Erinnerungen an die Botenfrau von Schlaggenwald
Wenn in den vergangenen Jahren im Heimatbrief der verschiedensten Berufe aus der alten Heimat gedacht wurde, so sei heute einmal mit diesem Artikel der „Botenfrauen" gedacht.
Wer erinnert sich noch an diese?
Zwei- bis dreimal in der Woche gingen bzw. fuhren diese Frauen nach Karlsbad, um dort auftragsgemäß die verschiedensten Besorgungen zu machen. Wer würde wohl heute noch eine solche Tätigkeit, unter den damaligen Umständen, auf sich nehmen. Soviel ich mich noch an meine Kindheit erinnern kann, waren es Frau Kollmer von der Neuen Straße und Frau Hahn vom Unteren Graben, die diese Besorgungen ausführten. Am frühen Morgen zogen sie los und kehrten am späten Abend vollbepackt mit den verschiedensten Dingen wieder heim. Sie trugen ihre schwere Last am Rücken, bestimmt eine strapaziöse Arbeit. Was hatten sie alles zu besorgen, denn damals waren es schon verschiedene Dinge, die man in Schlaggenwald eben nicht kaufen konnte. So waren u. a. Artikel aus dem Sanitäts- bzw. Reformhaus, seltene Medikamente, oder war in einem Trauerfall schnell ein Kleidungsstück umzufärben (was wohl heute überhaupt nicht mehr gemacht wird), oder etwas in die Reinigung zu bringen, oder für ein besonders schönes Kleid Plisseearbeit anzufertigen und Knöpfe zu überziehen usw. Alle diese Sachen und noch vieles mehr besorgten diese fleißigen Frauen.
Mein Vater, der im Sommer in Karlsbad im Hotelgewerbe tätig war, schickte auch meistens etwas mit nach Hause, war es eine gute Mehlspeise aus dem Hotel, ein bißchen Honig oder ein auserlesenes Obst, mit dem er mir eine Freude machen wollte. Heute kann man sichs ja nicht vorstellen, wie man sich damals über so etwas freute. Das Päckchen wurde immer mit Spannung ausgepackt.
Ich weiß noch genau, daß ich dann abends immer zur Frau Hahn ging, um die Sachen abzuholen. Meine Tante sagte dann immer:
„Gehst amal za da Biate (Botin). Manchmal mußte ich diesen Weg zweimal gehen, denn sie war zur vorgesehenen Zeit nicht heimgekommen. Hatte sie doch in der Stadt den ganzen Tag herumzulaufen, um alle Aufträge auszuführen. Ich wunderte mich manchmal, wenn sie auspackte, wie sie das alles so geschafft und nichts vergessen hatte. Ich bin sehr oft dagewesen, denn meine Tante, die damals eine Schneiderei betrieb, mußte oft ihre Dienste in Anspruch nehmen.
Beide Frauen sind längst schon tot. Ich wollte mit diesem Artikel einmal die Erinnerung an ihre Tätigkeit ins Gedächtnis zurückrufen.
Ich grüße auf diesem Wege alle meine lieben Freunde und Bekannten.
Anni Zimmerhackl geb. Veit
Studienanfänger
Ehemalige Prager Studentenverbindung in München bietet billige Zimmer in Uni- und TU-Nähe.
Anfragen an: Gerhart Löbl, 8000 München 40, Adalbertstraße 41 / Rückgeb.
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