Es gab keinen Gansbraten! Alle Gänse hatten die Tschechen beschlagnahmt. Auch die letzte wurde den Bauern abgenommen.
Die meisten Männer waren eingesperrt in den Lagern. Viele Familien ohne Vater. Auch uns hatte das traurige Los getroffen.
Von nun an erlebten wir andere Weihnachten.
Da wir unsere alte Heimat verlassen mußten, blieb uns nur in der neuen Welt wieder festen Fuß zu fassen. Es war nicht leicht. Es gab noch schlechte Jahre, aber die Weihnachtsgans, wurde, wenn auch schwer wieder organisiert. Einmal fütterten wir sogar zwei und hatten unsere Freude daran.
Wie groß war deshalb unser Schrecken, als wir das Gänseställchen offen fanden und die Ausreißer waren zum Hoftor hinaus. Wir wohnten damals in der Bachgasse. Das ganze Haus beteiligte sich beim Suchen. Ich weiß nicht wie oft ich den Hl. Antonius um Hilfe anflehte, in meiner Not. Auf den Behältererweihern waren sie auch nicht. Jeder rannte in eine andere Richtung und das Befragen nahm kein Ende. So kriegten wir doch heraus, daß zwei Gänse die Dornbacherstraße raufgegangen sind. Wir hinterher. — In einem Hof entdeckten wir dann eine Herde Gänse und o Wunder die unseren mitten drin. Aber wie bekamen wir sie heraus und wie beweisen, daß es die unseren waren? — Da fiel mir mein bewährter Ruf ein: „Wiiiwaala!" Sofort meldeten sich die Ausreißer, kamen aus der Herde heraus und wir zogen überglücklich mit ihnen heim.
Hier ist der Gänseruf etwas anders. Man sagt: „Wiii — Wiii — Wiii!" Eben andere Länder andere Sitten. —
Als wir jung verheiratet waren, aßen wir einmal eine ganze Gans am 1. Feiertag ratzeputz auf. Die Nascherei fing schon während des Bratens an. Zu Mittag aßen wir erst einmal richtig bis wir nicht mehr konnten. Gegen Abend, als die Ganspfanne wieder in der warmen Ofenröhre stand, kam schon wieder ein G'lusterer. So wurde Stück um Stück herausgefischt und einfach so gegessen. Als dann nur noch das Gerippe war, haben wir das auch noch abgebaanlt. Was es am 2. Feiertag dann zu Mittag gegeben hat, weiß ich heute nicht mehr, wahrscheinlich die Reste vom Hl. Abend. Aber dieser Gansbraten schmeckt uns heute noch.
Freuen wir uns daher auch jetzt wieder auf den Weihnachtsgansbraten auf unsere Knödel und Sauerkraut. Denn eine gut gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes. Ebenso das vielbegehrte Gansfett. Wie gut schmeckte uns Kindern ein gansfetternes Brot. Oder der gute „Baanschnitz"; das war ein Stück Brot auf der Herdplatte geröstet, mit Knoblauch eingerieben und dann Gansfett darauf.
Heute sagt man Toastbrot und röstet im Toaster — obs besser schmeckt?? — Freuen wir uns also aufs Weihnachtsfest. Auch wir Alten erhoffen uns noch ein Geschenk unterm Christbaum, nachdem wir für Kinder und Enkel Christkind gespielt haben.
In aller Beschaulichkeit unserer Weihnacht wollen wir nicht vergessen unseren Herrgott — der unser Schicksal, doch wieder in gute Bahnen lenkte — ein herzliches „Dankeschön" zu sagen.
Anna Neidhart
Der Witz des Tages!
Eine Familie aus dem Rheinland verbrachte mit ihrem kleinen Fritz ihren Urlaub in Bayern. Auf einem Spaziergang stöberte der Junge im Walde ein Liebespaar auf.
Der Kleine schrie: „Vatti, das sind doch keine Rheinländer." „Ja warum denn", sagte der Vater, da meinte der kleine Fritz: „Die Schunkeln ganz anders!"
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