Humor der Heimat
Spendabel. Der Lenzer-Gustl war mit seiner Karlina beim Langreuther Feuerwehrgautag. Auf einmal ruft der Gustl, nachdem er sich bei einem Bierausschank etwas länger verweilt hatte:
„Jassas, ma(n Aolta is weg! Ma(n Aolta is weg!"
Da tröstete ihn der Görgl von Kleinreuth:
„Tou dich niat o(b! Wos gäihst denn sua af? — Ich gi(b dir die mei(n, ohne an Kreuza Göld!"
Die richtige Medizin. In einer Apotheke verlangte ein Mann ein Mittel gegen furchtbaren Husten. Der junge Apotheker gab ihm ein Fläschchen mit Rizinusöl. Wie der Mann bei der Türe draußen war, sagte der alte Apotheker: „Aber Herr Kollege, sie haben doch dem Mann etwas Falsches gegeben!" — „Na(n, na(n," sagte der junge Apotheker drauf, „dös woar scho s' Richtigha! Wenn dear dös Rizinusöl astrinkt, wiard ear sich höi(t)n, nuch amaol stark zan houstn".
Mammaaa!
Bei der „humanen" Aussiedlung aus der Heimat im Jahre 1946 geschah gar manches, oft ganz unverhofft. Eine Königswerther Familie wollte auf ihren Besitz einer größeren Anzahl von Reichsmarkscheinen nicht verzichten und sann darüber nach, wie sie es am besten begehen könne, dieses Mehr an Reichsmarkscheinen durch die gefürchtete Kontrolle zu bringen. Das dreijährige Töchterlein, s' Annerl, spielte gerade mit seiner Docke (Puppe), die da plötzlich nach einer bekannten Bewegung „Mammaaa!" rief.
Und schon wußten die besorgten Eltern, wie sie es wagen könnten. Sie nahmen die Docke, stopften deren Lederbalg mit dem Zuviel an Reichsmarkscheinen aus und belehrten das kleine Annerl, der Puppe eine „gute Mamma" zu sein, auch wenn sie während der ganzen Reise nicht mehr „Mammaaa!" rufe. Klein-Annerl liebkoste seine Docke und zeigte größtes Verständnis für den Wunsch seiner Eltern.
Im Lager zu Falkenau mußte die Familie alle ihre Habe dem gestrengen Kommissar vorzeigen, was bei aller Umständlichkeit rascher vonstatten ging, als man erwartet hatte.
Der tschechische Kommissar, der auch etwas deutsch radebrechte, fragte da die Kleine, die ihre Puppe nach vorheriger Anweisung der Mutti krampfhaft festhielt: „Kann sich deinä Puppä ‚Mammaa!' sagän?"
Prompt gibt die Kleine zur Antwort: „Schreit nimma ‚Mammaaa!', Mamma Mark ei(n)dsteckt!"
Die besorgten Eltern waren über die Mitteilsamkeit des Annerl nicht wenig erschrocken, doch der Kommissar war der Meinung, daß das Kind stottere, tätschelte die Puppe und meinte: „Du habän gutäs Mammaaa!"
Das Annerl drückte seine Puppe noch fester an sich, lief schnell weiter und rief nochmals zurück zum Kommissar: „Schreit nimma ‚Mammaaa!', Mamma Mark ei(n)dsteckt!"
Der Kommissar antwortete schmunzelnd: „Du habän gutäs Mammaaa!"
Josef Weitzer
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