Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 134
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Vánoční husa

Die Weihnachtsgans

In trüben Herbsttagen, wenn am Abend die feuchten Nebel über die Stoppelfelder ziehen, wandern die Gedanken gerne zurück.

Wie schnell war doch wieder ein Sommer vorbei. Es ist Herbst geworden, auch in unserem Leben.

Ein wenig bang sieht man nun der kalten Jahreszeit entgegen. Laut Vorhersage, soll es einen langen, kalten Winter geben.

Das bekannte Sprichwort Allerha(i)ling kinnt da Schneö gahling — Allersöelln kinnt da in We(ö)ll'n — trifft Gottseidank nicht immer zu. Doch einmal war es so. Es war soviel Schnee gefallen in der Nacht, daß man am Allerseelentage am Friedhof nicht zu den Gräbern der Verstorbenen hin konnte.

Nun nehmen die Tage sehr schnell ab. Die Abende werden länger und länger. Man beginnt an das Weihnachtsfest zu denken und was damit alles verbunden ist. Alle Menschen ob jung oder alt freuen sich doch auf das Christfest. Obzwar es viele nicht wahrhaben wollen und sogar in einem modernen Stil feiern.

Mit zunehmendem Alter schwindet bei den meisten alten Leuten das Gedächtnis; doch was sich in seiner Jugend zugetragen hat, behält der Mensch und weiß noch alles ganz genau. Besonders die Weihnachtszeit bleibt jedem gut im Gedächtnis.

Heute soll es einmal ganz besonders gut duften in der weihnachtlichen Küche.

Nicht nach süßen Butterplätzchen, Lebkuchen oder Christstollen, sondern nach einem zünftigen Gänsebraten.

Nun watscheln sie wieder herum die Gänse und Enten. Es geht ihnen noch gut und der „Wotschl" hängt schon herab, denn sie bekommen das beste Kraftfutter, damit sie fett werden.

Doch bald wird auch für sie der schöne Sommertraum zu Ende sein. Hier zu Lande kommt der Abschied für das meiste Federvieh schon zu Kirchweihfesten. Oder es ist die Martinsgans am 11. November, die ihr Leben für den Festschmaus hergeben muß.

Zwar gibt es in unserer Wohlstandszeit das ganze Jahr über tiefgefrorene Gänse und Enten in den Kühltruhen der Supermärkte zu kaufen. Doch an die Gänse, die auf heimischen Fluren heranwachsen, können solche Fremde nicht heran.

Zuhause war es üblich, daß man Gänse so um Allerheiligen herum vom Dorf holte und „einstellte". In Buckelkörben wurden sie heimgetragen und besonders die Gänseriche schrien laut. Dann begann die Zeit, wo sie täglich ins Wasser getrieben wurden, damit sie schöne weiße Federn bekamen. Es war oft bitter kalt, aber die „Krüüüpl" wollten und wollten nicht aus dem Wasser heraus. Im Malzmüllerdamm wimmelte es um diese Zeit von Gänsen. Bis die alle wieder aus dem Wasser heraus waren und heimzu watschelten, hat es viel Geschrei und Kampf gekostet; denn verwechselt sollten sie auch nicht werden. Vorsichtige Hausfrauen haben ihre Gänse am Kopf blau oder rot angestrichen und sie so gekennzeichnet, damit man die eigenen besser erkannte.

In der Zech hatten wir des öfteren Gänse den Sommer über. Der Federn wegen, die für die Federbetten der heranwachsenden Kinder gebraucht wurden.

Die lieben Tierchen gewöhnten sich so an uns, daß man mit ihnen reden konnte und ihr Pallawer aufs Wort verstand. Jedenfalls kam man in ihre Nähe und rief: „Wiiiwalaa" — so reckten sie die Hälse und begrüßten uns mit lautem „Gaag Gaag".

Umso schwerer fiel es, wenn die Zeit herankam, wo sie geschlachtet werden mußten. Einmal kam ein trauriges Weihnachten. — Es war das Jahr 1945.

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