Auf der Kegelbahn in Töppeles
Von Otto Markof, Lehrer, Töppeles-Grafrath
Daß es mit unserem Heimatdörfchen Töppeles unter den Tepltaldörfern seine besondere Bewandtnis hatte, dessen waren wir Töppeleser uns schon immer ein wenig bewußt. Und deshalb muß es auch einmal in der Fremde gesagt werden, auch auf die Gefahr hin, daß die Nachbardörfer dies als Anmaßung und Überheblichkeit bezeichnen sollten. Diese Besonderheiten im Einzelnen aufzuführen, wäre unbescheiden. Aber wenn man bedenkt, daß es ein Ort mit knapp 400 Einwohnern auf drei stattliche Kegelbahnen gebracht hat, so spricht dies bestimmt auch in diesem Sinne.
Der Kegelsport! Das Feierabend- und Sonntagsvergnügen der jungen Herren! Wir hatten damals als Kinder nur das Vergnügen zuzuschauen. Und was das für ein Vergnügen für uns war! Wenn die Kegler gemessenen Schrittes ankamen, die Röcke auszogen, die Hemdärmel hochkrempelten, einmal kräftig ausspuckten, bevor sie die schweren Kugeln aus den Kasten nahmen, da konnten wir uns schon vorstellen, daß man etwas in den Muskeln haben muß, um diesen Sport zu betreiben. Wir mußten als Zuschauer erkennen, daß zu diesem Sport noch viel mehr gehört als Muskelkraft, nämlich Geschicklichkeit und die Fähigkeit, sich zu konzentrieren.
Aber das Köstlichste für uns Kinder waren ganz andere Dinge, die man beobachten konnte. Wir hatten in unserem Ort einige prächtige Originale. Das Mienenspiel, die Beinstellungen und Beinverrenkungen, die da zu sehen waren, bereiteten uns den größten Spaß. Wir hätten oft schreien können vor Vergnügen. Aber das durften wir nicht, sonst hätten uns die Kegler davongejagt. Wir mußten die Zähne zusammenbeißen. Wehmütig möchte man heute an diese Heiterkeiten zurückdenken. Inzwischen sind die Kegler von damals zu älteren Herren und die kindlichen Zuschauer von damals zu Männern mittleren Alters geworden. Hoffentlich erleben wir es noch, daß die alten und die jungen Kegler sich eines Tages zu einer gemeinsamen Kegelpartie auf Dietls, Schusters und Heinrichs Kegelbahn zusammenfinden werden.
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