Schlaggenwälder Heimatbrief — Folge 94
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Mezihra v Horním Slavkově (úryvek z románu Ernsta Franka)

Zwischenspiel in Schlaggenwald

Ein weiterer Auszug aus dem Roman
„Es hebt uns die Welle ins letzte Geheimnis" von Ernst Frank

Die Stadt fieberte vor Erregung. Vor dem Rathaus warteten seit früher Stunde Männer und Weiber. Ihre Zahl mochte mehrere hundert betragen. Sie wollten alle an der Hinrichtung teilnehmen.

Der Bettler Georg Fischer, der erst vor wenigen Wochen noch von Haus zu Haus gegangen, Almosen für die Abbrändler von Schlüsselfeld einzusammeln, der es verstanden hatte, sich von der Kanzel aus unterstützen zu lassen, so daß er aus Schlaggenwald ein kleines Vermögen gesogen, der Bettler Georg Fischer sollte heute auf dem Galgen vom Leben zum Tode gebracht werden. Ganz Schlaggenwald hatte geopfert, ganz Schlaggenwald wollte nun dabei sein, wenn die gerechte Strafe an dem Abenteurer, Bettler und Fälscher vollzogen werden würde.

Auch Clemens und Ursula warteten auf dem neuen Markte. Margarete war daheim geblieben. Sie fürchtete, an ihrem Zustande Schaden zu nehmen, wenn sie an dem erregenden Gange teilnähme. Es genüge ihr zu wissen, daß Betrug seine Strafe finde. Die Stadt hatte, noch während der Bettler sein Handwerk in ihren Häusern ausübte, erfahren, daß Schlüsselfeld gar keinen Brandschaden genommen habe. Man nahm den Bettler fest, man befragte ihn, gütlich und peinlich, er gestand, daß er mit gefälschtem Briefe bettle. So setzte man seinem Unwesen ein schnelles Ende.

Die Menge schaute auf das Rathaustor. Das Giebelgeschoß, den Rundbogenfries, die Wappen an der Stirnwand des Gebäudes sah sie nicht; sie starrte unentwegt nach dem Tore, aus dem der Verurteilte kommen mußte.

Clemens und Ursula standen unter den Linden beim großen Röhrkasten. Ursula bemerkte die Inschrift am Zifferblatt der Uhr oberhalb des Rundbogenfrieses im Giebelgeschoß und fragte nach ihrer Bedeutung.

„Una ex his" las Stephani halblaut. Er erläuterte Ursula den Sinn der lateinischen Worte. Eine der Stunden werde die letzte jedes Uhrbetrachters sein, erklärte er. Ursula blieb nachdenklich, so daß sich Clemens bewogen fühlte, noch einige tröstliche Worte anzufügen. „Besser ist es freilich, an das Leben zu denken und die von Gott geschenkte Zeit richtig auszufüllen."

„Habt ihr nicht gestern Ähnliches mit dem ehrwürdigen alten Pater besprochen, der bei Euch zu Besuch war? — Ich vernahm solche Gedanken, als mich Frau Margarete den Wein auftragen

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