Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 139
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Petrolejová kahanová lampička

Die Petroleum-Funzel

Von Hugo Prasse, Mühlacker

Vor ungefähr siebzig Jahren, als man noch keinen elektrischen Strom zur Verfügung hatte und man, zum Großteil aus Sparsamkeit, die Dämmerstunde ohne Licht verbrachte, ging es im Leben nicht so hastig zu, wie in unserer heutigen, schnellebigen Zeit. Gerade in solchen Häusern, wo es Landwirtschaft gab und man mit dem Vieh nicht gerade die wenigste Arbeit hatte, fand man Zeit „vor dem Lichtanzünden", wie man so sagte, eine besinnliche Stunde zu halten. Wenn das Vieh mit Futter versorgt und gemolken war, dann kamen die Nachbarinnen aus den anderen Häusern, in denen es keine Landwirtschaft gab und holten sich die Milch, frisch von der Kuh, für den nächsten Tagesbedarf. Und so kam es, daß die Milchholer etwas länger blieben, eben so lang, bis die Tagesneuigkeiten bis in's kleinste Detail ausgetappt waren.

Damals gab es noch keine Melkmaschinen und keine Milchzentralen und man bekam bei den „Köihpritschern" eben diese Milch, welche nach dem Abkochen mit einer dicken Haut bedeckt war. Haut ist vielleicht zu wenig gesagt, sondern es war, auf echt Schlaggenwalderisch, ein richtiger, dicker „Milchplootz", den man fast wie Butter auf das Brot schmieren konnte. So ein „Plootz" hatte alles in sich was man heute schön verpackt, separat verkauft.

Als dann später die Melkmaschinen auf den Markt kamen, brachte es ein Vertreter fertig, bei einem Wettbewerb den ersten Preis zu machen. Er hat einer Frau eine solche Melkmaschine eingeredet und hat dafür deren einzige Kuh in Zahlung genommen.

Als dann die Milchholerinnen mit ihren „Milchplöschen" wieder heimgeschlurpt waren, steckte man die Petroleum-Funzl an und es gab Licht. Ein mildes Licht. Obzwar man zu der Lampe Funzl sagte, konnte man dabei gut lesen und auch Handarbeiten machen. Man kann darüber streiten, welches Licht für die Augen besser war. Das milde Licht oder die heutige, grelle Neonbeleuchtung. Damals gab es bestimmt nicht so viele Brillenträger und die meisten Leute konnten im hohen Alter noch ohne Augengläser lesen und auch noch Nähnadeln einfädeln. Die Petroleumlampe wurde tagsüber schon für den Abend hergerichtet. Der Petroleumbehälter wurde abgeschraubt und nachgefüllt. Das Dochtband wurde sauber beschnitten, damit es eine schöne Flamme gab. Dann wurde alles wieder in den Behälter eingeschraubt und der Halbmond aufgesetzt. Mit einem kleinen Transporträdchen konnte man den Docht auf größere oder kleinere Flamme stellen. Die Hauptarbeit, welche ganz vorsichtig gemacht werden mußte, war das Putzen des meist verrußten, bauchigen Glaszylinders. Das machte die Großmutter immer höchst persönlich. Das war ihr Heiligtum und wenn man sich nicht ein Kopfstück einhandeln wollte, dann mußte man den Zylinder schön in Ruhe lassen. Dieser mußte mit Seifenwasser gewaschen, mit klarem Wasser gespült und nachher sauber ausgetrocknet werden. Dazu nahm die Großmutter einen Quirl oder einen Kochlöffel, wickelte einen weißen Lappen um den Stiel und führte diesen in das Innere des Zylinders, wobei es manchmal einen Knacks gab. Lachen durfte man dabei nicht, sonst wurde einem gleich die ganze Schuld in die Schuhe geschoben. Jedenfalls war der Zylinder hin. Hatte er nur einen Sprung, konnte er vielleicht diesen Abend noch überleben. Die Reinigung für den nächsten Abend hielt er aber meistens nicht mehr aus und es mußte wohl oder übel beim Winterkaufmann, für einige Kreuzer, ein neuer gekauft werden. Je nach Größe und der Dochtbreite der Lampe benötigte man einen drei-, vier- oder fünflinigen Zylinder. Die Lampen hängte man gern in einem Drahtgestell an die Zimmerdecke, damit der Tisch frei blieb.

Die Straßenbeleuchtung bestand zu dieser Zeit auch aus Petroleumlampen in Laternenform. Diese gaben aber nur ein spärliches Licht. Liebespärchen hatten sie

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