß, damit der paradiesische Garten auf der Erde entstehen kann. Nun mit vereinten Kräften ist der Versuch gelungen, das Volk zu dezimieren und das Land zu teilen. Doch das Paradies wurde nie geschaffen. Aber ohne die fleißigen Bundesdeutschen hätte es aber auch keinen europäischen wirtschaftlichen Aufschwung gegeben. Von diesem wirtschaftlichen Erstarken haben wir alle einen Teil bekommen. Somit hat sich so manches anders gestaltet, als es geplant war. Nun haben wir Deutschen schon 30 Friedensjahre erleben dürfen. Aber wir Vertriebenen haben doch eine Lehre aus der Lektion des Verlassenmüssens des Heimatlandes gezogen. Wir können — wenigstens der größte Teil von uns — gut unterscheiden was man so in der Welt treibt. Welchen Wert es hat, was ein Herr Kissinger, Kossygin oder ein sonstiger deutscher Bundesminister aushandelt. Welche Vorteile, die den Fortbestand der Nation gewährleisten, verschenkt werden. Weil die aus ihrem Heimatland vertriebenen Ostdeutschen den Heimatgedanken nicht aufgeben und zäh sich gegen das Unrecht wehren, ist dieses Gefühl manchem Politiker in Ost und West ein Dorn im Auge und man ist versucht, es unterdrücken zu müssen. Wenn aber trotzdem alljährlich bei der größten friedlichen Protestversammlung zu Pfingsten sich mehrere Hunderttausend zusammenfinden, werden diese Massen von einer winzigen Minderheit als Revanchisten bezeichnet. Was heute jeder Buschmann zugestanden bekommt, das darf ein hochzivilisiertes Volk nicht fordern. Wenn ich hochzivilisiertes Volk sage, so meine ich auch die deutschen Vertriebenen, die sich doch zur deutschen Nation zählen und auch voll zugehörig fühlen, selbst wenn sie noch immer gemeinhin als Flüchtling von den rückschrittlichen Ureinwohnern bezeichnet werden. Wir müssen ein simples Wohlverhalten zeigen, sonst würde die Bärenpranke uns Mores lehren. Wenn aufrechte Männer versuchen die gespannten Verhältnisse auszugleichen, wird diesen von gewissen Presseleuten und Moderatoren Revanchismus unterstellt. Ja es ist schon eine sonderbare Welt in der wir jetzt leben.

Die 7 fetten Jahre dürften jetzt für eine Weile vorüber sein. Wir im überschrittenen Mittelalter stehenden Landsleute haben einst die Zeit der Arbeitslosigkeit gründlich kennengelernt. Eine Zeit, in der es kein Einkommen gegeben hat und die Staatsregierung nur ein Almosen für die Ärmsten hatte. Wer könnte es vergessen, der damals sich jeden Samstagvormittag den Bon von 20 Kronen für verheiratete Familien und 10 Kč für Ledige abgeholt hat. Kinder wurden nicht berücksichtigt. Wer könnte die Männer vergessen, die an den Ecken gestanden haben und hofften eine Zora von irgendjemand geschenkt zu bekommen. Wie viele Jugendliche waren darunter. Jugendliche, die ein anständiges Elternhaus erlebten und zu keinen kriminellen Handlungen bereit waren. Ist aber heute die Jugend auf derartige Zeiten vorbereitet? Was wurde ihr nicht alles versprochen? Gewiß hat man ihnen von der einstigen Notzeit berichtet. Aber wenn man satt ist und rundum Wohlstand sich ausbreitet, kann man sich kaum von dem Erzählten Vorstellungen machen. Aber

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