Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 94
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Mezihra v Horním Slavkově (úryvek z románu Ernsta Franka)

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hieß."

„Da hast du schon recht gehört, Ursula", bestätigte Stephani. „Doch haben die Sprüche erst einen Wert, wenn ihre Sprecher auch nach ihnen leben und sie zu verwirklichen die Kraft haben.

Der Pater kommt öfter zu uns auf Besuch. Er ist ein ehrwürdiger Herr. Wer wollte es dem Greise, wenn er in das erste Stockwerk zu uns hinaufsteigt, ansehen, daß er schon 112 Jahre zählt?"

„Hundertzwölf Jahre?" staunte Ursula.

„Du hast recht gehört, hundertzwölf Jahre. Er ist der älteste Mann weit und breit und hat das Recht, Ratschläge zu erteilen. — Doch wäre Altwerden allein noch kein Verdienst", setzte er zu sich selber sprechend, fort, unterbrach sich jedoch, als er merkte, wie aufmerksam ihm Ursula folgte.

Da ging eine Bewegung durch die harrende Menge. Der Priester war im Rathaustore erschienen, die Menge bog das Knie, die Weiber fingen laut zu beten an, das Reden verstummte auch bei den ferner Stehenden und nun brachten zwei Büttel den Bettler daher. Zwei kleine Gottesdiener traten vor den Priester hin, ein Kreuzträger gesellte sich zu ihnen und sie und der Priester begannen von dem Rathaustore hinweg bergwärts auszuschreiten. Die erstarrte Menge atmete wieder neues Leben, die Büttel schlossen sich, den Bettler in ihrer Mitte, in einiger Entfernung dem Priester an, die Ratsherren folgten ihnen mit Abstand, der Richter mitten unter ihnen, der Rektor, der Doktor, der Organist, der Spittelpriester, der Kämmerer, der Stadtbaumeister, der Umgelder, der Bergmeister, Berggeschworene und Bergleute, die Ratsbediensteten und die Angestellten der Herrschaft, die Zünfte und Schützen im gewichtigen Schritt und endlich die Menge, sie alle setzten sich in Bewegung, sie zogen unterhalb der Pfarrkirche die Tepler Gasse hinauf, gewannen nach des Schmiedes kunstvollem Haus und an der Lateinschule vorbei das Tor und Freie, erreichten die Höhe, verließen die Straße und gelangten endlich nach halbstündigem Zug zur Richtstätte, auf der der Galgen einsam stand. Im weiten Rund umzogen die Abordnungen und Gemeinschaften den Platz, um sie lagerte sich die Menge, der Priester vollzog ein letztes Meßopfer für den Ausgestoßenen und dann stieg der Henker auf die Leiter und zerrte den Bettler gewaltsam nach.

(Fortsetzung folgt im nächsten Heft)

Ernst Frank: Es hebt uns die Welle ins letzte Geheimnis

Roman. 232 Seiten, Ganzleinen mit Schutzumschlag 10,— DM. Frank schildert in fesselnder Schreibweise die tragische Lebensgeschichte des in Buchau bei Karlsbad geborenen Dramatikers Clemens Stephani, wobei ein Teil der Handlung in Schlaggenwald spielt. Auf 19 Seiten zeichnet der Verfasser ein lebendiges Bild unserer Heimatstadt im 16. Jahrhundert.

Zu beziehen durch:
Schlaggenwalder Heimatbrief R. Marterer, 852 Erlangen, Zeppelinstr. 40

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