Kardinal Döpfner — 60 Jahre
Wenn der Erzbischof von München-Freising und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Julius Kardinal Döpfner, am 26. August seinen 60. Geburtstag feierte, durften die deutschen Vertriebenen als Gratulanten nicht fehlen. Die Kommentare, die zu diesem Tag in der Presse erschienen, haben hinreichend die Leistungen des Kardinals in den verschiedenen Bereichen gewürdigt. Wir Vertriebene haben dem hohen Jubilar in besonderer Weise dafür zu danken, daß er mit seinem beharrlichen Eintreten für die berechtigten Anliegen der Vertriebenen ein glaubwürdiges Zeugnis dafür abgelegt hat, daß die Kirche in Deutschland — importune, opportune — sich für die Opfer einer ungerechten Machtpolitik einsetzt.
Kardinal Döpfner redet zu unseren Landsleuten nicht vom Heimweh und macht keine billigen Trostworte. Als Bischof von Berlin hat er unmittelbar erfahren, in welche geistigen und politischen Zusammenhänge das Schicksal der Vertriebenen einzuordnen ist. Gerade darum hat er aber auch die Vertriebenen gemahnt, nicht im eigenen Leid und dem erlittenen Unrecht zu versinken, sondern in ihrem Schicksal den Anruf Gottes zu hören. Wir erinnern uns an die denkwürdige Predigt des damaligen Bischofs von Würzburg und Beauftragten für die Vertriebenenseelsorge bei der Feier des silbernen Bischofsjubiläums von Weihbischof Remiger in der Münchner Frauenkirche am 20. Februar 1955, als er eindringlich zu den Vertriebenen sagte: „Der tiefste Grund für alles Unrecht in der heutigen Welt liegt in der Entthronung Gottes." In der Ausräumung von Unrecht und Gewalt, die vor allem seit den Jahren vor und nach 1945 besonders die deutsch-polnischen Beziehungen belasten, erblickte der Kardinal immer eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche in Deutschland, bei der aber die Mitwirkung der Vertriebenen unerläßlich ist.
Aber im Gegensatz zu jenen, welche schon eine politische Entspannung als Versöhnung der Völker bezeichnen, und im Gegensatz zu jenen, die angesichts des unübersehbaren Unrechts der Hitlerzeit gegenüber dem polnischen Volke zu einer unübersehbaren Wiedergutmachung bereit waren und dabei die Augen vor den verletzten Menschenrechten der deutschen Vertriebenen verschlossen, hat Kardinal Döpfner immer klar gesehen, daß eine dauernde Versöhnung der Völker nur auf dem Fundament von „Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit" möglich ist, wie es Johannes XXIII. in seiner großen Enzyklika „Pacem in terris" vor 10 Jahren feierlich bestätigt hat.
Wenn manche Vertriebenen gelegentlich über die vorsichtig abwägenden Worte des Kardinals enttäuscht waren, so haben sie übersehen, in welch schwieriger Lage er sich als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz immer wieder befand. Polnische Katholiken und Bischöfe drängten seit Jahren auf Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als westpolnische Grenze. In dem überlauten Chor der polnischen Stimmen war kaum zu unterscheiden zwischen sowjetrussischen und großpolnisch-nationalistischen Forderungen und den Vorstellungen jener, die im christlichen Geiste in Czenstochau das große Wort der Versöhnung: „Wir vergeben und bitten um Vergebung!" gesprochen haben. Dann forderten die Denkschrift der EKD und maßgebende evangelische Kreise die unter Berufung auf das Unrecht der Hitlerzeit und die christliche Pflicht zur Versöhnung die Vertriebenen zum freiwilligen Verzicht auf ihre Heimat auf. Das Bensberger Memorandum versuchte, auch die deutschen Katholiken in dieselbe Richtung zu drängen. Außerdem wollten viele nach dem berühmten Briefwechsel zwischen polnischen und deutschen Bischöfen rasche Erfolge sehen.
Dann begann die Propaganda für die „neue Ostpolitik" unter dem Stichwort „Versöhnung". Kardinal Döpfner selbst war es, der bei einem Gespräch mit polnischen Katholiken sich dagegen wehrte, die Gegner der Ostverträge als schlechte Katholiken
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