Unsere Schlaggenwalder in Kanada
Von Rudi Marterer — III. Teil
Im ersten Teil habe ich geschrieben, daß jeder Siedler 160 Ar Land zugeteilt erhielt. Die Bezeichnung „Ar" bedeutet in Kanada „Acker" und umfaßt ein größeres Flächemaß als unser „Ar". Es soll also richtig heißen 160 Äcker, das sind 64³/₄ Hektar.
Was machen nun unsere Schlaggenwalder in Kanada in ihrer Freizeit? Gasthäuser wie bei uns findet man dort nicht. Dafür wird die Geselligkeit in Klubs und Vereinen sehr gepflegt. Es gibt Sommer- und Wintersport, Theater und Tanz. Landsmann Josef Korb schrieb mir: „Fast jedes Wochenende fahren wir hinaus in die Natur. Im Frühjahr und Sommer treibe ich Angelsport, der an den vielen Flüssen und Seen große Freude bereitet. Im Herbst geht es dann auf die Jagd, die in den großen Wäldern ein besonderer Genuß ist. Man findet hier viele Tiere, die in Europa nur noch im Zoo zu sehen sind."
Obwohl die Lebensweise in Kanada anders als bei uns ist, so halten unsere Landsleute dennoch an ihrer heimatlichen Art fest, auch bei den Speisen. Bei unserem Landsmann Josef Weinhart gibt es noch immer „bachana Kniadla und Grasltsbeer, Erdöpplkniadla und Eingelegtes oder Schwommasoos". Die Preiselbeeren sind in Kanada dieselben wie bei uns. An Pilzen findet man nur Birkenpilze, Rotkappen und Champions. Das Schwarzbrot bäckt unser Landsmann Weinhart selbst. Da er Fleischer ist, macht er hin und wieder Leberkäs oder Kranzelwurst, dazu Sauerkraut usw.
Bundestagsabgeordneter Ldm. Wenzel Jaksch hat mit der sudetendeutschen Sängerin Steiner im Vorjahr die sudetendeutschen Siedlungen in Kanada besucht und den Kontakt zu unseren Landsleuten erneuert. Mit besonderer Sehnsucht warten unsere Schlaggenwalder in Kanada immer auf den Heimatbrief, der meistens zwei bis drei Wochen und oft noch länger unterwegs ist. Die Freude über das Eintreffen ist groß. Nach der Lektüre gibt es dann stets eine angeregte heimatliche Unterhaltung. So wird der Heimatbrief zu einem Band, das uns alle umschließt, ganz gleich ob wir in Europa oder Amerika leben. Im nächsten Heft bringe ich dann einen abschließenden Bericht über unsere Schlaggenwalder in Kanada.
[obr] Motel (Übernachtungsgaststätte für Touristen) von Frieda und Ernst Weinhart in Fort St. John
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