Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 112
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Život ve Gfellu – ohlédnutí za děním ve vsi (9. pokračování)

Das Leben in Gfell – Ein Rückblick auf das Dorfgeschehen (9. Fortsetzung)

Das Leben in Gfell

Ein Rückblick auf das Dorfgeschehen

Von Emma Schuster †, Gfell/Kaufbeuren-Neugablonz

9. Fortsetzung

Am 28. Juli 1914 erfolgte die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, gerade am Annafest-Sonntag. Mein Vater war damals Gemeindevorsteher. Ich kann mich noch gut erinnern, wie an jenem schicksalsschweren Tag eine Kutsche mit zwei Beamten von der Bezirkshauptmannschaft Elbogen im Hofe einfuhr. Mein Vater sagte zu uns: „Jetzt ist der Krieg da." Die Beamten brachten den Einberufungsbefehl für die aktiven Soldaten und die ersten Reservisten. Wir waren ganz erschrocken. Trotzdem feierten die Einberufenen dieses Annafest bis zum frühen Morgen. Manche gingen gar nicht erst heim; sie ließen sich das Köfferchen zu uns ins Gasthaus bringen. Nach der ermutigenden Verabschiedung durch den ersten Gemeinderat Franz J. Lenk schritten sie hinaus auf die Straße und riefen: „In vier Wochen sind wir wieder daheim!"

Es kam aber leider ganz anders. Weitere Einberufungen folgten, sogar die Männer bis zum 50. Lebensjahre wurden eingezogen und die Jüngsten mit 18 Jahren assentiert. Es kam zur Einführung von Lebensmittelkarten und zur Bewirtschaftung von Rauchwaren, Schuhen und Textilien. Die Getreideernte mußte abgeliefert werden. Aus Polen trafen jüdische Flüchtlinge ein, die im Saal des Gasthauses Schuster untergebracht wurden. In Schlaggenwald richtete man im Frühjahr 1915 ein Reservelazarett ein, das aber im Herbst desselben Jahres wieder aufgelassen wurde. Der Lebensmittelmangel stieg ins Unerträgliche, das Brot war mit Kartoffeln und Maismehl vermengt, es gab nur Ersatzbier. Im Jahre 1917 mußte man, um die große Lebensmittelnot etwas zu lindern, Dorschen und Rüben an die Bevölkerung ausgeben. Die Städter überfluteten die Dörfer, um Nahrungsmittel zu hamstern. Im Jahre 1918 kam es in Schlaggenwald infolge der katastrophalen Lebensmittelknappheit zu einer Revolte.

Die Behörde ordnete auf den Dörfern Hausdurchsuchungen an, die vom Kriegsgetreidekommissar Weidl (Federer) mit Militärhilfe durchgeführt wurden. Auf diese Weise wurde auch der Bedarf für Gfell gedeckt. An der Aktion der Kinderlandverschickung nach Ungarn beteiligte sich Gfell nicht. Doch gingen einige junge Mädchen wegen der besseren Lebensverhältnisse nach Ungarn in Stellung, kamen aber gleich nach Kriegsende wieder zurück. Im Herbst 1918 brach noch eine Grippeepidemie aus, die auch in Gfell ihre Opfer forderte. Trotz des heldenmütigen Kampfes unserer Soldaten, trotz der gezeichneten Kriegsanleihe und der Aktion „Gold gab ich für Eisen", endete der Erste Weltkrieg mit der Niederlage der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn. Gfell hatte 25 Gefallene zu beklagen, ein hoher Blutzoll im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl (siehe 62. HB, Seite 19). Ihre Namen wurden auf dem Kriegerdenkmal verewigt, das im Jahre 1924 zur Aufstellung kam. An die feierliche Enthüllung werden sich gewiß noch viele Gfeller erinnern. Geschaffen hat das Denkmal der Bildhauer Herzog in Schlaggenwald. Unter den Gefallenen befanden sich drei Intellektuelle: Gutsverwalter Karl Fechter, Oberlehrer Karl Heß und Bürgerschullehrer Adolf Heß.

Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns wurde am 28. Oktober 1918 in Prag die tschechoslowakische Republik ausgerufen, in die man das sudetendeutsche Siedlungsgebiet widerrechtlich einverleibt hat. Aus diesem Grunde kam es am 4. März 1919 in allen größeren Städten des Sudetenlandes zu Demonstrationen der sudetendeutschen Bevölkerung. In diese friedlichen Willenskundgebungen krachten die Schüsse der tschechischen Soldateska. Es gab Tote, die ersten Opfer für das sudetendeutsche Heimatrecht. Zwar hatte die erste tschechoslowakische Republik eine demokratische Regierungsform, doch waren die Deutschen in nationaler und wirtschaftlicher Hinsicht benachteiligt. Die alte österreichische Währung wurde

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