Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 131
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Gebauerova jalovcová šťáva (inzerát)

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Johann Gebauer, Inh. Bruno Weber
Wachholderbeersaftbrennerei
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Slavkovská „léčivá voda" a lstivý vnuk s nemocnýma očima

Meine Großmutter schaute mich durch ihre Nickelbrille musternd an. Diese Blicke fürchtete ich ganz besonders, denn sie verhießen nichts Gutes, wenn sie von einer Sache nicht überzeugt war. Das Rinnsal floß so hurtig daher, daß es wirklich den Anschein hatte, es sei einer Quelle entsprungen. „Meinst du wirklich, daß es das Wasser ist?" Nun freilich war es Wasser. Ich wußte aber, daß es Schneewasser war.

Aber ich hatte es satt, an der Seite dieser großen starken Frau dahinzuwatscheln, um etwas zu finden, was ich nicht kannte und auch nicht wußte, wo ich es suchen sollte, aber es unbedingt finden mußte.

Nachdem ich ihre Frage mit heftigen Kopfnicken bejaht hatte, hockte sie sich nieder und schöpfte mit einem mitgebrachten Blechnapf das Wasser in die Kanne. Gestrichenvoll füllte sie die „Blesch". Das Wässerlein floß ganz schön mit Gemurmel daher. Es hatte sich ein ganz schönes Bettchen gegraben und man konnte tatsächlich der Annahme sein, es sei eine Quelle in der Nähe. Nun hatten wir eine Blesch voll Seifertsgrüner Wasser, obwohl wir die Seifertsgrün gar nicht berührt hatten, denn wir befanden uns unweit vom Wiesenthal-Wirtshaus. Aber dahinein würde die Großmutter nie gegangen sein, um eine Kleinigkeit zu verzehren. Sie kannte diese Gegend überhaupt nicht. Umso besser, als Kinder war uns das Wiesenthal nie unbekannt und das umliegende Gelände wurde gerne durchstreift. Ich war wieder froh, denn jetzt ging es heimwärts und ich freute mich darauf, die selbstangefertigten Toatschen meiner Großmutter gegen die nassen Schuhe zu tauschen. Die „Blesch" trug jetzt die Großmutter, diese wäre auch etwas zu schwer für meinen Bubenarm gewesen. Vielleicht war es auch die Umsicht meiner Großmutter, die sie veranlaßte, die Kanne mit dem Wasser selbst in ihre Obhut zu nehmen. Ich hätte ja unterwegs fallen können und das kostbare Naß wäre verloren gewesen. Auch war ich froh, daß sie die Kanne gut heimgebracht hatte, denn ein zweites Mal hätte ich vermutlich dieses Rinnsal nicht mehr gefunden und dann wäre ich schön dagestanden. Trotzdem fühlte ich mich jetzt in meiner Protestaktion gar nicht wohl.

Daheim angekommen wurde die „Blesch" in einen großen irdenen Topf gelehrt. Diesen hatte ich einige Tage vorher beim Schellhorn-Töpfer von der Oberen Hub geholt. Sie hatten zwar noch einige irdene Töpfe, die einmal ein herumziehender Drahtbinder kunstgerecht eingebunden hatte. Jahrelang hielt so ein Draht eingefaßter Topf aus. Damals konnte man sich halt nicht so schnell von einmal im Leben erworbenen Etwas trennen. Also kam mein Wasser in den neuen Topf, weil die Großmutter zu den schon recht gebrechlichen anderen Geschirr kein rechtes Vertrauen mehr hatte. Außerdem hatte der neue Topf einen Deckel. Es konnte da nichts Unrechtes hineinfallen oder gar etwas von dem Wasser zu einem anderen Zweck verwendet werden.

Jetzt begann die Prozedur meiner Augenbehandlung. Jeden Morgen mußte ich 1/4 Stunde früher aufstehen. Auf einer mir gehörenden Lade stand ein irdenes Töpfchen mit gewärmten Augenwasser. Nach einiger Zeit hörte ich, wie die Großmutter dieses Wasser dem Topf entnahm, um es zu wärmen. Das Geklapper des Deckels war nicht zu überhören und blieb mir noch lange danach im Sinn. Ich mußte mit einem Leinenfleck die Augen tüchtig auswaschen. Sie stand dabei und prüfte, ob ich diese Augenwäscherei auch intensiv ausführte. Die ersten Male war es mir nicht sehr angenehm, denn das Wasser war sehr heiß und es blieb ja nicht nur an und in den Augen. Es rann in kleinen Rinnsalen über die Backen und auf andere Körperteile. Aber allmählich gewöhnte ich mich an die Augenwäscherei. Zu jeder Tageszeit wurde ich ermahnt, die Wäscherei auszuführen. Es war später gar nicht unangenehm, das warme Wasser in den Augen zu spüren, und das sanfte Streicheln mit dem Leinenlappen über die Augen wurde von Mal zu Mal angenehmer. So führte ich denn die Waschungen meiner Augen stets in einer längeren Zeit aus, wobei die Großmutter wohl gedacht haben mag, daß ich sehr interessiert an der Heilung meiner Augen sei. Ich aber wußte, daß ich kein heilendes Wasser benutzte. Nun, es mag sein wie es will, meine Augenentzündung wurde immer erträglicher. Sichtbar trat auch die Heilung ein. Auf was es zurückzuführen war, wäre ich heute noch neugierig.

Wahrscheinlich war es die dauernde Wärme des Wassers, die meine Augen benetzten, Seifertsgrüner Wasser habe ich jedenfalls nicht verwenden können, denn ich hatte ja den Bach nie erreicht. So konnte ich auch nicht recht an die weitere Wirkung des Heilwassers glauben, das noch in einer ganz schönen Menge in dem irdenen Topf vorhanden war. So dachte ich dauernd nach, wie ich mich allmählich der Beschäftigung des Augenwaschens entziehen könnte. Sollte ich den schönen neuen Topf von dem Wasser befreien? Aber wie? Ihn von seinem Standort auf der Geschirrbank herunterstoßen? Nein das ging denn doch nicht. Da kam mir doch ein Einfall. Ich tat zu jeder nun folgenden Waschung einen Schöpflöffel mehr Wasser aus dem Topf. Auf die Frage der Großmutter, weshalb ich denn noch Wasser zugießen würde, sagte ich: „Du hast halt das Wasser etwas zu heiß werden lassen und da tue ich etwas kaltes dazu. So an die vier Wochen habe ich die Heilung meines Augenleidens betrieben. Als es Frühling im Lande wurde — denn es kam langsam der Mai heran — da waren auch meine Augen wieder gut. Und seit dieser Zeit hatte ich, außer einmal einem Gerstenkorn, keine Beschwerden mehr.

In den späteren Jahren habe ich den Ursprung des Seifertsgrüner Baches einmal genau erkundet. Ein Teil des Wassers kam vom Dechantteich, der zwischen der Mulde nach dem Höhenzug zwischen Glockenberg und Wiesenthal lag. Ein anderes Rinnsaal kam aus der Richtung des Wiesenthal-Wirtshauses. Wo aber die Heilquelle entsprang, haben wir nicht herausgefunden. Nur entdeckten wir, daß das Brauhaus mit diesem Wasser versorgt wurde. Das verleitete uns oftmals, dem Herrn Kirchner das Wasser auf unsere Art abzustellen. Wir bauten einfach die Holzschächte mit Wasenstücke zu. Wie oft haben wir ihn seine Wasserröhren abgehen sehen, bis er entdeckt hatte, was böse Buben wieder einmal angestellt hatten.

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