Rettet Weihnachten!
Liebe Landsleute!
In den rückliegenden Jahren war es Tradition geworden, daß Herr Weihbischof Kindermann, dem die Seelsorge an den heimatvertriebenen Sudetendeutschen übertragen war, zum Weihnachtsfest und zur Jahreswende ein wegweisendes Wort in den Heimatblättern an unsere Landsleute richtete. Unser Weihbischof ist schwer krank und kann seit Monaten seine Aufgaben nicht mehr erfüllen. Wir empfehlen diesen um unsere Volksgruppe hochverdienten Mann Eurem Gebet. Uns, seinen engsten Mitarbeitern, obliegt nun die Aufgabe, sein Werk Königstein zu erhalten und in seinem Geiste weiterzuführen. Die Leitung des sudetendeutschen Priesterwerkes, in dem mehr als 1000 sudetendeutsche Priester zusammengeschlossen sind, wurde mir übertragen. Ich wurde gebeten, das folgende weihnachtliche Wort zu schreiben.
Es soll ein priesterliches Wort sein:
Weihnachten ist ein christliches Fest, dessen Mitte und Inhalt Christus ist, der in der Fülle der Zeit zu unserem Heil gekommen und Mensch geworden ist. Für den Glaubenden ist es gnadenreiche Gegenwart, für den Hoffenden beglückende Zukunft: Christus ist gekommen, er kommt und wird wieder kommen.
Diesem Weihnachtsfest, dessen Mitte also Christus ist, droht eine doppelte Gefahr. Die Gefahr von außen, der Trubel und die Hektik im Advent und in den vorweihnachtlichen Tagen, die jede Besinnung und Bereitung erschlägt. Die Sorge um Weihnachtsgratifikation und Pflichtgeschenke, die allgemeine Säkularisierung des Lebens, die Christbaum und Krippe zur Weihnachtsdekoration eines unchristlichen Festes macht. Die Gefahr von innen, wenn das Weihnachtsevangelium zur Legende oder zum Mythos umgedeutet wird, wenn selbst in manchen Kirchen die Weihnachtspredigt voller Skepsis und exegetischer Abstriche nicht mehr die frohe Botschaft von der Menschwerdung des Sohnes Gottes ist. Deshalb meine Mahnung an alle, die diese Zeilen lesen, haltet Euch schlicht und einfach an das, was der Evangelist Lukas im 1. und 2. Kapitel seines Evangeliums über die Geburt unseres Herrn berichtet, allen verständlich, oder was der Evangelist Johannes im Prolog seines Evangeliums in gehobener Sprache sagt:
„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater voll der Gnade und Wahrheit."
Dies aber ist der Glaube und die Lehre der Kirche, wie nun katholische und evangelische Christen im ökumenischen Glaubensbekenntnis beten: „Ich glaube an Jesus Christus, der empfangen ist durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria."
Damit ist ausgesprochen, was christliche Weihnachtsbotschaft ist:
Jesus Christus ist ohne Zutun des Mannes von der Jungfrau geboren. Gott wollte sichtbar machen, daß unser Heil von ihm kommt und nicht von den Menschen. Er wollte sichtbar machen, daß Jesus geboren wurde als Mensch ohne irdischen Vater, als einzigartiger Mensch und daß er damit heraustrat aus der Unheilsreihe der Geschlechter. Es hat Gott gefallen, ihm eine Mutter zu geben, die Mutter wurde und Jungfrau blieb. Deshalb preist sie die
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