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ging die Jagd los. Er hinter mir her und beim großen Teich lief ich querfeldein in Richtung Windhof; denn dort wohnte meine Tante, und da wollte ich unterkommen.
Aber als mir am Acker grad so ein Feldstein unter die Füße kam, hob ich ihn auf und schon sauste das Geschoß an Franzls Kopf. Da blieb er stehen, rieb sich seinen Haarschopf und machte kehrt. Auch ich lief zurück und weiter gings zur Schule.
Als nach dem Unterricht der Heimweg wieder angetreten wurde, hatte ich doch etwas Angst. Aber nicht der Franzl lauerte mir auf, sondern seine Mutter. Sie empfing mich schon von weitem mit vielen Kosenamen und sagte unter anderem: „Woart nua, du Mistvöich, mei Franzl hout an grouß'n Båtzn am Kuapf, i woar schu in da Schöll ban Lehrer u ho(b) dich uazeigt. Ich sagte: „ Häit er mia(r) niat die Birn as da Taschn gstuhln, höit ich ihn a koa Watschn gebn", und ich ging weiter meines Weges.
Am nächsten Tag war ich schon neugierig, was sich ereignen würde. Die erste Stunde nichts, die zweite auch nichts; aber in der dritten Stunde kam eine Schülerin aus der anderen Klasse und sagte: „Die Breitfelder soll zum Herrn Direktor kommen." Ich ging gleich los. Der Herr Direktor sagte: „Na, was hast Du denn angestellt?" Nichts war die Antwort. Da sagte er: „Du sollst nach der Schule zum Herrn Lehrer Schuster kommen, er wohnt im Hotel „Zum Bahnhof'. Damit wars beim Direktor Hahn erledigt. Nach dem Unterricht ging ich dann in Richtung Bahnhof. Beim Hotel angekommen, gings die Treppe hoch und vor der Tür, mit dem Taferl „Josef Schuster" machte ich halt. Mein Herzerl klopfte in der Brust, meine Finger klopften an die Tür und als ich das „Herein" hörte, stand ich auch schon vor meinem Richter.
„Bin die Breitfeldnerin aus Leßnitz, Herr Lehrer, Sie ließen mich rufen". Da sagte Herr Schuster: „Sua, du bist va Leisnitz, u ich bi(n) va Gfell. Woist wos, mia riadn mitanånder, wöi uns da Schnobl gwachsn is. Hock dich her u dazühl åmål, wos gestern af dearn Scholwech passiert is. Därfst mich owa fei niat ualöign". So erzählte ich wortgetreu, wie es kam. Als ich mit meiner Beichte fertig war, ging er zum Fenster und überlegte wohl, was ich für eine Strafe verdient hätte. Nach einer Weile kam er lachend zurück, klopfte mir auf die Schulter und sagte: „Moidal, houst fei recht ghat, lou da nua va dean lousn Bouwan nix gfålln u miark das gout, wennst 17 oder 18 Gouja bist u sie laun die nit gäih, åffa därfst va dera Watschn wieda Gebrauch måchn. Geih dean Bazi a zeitlong asn Wech u wenn sei Båtzn wieda ghalt is, hout ers a wieda vagessn.
Von da an ging mein Schulweg durch unseren Garten, der Bahnstrecke entlang, hinter dem Windhof weg am Luoserhäusl vorbei. Von hier ging ein schöner Feldweg, der zum alten Markt mündete, dann durchs Stöhrgassl und schon war ich in der Schule.
Nach einigen Tagen traf ich aber doch den Franzl im Dorf, da rief er schon von weitem: „Du, Annl, kuast schu wieda am Schöllwech geih, mei Båtzn is schu wieda wech." Und damit war der Friede wieder hergestellt. Aber ganz vergessen hatte er diese Watschn doch nicht.
Als beim Köhler nach dem Kriege aus dem Kuhstall ein Tanzsaal gebaut wurde, und die Musikanten aufspielten, da kam auch einmal der Franzl, sagte aber nicht: „Darf ich bitten", sondern „kumm, tånz ma åmål. Watschn wüll ich owa köina, löiwa a Schmatzerl." Es gab aber weder noch, nur haben wir über diese Begegnung so manchesmal gelacht und uns gut vertragen. Vielleicht würden wir das auch heute noch manchmal tun. Aber leider sind wir nach dieser unseligen Aussiedlung in alle Winde zerstreut, wie das dürre Laub im Herbstwind. So manchen lieben Dorfbewohner haben wir nicht mehr gesehen. Aber in Gedanken sind wir doch viel daheim und wenn öfters im Fernsehen die Egerländer Musikanten das „Böhmerwaldlied" aufspielen, dann singe ich ganz gerne mit, trotz meiner 71 Jahre und zwar so:
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