1. Mai 1921 in Schlaggenwald
Das obige Bild zeigt uns die Maikundgebung 1921 am Marktplatz in Schlaggenwald. Seit dieser Veranstaltung sind 45 Jahre vergangen, also fast ein halbes Jahrhundert. Viele Teilnehmer der damaligen Kundgebung leben nicht mehr. Die Rednertribüne befand sich unterhalb des großen „Röhrkastens" am oberen Marktplatz. Die Kundgebungsteilnehmer, darunter die Mitglieder des Arbeiter-Turn- und Gesang-Vereins Schlaggenwald, kamen mit der Musikkapelle an der Spitze zum Marktplatz marschiert. Die Sänger versammelten sich auf der Tribüne und trugen zur Umrahmung der Feier einige Lieder vor.
Am Glockenberg verkündeten Böllerschüsse weithin den Feiertag der Arbeit, zu dem der 1. Mai von der Arbeiterschaft aller Länder bestimmt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg haben unter dem Druck der erstarkten Arbeiterbewegung die meisten europäischen Staaten den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag erklärt. Die Parolen, die bei der Maifeier 1921 in Schlaggenwald auf den mitgeführten Tafeln zu lesen waren, lauteten: „Hoch der 1. Mai", „Nie wieder Krieg!", „Gegen Militarismus, Völkerverhetzung und Kriegsgefahr", „Für die Sicherung des materiellen Aufstieges der Arbeiterklasse!" Leider konnten diese gutgemeinten Parolen weder die Wiederaufrüstung noch den Zweiten Weltkrieg verhindern. Noch schrecklicher ist die Tatsache, daß im kommunistischen Machtbereich der 1. Mai heute mit Militärparaden und der Vorführung der neuesten Vernichtungswaffen gefeiert und so der Sinn dieses Tages in sein Gegenteil verkehrt wird.
Im Hintergrund des obigen Bildes sehen wir links die „Broutbänk" und anschließend das Haus des Bäckermeisters Anton Weidl. Heute sind diese Gebäude verschwunden, verschwunden sind aber auch die einstigen Bewohner von Schlaggenwald, die man aus ihrer angestammten Heimat gewaltsam vertrieben hat. Es wäre gut, wenn in der freien Welt auf den Maifeiern unserer Zeit gegen die verbrecherische Vertreibung ganzer Volksgruppen die Stimme erhoben würde. Denn der Sinn des 1. Mai lag und liegt doch darin, an diesem Tag für das Wohlergehen, für die Freiheit und für das Recht aller Menschen zu demonstrieren.
Marterer
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