Soldaten ehren Hubschrauber-Opfer
Einheiten des Bundeswehrstandorts Degerndorf, die Brannenburger Bergwacht, zahlreiche Bergsteiger aus Rosenheim, dem Inntal, aus Hausham und dem Leitzachtal fanden sich auf der Soinhütte am Wendelstein zu einer Gedenkfeier für die vor einem Jahr tödlich verunglückten Bergsteiger Helmut Häuser, München, und Renate Ritzinger, Hausham, ein (Helmut Häuser ist der Sohn von Erich und Anna Häuser, geborene Krebs, aus Schlaggenwald, jetzt 8 München 50, Allacher Straße 307). Die beiden jungen Bergsteiger wurden kurze Zeit, nachdem sie sich im Wendelsteingebiet kennengelernt hatten, von einem amerikanischen Hubschrauber getötet. Für einen Erweiterungsbau der 1600 Meter hoch gelegenen Soinhütte hatte die Bundeswehr Unterstützung durch die Amerikaner erhalten. Für den schwierigen Materialtransport wurde neben Mulis und Haflingern auch ein amerikanischer Hubschrauber vom Typ „Sikorsky" eingesetzt. An jenem Unglückstag, dem 28. August 1968, hatte der Hubschrauber die Soinhütte schon mehrfach mit Baumaterial vom Standort Degerndorf aus angeflogen. Renate Ritzinger und Helmut Häuser, die neben der Soinhütte kurze Rast einlegten, schauten dem Manöver zu. Nach Augenzeugenberichten kam die Maschine plötzlich ins Trudeln und mußte auf einem Fels notlanden. Der Heckrotor erfaßte die beiden Bergsteiger.
Bei der Gedenkfeier für die Verunglückten wurde die Bundesflagge neben der Diensthütte von den Soldaten auf halbmast gesetzt. Der Standortälteste und Kommandeur des Gebirgspionierbataillons 8, Oberstleutnant Hermann Köberl, betonte in seiner Ansprache, daß es dem Standort Degerndorf eine Herzensangelegenheit sei, diesen Jahrestag nicht vorübergehen zu lassen, ohne der beiden Toten in dieser Form zu gedenken. Alle waren zutiefst betroffen, als sie von dem schrecklichen Geschehen erfuhren. Am meisten wohl die Piloten des amerikanischen Hubschraubers, die gerade noch notlanden konnten und die, selber den Tod vor Augen, den Tod der beiden jungen Menschen erst bemerkten, als sie ihre Maschine verlassen hatten. Den Angehörigen der beiden Toten, die ebenfalls zur Gedenkfeier gekommen waren, sprach Oberstleutnant Köberl seine tiefe Anteilnahme aus.
Der Leiter der Degerndorfer Standortverwaltung, Regierungsamtmann Franz Wanninger, schilderte den 250 Teilnehmern dieser Feier nochmals die Geschehnisse des 28. August 1968, die er selber miterlebt hatte. Anschließend enthüllte Wanninger die Gedenkstätte an einem Felsblock, die von den Gebirgspionieren in Obhut genommen wird.
Oberstleutnant Köberl und Amtmann Wanninger legten an der Gedenkstätte Latschenkränze nieder. Auch die Angehörigen schmückten den Gedenkstein mit Blumen. Die Bergmesse zelebrierte Pfarrer Stempfle-Jauer aus Brannenburg. Der Geistliche erinnerte in seiner Predigt an die Vergänglichkeit alles Irdischen. An der Gedenkfeier, die vom Flintsbacher Bläserquartett mit Chorälen aus der Haydn-Messe umrahmt wurde, nahmen Oberst a. D. Hermann Weyrauther, Bürgermeister Anton Feicht, Degerndorf, Bürgermeister Lorenz Unker, Brannenburg, Hauptmeister Fritz Rädlein von der Landpolizeistation Brannenburg und Diplom-Ingenieur Ernst Poehlmann von der Wendelsteinbahn als Ehrengäste teil. Die Wendelsteinbahn hatte anläßlich der Gedenkfeier Sonderzüge eingesetzt.
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(Dieser Bericht wurde dem „Rosenheimer Anzeiger" vom 2. Sept. 1969 entnommen.)
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